Schmie

Die Cairn-Felsnekropole von Schmie

Beschreibung

 

Diese eindrucksvolle Versammlung sehr großer Cairns in einem „Steinbruch“ direkt am Ortsrand der kleinen Gemeinde Schmie erstreckt sich über rund 700 m Länge und ist vollständig in den Fels der Hochebene oberhalb des Schmietals eingebettet. Ein nicht weit entferntes Quellgebiet, hier der Schmie, scheint den Standort dieser, wie auch anderer Nekropolen determiniert zu haben. Heute sind die Cairns vollständig von einem kleinen Wald verborgen.

 

Die 20 Cairns wurden von dem Entdecker in 10 äußere und 10 innere Cairns unterteilt. Die äußeren werden mit arabischen Ziffern gekennzeichnet, die inneren mit römischen.

 

Die äußeren Cairns sind zusammen gebaut und bilden quasi einen Wall, der das ganze Areal gegen das Tal hin begrenzt. Von der Kuppe dieser lang gezogenen breiten Mauer geht es sehr steil zum Talgrund hinab, wobei eine Höhendifferenz von etwa 20 – 25 m überwunden wird.

 

Vom Talgrund führt eine breite künstliche Rampe hoch zur Felsnekropole, die aber im oberen Bereich durch zwei hohe Cairns blockiert ist, welche sich in den Umgrenzungswall fügen. Ursprünglich dürfte die Rampenauffahrt frei gewesen sein und vmtl. als Prozessionsstraße zu den Grabhäusern gedient haben.

Auf dem Panoramabild unten zu sehen ist die Rampe, die vom Tal einst nach oben in die Felsnekropole führte und heute durch Cairn 1 und 2 versperrt ist. Das Bild umfasst lediglich die Perspektive von Cairn 2 zu Cairn 9, woraus Sie ermessen können, in welch gewaltiger Größe sich diese Begräbnisstätte erstreckt. Rechts im Bild erkennen Sie einen dieser steil aufragenden Cairns, dessen heutige Böschung den Talgrund berührt. Auch zu erkennen ist in der linken Bildhälfte der gestufte Hang, auf den die Bauwerke gemauert sind.

 

Der Heilige See:

 

Die Steingrube ist das wohl landschaftlich reizvollste Steingrab aus der Zeit Celticas in unserem Land. Das grüne Tal der Schmie dürfte nicht immer trocken gewesen sein, sondern bildete einen aufgestauten See, in dem sich die Grabhügel auf der Wasseroberfläche spiegelten. Dazu wurde jedoch kein Damm errichtet, sondern der ganze obere Teil des Tales ausgegraben. Heute fließt die Schmie in einem Bachbett das tiefer ist als dieser ehemalige Seegrund. Es wäre jedoch ein leichtes, diesen Abfluss zu blockieren und den See wieder aufzustauen.

Die Bilder der Cairns werden in einer Art Führung durch die Nekropole vorgestellt, der Häldengasse von Nordwest nach Südost folgend.

 

Der separat liegende Cairn I im Norden zeigt die wohl besterhaltenste Basismauer, die auf ganzer Länge von etwa 95 m noch durchgehend steht. Anders als die auf der Rückseite wurde sie vor Verschüttung geschützt, da der unmittelbar angrenzende Weg zwischen Cairn und dem parallelen Quelllauf der Schmie ständig freigehalten werden musste. Die Brücke über den Quelllauf der Schmie rechts im Bild fungiert als Zugang zur Felsnekropole und muss deshalb von Anfang an existiert haben.

 

Cairn I bietet gleich das eigenartigste Relikt im ganzen Areal, etwas, das in Deutschland im Zusammenhang mit Cairns sonst nur noch an den Externsteinen gegenüber dem Bärenstein von Horn/Bad-Meinberg zu finden ist – ein Sargstein.

 

Er befindet sich hinter dem Cairn im vermeintlichen Steinbruch, der sich als breiter langer Felsraum darstellt. An seinem westlichen Ende konnte diese Wanne am Fuß der senkrecht aufragenden Felswand freigelegt werden.

