Sternenfels 2

Nach dem Sturz eines Baumes kam eine Hangstufe zum Vorschein. Seine Wurzeln hatten im Erosionsschutt der Jahrtausende keinen Halt mehr gefunden. Ebenso löste sich ein großer Felsblock aus der gegenüberliegenden Felswand und blieb am Fuß der Pyramide liegen. Doch das Mauerwerk der Pyramide ist so kohärent, dass es wohl noch weitere Jahrhunderte überstehen wird. Bis irgendwann baden-württembergische Archäologen aus ihrer Dauernarkose erwacht sind und erkennen, was ihnen seit Bestehen großherzoglicher Altertumskunde durch die Lappen gegangen ist.

Auf diesem Bild wird erkennbar, wie steil das Bauwerk immer noch ist. Mit einer Hangneigung von 54º übertrifft sie sogar den Basiswinkel der Cheopspyramide mit 52º.

Am Ende der Rampe von der Kreisstraße zum Felsraum auf der unteren Stufe öffnet sich dieses Tor. Eine breite Barriere verhindert den unmittelbaren Zugang, die erst im Slalom umkurvt werden muss.

Man muss also um einen Riegel laufen, der quer ins Tor hineingebaut wurde und etwa 3 m dick aus Stein besteht. Einen derart im Slalomkurs betretbares Zugang nennt man Skaeisches Tor, wie uns Dr. Wieland vom LDA Karlsruhe versicherte. In Troja fand man ebensolche.

 

Als Zugang für einen regulären Steinbruch macht eine solche Konstruktion keinen Sinn. Steinbruchbetreiber verstanden ihren Arbeitsplatz gewiss nicht so militant schützenswert. Im Gegenteil, der Riegel war mehr als hinderlich für die einfahrenden Gespanne.

Die Wehrmauer von oben betrachtet. Die Ausgrabung brachte den exakt geraden Verlauf des Mauerwerks in der Torinnenflanke zum Vorschein. An der Innenecke kam eine Steinbank zum Vorschein, als hätte dort der Torwächter gesessen.

Die Torflanke auf der rechten Seite ist schon reichlich zerstört, wie die gesamte Mauer zur Straße hin. Man sieht aber deutlich, dass sie gemauert ist. Der Teil rechts unten ist noch besonders gut erhalten. Im Kern besteht sie jedoch aus gewachsenem Fels, der auf der Innenseite gut zu erkennen ist. Nur im Tor und zur Straße hin wurde aufgemauert. Ursprünglich dürfte die Mauer nach Süden hin genauso hoch wie innen gewesen sein. Einsturz, Abrutschen, vielleicht auch Plünderungen dürften ihren Teil zur Zerstörung beigetragen haben. Heute erledigt der Rest das Wurzelwerk der Bäume.

Die linke, etwa 10 m dicke Torflanke während der Ausgrabung. Der Querschnitt bringt deutlich das ursprüngliche Hangprofil zum Vorschein. Während rechts der gewachsene Fels ansteht, erscheint links das ursprüngliche Erdreich im natürlichen Bogen des Hanggefälles. Auf dieses aber wurden Bruchsteine im Mauerverbund gesetzt (der dunkelgrüne bemooste Teil). Diese Vormauerung dürfte vorne senkrecht abgeschlossen haben.

Die Freilegung der Vorderseite brachte das sorgfältig und trocken gefügte Mauerwerk aus rechteckigen Sandsteinen zutage. Insbesondere die Fassade bestand, wie man an den Resten direkt über dem Fundament erkennen kann, aus präzis behauenen Steinen, die somit eine perfekt glatte Fassade gebildet haben müssen. Das Bild ist also ganz anders, als das heutzutage meist aus den Reststeinen rekonstruierte grobe Bild von keltischen Wehrmauern. Diese Wand muss sehr repräsentativ gewirkt und durchaus den Eindruck eines gallo-römischen Tempels hinterlassen haben.

Unten zu sehen ist die Felsmauer von innen, von der Felsnische gegenüber dem Tor betrachtet, das Tor ist rechts von der Mitte zu sehen, der zerstörte Dolmengang zur Felsnische ganz rechts. Welcher Steinbruchbesitzer legt Wert darauf, seine Wirkstätte mit einer solchen, aufwendig aus dem Fels zu hauenden Sichtblende abzuschirmen? Zu viel Aufwand für den kein Profit zu erzielen ist.

Fels oder Erdreich in Verbindung mit Bruchsteinmauerwerk aber kennt man schon seit der Bronzezeit oder den Kelten. Deren Wehrmauern wurden murus Gallicus genannt. Wenn dies ein sakraler Raum mit einem Cairn war, dann hatte er Schutz verdient. Was die Wenigsten wissen, auch die Pyramiden der Ägypter, selbst die Cheopspyramide, waren mit Mauern umgrenzt.

