Sulzfeld 2

Die Leute der Gegend, nach ihrer Meinung zu dieser Monumentalmauer befragt, glauben, dass es sich um natürlich aufgesprungenes Gestein handelt. Darüber gab es auch schon mit Fachleuten eine Diskussion. Insbesondere Dr. Springhorn vom Landesmuseum in Bad-Meinberg glaubt, dadurch das Sandstein-Mauerwerk des Bärenstein bei Horn erklären zu können. Jedoch ist weltweit kein derartiges geologisches Phänomen des Sandsteins bekannt. Wissenschaftler versuchen offenbar mit solchen Einfällen zu rationalisieren, was sie aus ihrer Schulweisheit heraus nicht erklären können.

Man hat den Eindruck, der ganze Untergrund der Steingrube, also die zweite Hangstufe, die somit von der Westspitze bis zur Ostwand reicht, bestünde aus solchen riesigen Quadern, ein Dreieck von ca. 300 x 300 x 300 m..

 

300 m südlich davon an der gegenüberliegenden Ecke zeigt ein Blick über die Felswand (Südostecke der Kruschhälde) ebenfalls, dass das Mauerwerk in die Tiefe reicht und der eigentliche Felsgrund viel tiefer liegen muss, als oberflächlich zu vermuten ist. Auch hier Reste von Mauern gegenüber der Felswand, die allerdings überwiegend aus kleineren handlichen Blöcken bestehen.

Nicht weit entfernt von obiger Stelle, ebenfalls an der Südwand, findet man diese gut erhaltene Mauerpartie.

Von einer größeren Distanz betrachtet, erkennt man, dass es sich um den Teil eines großen L-förmigen oder zweier aneinander gebauter Cairns handeln muss. Wie viele Cairns sich vor der Südwand versammeln ist noch nicht festgestellt. Der Plan ganz oben zeigt diese nur durch zwei Cairns angedeutet. Eine detailliertere Karte wäre nötig, um alle einzuzeichnen.

Zwei hoch aufragende Cairns dominieren die westliche Seite der Südwand direkt über dem Hohlweg.

Mehr oder weniger intaktes Mauerwerk tritt an allen Stufenböschungen zutage, hier an der Südseite der Oberstufe.

 

Ziemlich genau in der Mitte der östlichen Felswand von rund 300 m Länge begegnet einem diese eigenartige Nische. Sie befindet sich hinter einem parallel davor liegenden Cairn und ist nur über einige eingekerbte Stufen im Fels zu erreichen. Ganz erstaunlich ist, dass vor noch gar nicht langer Zeit die Decke dieser Felsnische mit Eisenträgern und Holzbrettern stabilisiert wurden. Keiner konnte uns Auskunft geben, welchen Sinn und Zweck diese Vorrichtung in einem regulären Steinbruch haben sollte.

 

Vielleicht handelt es sich um den Namen gebenden „Jägersitz“ oder „Jägerspitz“, also um eine wer weiß wie alte Ausarbeitung im Fels, deren ursprünglicher Sinn völlig vergessen wurde, und die seit langer Zeit schon Jägern als Hochsitz bzw. Hochstand dient. In dem weitläufigen, von Bäumen bestandenen Areal ist immer wieder Wild anzutreffen.

 

Die ursprüngliche Funktion kann man sich unter dem Aspekt, dass wir es mit einem Grabmonument und Tempelbezirk zu tun haben, nicht schwer vorstellen. Die Stelle ist als Kanzel gut geeignet. Ansprachen an eine auf dem weiten Platz davor versammelten Menge sind aufgrund der Schall reflektierenden Felswand gut möglich. Wer einmal vor den Externsteinen einen Vortrag gehört hat, weiß, dass eine Felswand die Lautäußerungen davor stehender Referenten sehr gut wiedergibt und verstärkt.

Direkt rechts daneben starren uns diese zwei Scheinfenster an. Wenn man solche an anderen Felswänden in anderen Steingruben findet und Ortskundige fragt, bekommt man immer wieder zu hören, die Steinbrucharbeiter hätten hier ihr Essen und Trinken untergestellt. Gut möglich, wenn die Nische tief genug ausgearbeitet war, aber hier sicher nicht. Steinbrucharbeiter konnten ihr Essen überall abstellen. Meist gab es eine entsprechende Holzhütte oder -baracke. Man hätte also keinesfalls die Felswand, die man doch eigentlich abarbeiten wollte, nicht vorher noch mit Aushöhlungen verunstaltet.

 

Das Relief wirkt auf uns wie die Darstellung einer Hütte mit schrägem Dach und zwei Fenstern. Besonders die linke Seite ist so gut erhalten, auf der rechten allerdings ist die entsprechende Partie abgeplatzt. In Italien kennt man solche Felsreliefs in Hausform ebenfalls aus der Etruskologie, also der Kultur, die mit den Kelten zeitgleich war.

Die zwei Nischen aus der Nähe gesehen. Wie beim Jägersitz sind auch hier die Rückwände mit Spitzmeißel geglättet, teilweise vielleicht auch mit Zeichen oder Zeichnungen versehen, die zu deuten nicht einfach ist.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:06:58