Die aus dem Fels gehauene Vertiefung wird auf der Ostseite durch eine Mauerung begrenzt, die eine etwa 10 m breite und mehr als 1 m hohe Ebene am Kopfende des Felsraums bildet und exakt an der Ecke des Sargfelsen beginnt. Die Architektur fordert dazu heraus, sich Gedanken über ihre Funktion zu machen. Erhabene Bereiche in sakralen Räumlichkeiten haben immer eine besondere Bedeutung. Hier kann der Altar stehen, oder eben dieser Sargstein, der am Externstein als symbolisches Grab aus christlicher Zeit gedeutet wird, aber mit dem Orpheusgrab in Tutal/Bulgarien in Form und Größe nahezu identisch ist. Dieses jedoch datiert man anhand allerfrühester Spuren in die Bronzezeit. Die Thraker sollen diesen Sargstein genutzt haben, um Kontakte mit der Totenwelt aufzunehmen und ihrem Glauben an die Seelenwanderung zu frönen, derselbe Glauben, dem nach Auskunft der antiken Autoren auch die Kelten anhingen.

Cairn II, den man im kleinen Wäldchen gegenüber als erstes entdeckt und ebenfalls ein Langcairn ist, fügt sich genauso wie Cairn I mit der Schmalseite an die Felswand im Hintergrund.

Fast nirgendwo sind die Mauern der Cairns so gut erhalten wie in der Steingrube von Schmie. Typisch, dass es sich durchweg um Trockenmauerarchitektur handelt. Hier im Bild zu sehen ist die Basismauer des Cairns II, Südseite, im Hintergrund ein Teil der Felswand.

Die Nordseite vom benachbarten Cairn III zeigt auf der Kuppe eine deutliche Stufe. Die rund gemauerte Einbuchtung an der Basis (links im Bild) deutet, wie ähnliche Konstruktionen in Schottland oder auf Sardinien (Gigantengräber), auf ein Portal, nun verschüttet und nicht erkennbar.

Die Einbuchtung an Cairn III aus der Nähe.

Die Südseite von Cairn III weist eine Rampe auf (links im Bild), die aber nicht auf die Kuppe führt, sondern an deren Böschung endet. Ähnliche Rampen gibt es an Cairn 1, Cairn VI und am Cairn von Heilbronn.

Cairn IV, Nordost-Ecke, mit der sehr gut erhaltenen Basismauer und dem Portal „der Keller“ rechts hinter der Ecke.

Der Keller, ein in den 60er Jahren noch betretbares Ganggrab, das aus Sicherheitsgründen zugeschüttet wurde, Cairn V im Hintergrund.

Direkt neben dem Keller erbrachte eine Probegrabung eine Lücke in der Fassade, die wiederum stark dem Portal ähnelt. Jedoch reichte die Grabung, weil Wurzelwerk in die Quere kam, nicht tief genug, um einen Hohlraum freizulegen.

Wiederum direkt neben dieser Lücke (im Bild hinter dem linken Baum) erbrachte die Grabung noch eine weitere Aussparung im Mauerwerk. An beiden Teilen ist das Prinzip megalithischer Cairns zu erkennen, die hintereinander gesetzten Mauerzüge.

Rechts neben den drei vmtl. Portalen zeigt die Nordfassade von Cairn IV weitere Eigentümlichkeiten besonderer Art. Eine senkrechte Fuge, rechts daneben ein eingestürztes Teil, das eine Nische gebildet haben könnte, darunter ein rund gemauerter Bogen aus schmalen Steinplatten.

 

Was wird eine Ausgrabung des sicher mehr als 1 m tiefer liegenden Grundes noch alles hervorbringen?

Im Sommer 2009 ergab eine weitere Inspektion, dass der Teil mit der offenbar eingestürzten Nische nun völlig zerstört ist. Dafür brachte die Freilegung des unteren Teils, wo ein gemauerter Bogen vermutet wurde, eine weitere eingebrochene Nische zutage. Der Mauerbogen scheint sich auf diese Nische zu beziehen. Ein vergleichbarer Bogen durch Mauerfugen gebildet, findet man auch an einer sehr gut erhaltenen Umfassungsmauer am Cairn der Sommerhälde von Oberderdingen (Ölmühlenkopf). Der ist allerdings konkav und nahezu halbrund.

 

Fragt sich, wie lange die Mauernische unten noch der schleichenden Zerstörung standhält. Es wird ja überhaupt nichts getan, um diese einmaligen Relikte einer versunkene Kultur zu rekonstruieren. Stattdessen bezeichnet man diese kunstvoll gebauten und gut erhaltenen Cairn-Mauern als Ummauerungen von Schutthalden. Als ob es das je gegeben hätte. Warum hätten Steinbrucharbeiter zusätzlich zu dieser völlig sinnlosen Arbeit auch noch Nischen in ihre Mauern einbauen sollen?