 

Den unten zu sehenden Weg zwischen Bruchsteinmauerwerk, bezeichnet der Entdecker als zerstörten Dolmengang. Die Böschungen links und rechts sind die Reste eines großen Cairns der abgetragen wurde. Die Akten aus dem Ortsarchiv lassen darauf schließen, dass die Steinbrucharbeiten der Firma Treutle hauptsächlich hier auf Oberderdinger Seite stattfanden. Gewonnen wurden aus diesem neuzeitlichen Steinbruch, wie aufgezeichnet ist, keine großen Bausteine, -quader und -blöcke, sondern lediglich Pflaster- und Grenzsteine, sowie Wetzsteine, alles Formate, die im Bruchsteinmauerwerk des Restcairns noch gefunden werden können.

Im Zuge der Abtragung des ganzen Cairns, der ursprünglich den Felsraum ausfüllte und den zu sehenden Gang vollständig bedeckte, müssen die tragenden Felsplatten und die Felsplattendecke, aus denen typischerweise Ganggräber bestehen, raus gerissen worden sein. Diese massiven tonnenschweren Steine waren am besten zu verwerten, und sie waren, wie man von anderen Gangfunden im Umkreis und bei Würzburg weiß, meist schon in Rechteckform gebracht, so dass keine aufwändige Umarbeitung mehr nötig war. Wie die Ortsakten zu berichten wissen, benötigt man die großen Felsplatten zur Herstellung von Mühlsteinen für die Sandmühlen am Ort.

 

Der rechtwinklige L-Gang, der dabei aufgedeckt wurde, ist typisch für die Cairns im Morbihan/Bretagne, aber auch in Kürnbach, Eibensbach und Würzburg-Randersacker entdeckt worden, er führt zu einer Nische im Fels, wo die eigentliche Grabkammer vermutet werden kann. Das Bild wurde von dieser Nische aus aufgenommen.

Hier zu sehen die Felsnische am Ende des abgewinkelten Grabgangs. Ein alter Grenzstein senkt sein müdes Haupt. Im Hintergrund Bildmitte die großen tonnenschweren Felsplatten in der Nische.

Die Felsplatten, mehr als 10 hintereinander in Schräglage gestaffelt und alle mehr als 3 m im Rechteck, machen den Eindruck, als wären sie ursprünglich waagrecht gestapelt gewesen, bevor sie umstürzten. Vermutlich wurde sie absichtlich aus ihrer ursprünglichen Position gebracht. Wenn das die eigentliche Grabkammer war, können wir davon ausgehen, dass diese großen Platten ein überkragendes Gewölbe gebildet haben. Ähnliche Konstruktionen mit bis zu 6 m langen Felsplatten kennt man von Cairns auf den Orkney-Inseln, z. B. Maes Howe.

 

Seltsamerweise bieten die Felswände der Nische nur auf der Südseite genügend hartes Gestein, das abbauwürdig gewesen wäre, das stellte sogar der Landeskonservator Dr. Biel selbst vor Ort fest. Diese Platten dürften also von außerhalb stammen.

Die Zwerchhälde ist nicht nur das erste, sondern bis jetzt das besterforschte Monument im Kraichgau. Trotzdem ist allfällig zu sehen, was noch alles getan werden muss, bis dieses stark ramponierte Glanzstück megalithischer Architektur der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Vor allem die unschönen, wie Kraut und Rüben wachsenden Bäume müssen endlich weg!

 

Dann hat die Spatenwissenschaft auch eine Chance. Wenn die teuer bezahlten Staatsarchäologen von ihrem Zeitbudget her nicht in der Lage sind, dann könnten hier Freizeit- und Hobbygräber viel Nützliches leisten. Endlich würden die Stufen und Umfassungsmauern der Cairns bis zum Fundament freigelegt, wobei, wie eine Baggersondierung erbrachte, wohl mehr als 2 m tief gegraben werden muss. Vor allem aber könnte die Grabkammer von Cairn 2 vollständig von dem ganzen Lehm und Erosionsschutt befreit werden, der über die Felswandkanten von oben eingespült wurde.

 

Kreativität ist gefragt. Auch jetzt schon werden Sommerworkcamps für archäologische Projekte veranstaltet, wo die forschende Jugend ihre Neugier tatkräftig befriedigen kann. Gibt es etwas Lohnenderes, als die eigenen Pyramiden auszugraben?

 

Und wenn´s die Oberderdinger Festival-Organisatoren hinkriegen, geht´s am Wochenende zum mythologischen Keltenfestival mit Original-Dudelsackmusik auf den Wiesen in der herrlichen Landschaft am Fuße des Strombergs.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:06:22