Weitere Nischen zeigt die Südfassade von Cairn III gegenüber. Ähnlich prägnante Nischen sind auch an der Maihälde von Brötzingen-Pforzheim zu finden. Man denkt an die Tempel der alten Hochkulturen, wo ähnliche Aussparungen an den Mauern gefunden wurden, um Statuen aufzustellen. Vielleicht wurden dort auch nur Öl- bzw. Talglampen aufgestellt, Devotionalien deponiert? Die neuen Methoden der Archäologie könnten Spuren feststellen, die das belegen. Aber wenn der angeblich rational denkende Wissenschaftler für Quatsch hält, was jedem vernünftigen Menschen zu denken gibt...

Cairn V, die Nordseite. Deutlich zu sehen ist das Portal „die Schmiede“, deren Niveau heute aber wie das ganze Gelände zum Großteil unter dem Boden liegt. In den 60er Jahren war der Gang offen und diente einem Steinmetz, der die Baublöcke aus den Mauern verarbeitete, als Lager für seine Werkzeuge, daher der Name. Die Kinder des Grundstückbesitzers spielten in diesem Gang, bis der hintere Teil mit einer Mauer verschlossen wurde, so die Zeugen dieser Zeit.

Die Steingrube wird auf 1147 datiert

 

Die Schmiede war ein begehbarer Raum im Baukörper, den ein Steinmetz für sich nutzte. Dieser verarbeitete offensichtlich die gut erhaltenen Steine der Cairns. Dies geschah allerdings mehr als 60 Jahre nachdem die Steinbrucharbeiten in der Steingrube eingestellt worden waren. Tatsächlich fand nur kurz um die Jahrhundertwende von 19. zum 20 Jahrhundert Steinabbau in der Steingrube statt, und das auch nur, wie die Söhne des heutigen Besitzers uns mitteilten, in einem sehr kleinen Teil des Areals, der im Plan ganz oben als dunkelgraue Zone eingezeichnet ist. Eine andere Stelle, außer dem Häldenplatz, kommt auch nicht in Frage, da nur dort kein Cairn an die Felswand stößt und diese damit komplett verdeckt. Am Häldenplatz allerdings sind breite Teile der Felswände gemeißelt, was auf sehr alte, vorrömische Bearbeitung hinweist. Siehe Rubrik Cairn-Forschung „Gemeißelte Felswände“.

 

Lokalhistoriker halten die Steingrube nämlich für sehr alt. Sie soll schon 1147 beim Bau des etwa 2 km entfernten Kloster Maulbronn als Steinlieferant gedient haben. Tatsächlich sind die Klostersteinbrüche im Ortsgebiet von Maulbronn noch heute vorhanden, der älteste Stadtteil, das Schäferloch mit seinen uralten Fachwerkhäusern, entstand in einem Steinbruch, und das Kloster selbst steht inmitten hoch aufragender Felswände, die also schon vor dem Bau aufgebrochen gewesen sein müssen!

 

Zudem waren die Bewohner von Schmie, außer im besagten Zeitraum, nie als Steinhauer in Erscheinung getreten. Ihr Broterwerb war die Landwirtschaft. Deshalb dieses Rätsel, wie ein so großer „Steinbruch“ in einer landwirtschaftlich orientierten Gemeinde entstehen konnte, und daher die naheliegende Erklärung, dass er schon so alt sein müsse und aus einer Zeit stamme, an die sich niemand mehr erinnern kann. Seltsamerweise hat sich bis heute keiner Gedanken gemacht, wieso die Steingrube hermetisch mit angeblichen Schutthalden zugebaut ist.

 

Die Steinkammer wurde, wie der Sohn des Besitzers erklärte, in den 60er Jahren wesentlich verändert. Im Innern wurde der hintere Raum durch eine Mauer abgetrennt, das Portal war früher breiter. Die Decksteine in ihrem jetzigen Zustand erscheinen kaum tragfähig und das ganze Mauerwerk wie zusammen gestückelt. Vmtl. beginnen die echten Decksteine erst ein Strecke tiefer im Baukörper.

Die Nordwestseite von Cairn V. Schön zu sehen die erhalten gebliebenen Mauerpartien.