Randersacker Marsberg2

Im Innern des Ganggrabes erkennt man die typischen Architekturelemente des Megalithikums – große senkrecht stehende Felsplatten als Tragsteine für die waagrecht darüber gelegten tonnenschweren Felsplatten.

 

Auch der Wechsel von tragenden Felsplatten zu trocken gesetztem Mauerwerk als Stützwand für die Architrave ist von vielen Dolmen und Ganggräbern Europas bekannt.

 

Der Gang läuft etwa 11 m leicht konkav geradeaus und macht dann einen rechtwinkligen Knick nach links.

In diesem etwa genauso langen Abschnitt wird die Decke stufenweise niedriger, und zwar parallel zu zwei im Boden befindlichen Stufen. Die weiteren Bodenstufen sind dann allerdings von Geröll und Lehm verborgen. Es muss sich also um eine verschüttete Treppe handeln, die hier in die Tiefe führt – vermutlich zu einer Grabkammer.

 

Die Grabkammern der Etrusker, z. B. in Cerveteri, sind ebenfalls in den Fels hinein gehauen und nur über lange steile Treppen erreichbar.

Am Ende des Ganges berührt nun die Decke den Boden, der aus einer eingeschwemmten Auffüllung aus Lehmschlamm besteht. Dieser Lehm hat auch einen großen Teil des südlichen Areals mehr als einen Meter hoch zugeschwemmt und lässt z. B. das Portal des Heimbs-Ganges fast unter dem Boden verschwinden. Auch das Areal der Cairn-Nekropole bei Schmie/ Maulbronn ist derart hoch zugeschwemmt, dass alle Portalöffnungen nur etwas mehr als einen Schlitz breit erkennbar sind.

 

Nach einer ersten Freilegung dieses verstopften Lochs wurde erkennbar, dass die fortlaufende Decke aus zwei Viertelkreisen besteht, wobei die rechte Wölbung aus gewachsenem Fels und die linke aus überkragend gesetzten Bruchsteinen besteht.

 

Als Erklärung für diesen eindeutig als Megalithgang bzw. Ganggrab anzusprechenden Stollen, wurde uns von Würzburger Heimatkundigen erklärt, diese Hügel seien Abraumhalden, und in diesen einen speziellen habe man den Felsgang hinein gebaut, und zwar als Bierkeller. Verwirrend, dass man nun die aus Felsquadern aufgebauten Hügel nicht mehr als natürlich gewachsen ansieht, sondern als Abraumhalden. Welche Theorie ist nun die gültige? Richtig ist ja keine von beiden. Das sieht man an folgendem Beispiel.

 

 

Der Megalithgang Geise II

 

Dieses Megalith-Portal befindet sich direkt gegenüber der Felswand ganz im Norden. Hier ist sehr anschaulich zu sehen, wie die Steinbrucharbeit vergangener Jahrhunderte die Gänge erst zum Vorschein, dann zum Einsturz brachte. Das beschert uns nun den Einblick in das Innere einer deutschen Megalith-Pyramide

 

Ungeheuer große, präzis rechteckige Felskuben bilden die Seitenwände, gigantische Felsplatten die Decke. Ähnlich große Monolithen und Megalithen im Mauerverbund eines Ganggrabs kennt man nur von Maes Howe auf den Orkney Inseln. Dort bilden die bis zu 6 m langen Felsplatten die überkragende Kuppel der Grabkammer.

 

Deutlich zu sehen, dass der vordere Teil des Ganges, insbesondere die linke Hälfte, eingestürzt ist, bzw. zum Einsturz gebracht wurde. Die zig Tonnen schwere, akkurat rechteckige Deckplatte brach dabei auseinander. Das ist sehr gut zu erkennen, da die Bruchkanten sich eindeutig aneinander fügen. Vermutlich zerbrach die massive Deckplatte, als die darüber liegenden Felsplatten mit dem Kran abgehoben und weggeschafft wurden. Diese hatten der darunter liegenden Deckplatte durch ihr Gewicht bis zuletzt Halt gegeben – Bauprinzip aller Cairns, wo die Statik des Bauwerks und seiner Gänge immer nur durch planvolles und wohlkalkuliertes Aufeinandersetzen der Steinblöcke und Felsplatten erreicht wird. Dadurch war es sogar schon möglich, Kuppelbauten zu konstruieren, das Kraggewölbe, das sich nur durch das ineinander greifende Mauerwerk der horizontal gesetzten Gewölbe-Blöcke trägt. Die Zerstörung war wohl nur mit Hilfe eines Krans, dessen Verankerung nicht weit entfernt nachweisbar ist, möglich.

Betrachtet man die akkurat geglätteten, perfekt rechteckigen Bauquader fühlt man sich nach Ägypten versetzt. Dort begegnet einem dieselbe Grabarchitektur im Bau großer und kleiner Pyramiden.

 

Man fragt sich ständig, warum den dort arbeitenden Leuten diese Kammern nicht aufgefallen sind, warum kein Einziger sich Gedanken machte, als diese unvermutet unter den gigantischen Quadern auftauchten. Die Geologen hatten ihnen ja schon eine Erklärung für das Entstehen der rätselhaften Quader geliefert, die die Natur angeblich schon so perfekt in Form gebracht hatte. Doch konnten sie schlechterdings solche Kammern auch noch sinnvoll deuten.

 

Damals waren die Menschen ungebildet, unterwürfig und hart arbeitend. Und das scheint noch heute dort in manchen Gegenden der Fall zu sein, denn immer noch gibt es derartige „Steinbrüche“, die in Betrieb sind, wo die Zerstörung ungehindert weitergeht. Man hört ja auch heute immer wieder von Bauarbeitern, die archäologische Funde gemacht haben, aber weil der Chef die Arbeit nicht unterbrechen wollte, wurde das Denkmalamt nicht verständigt. Was mit den Funden geschah, weiß niemand. Mancher prähistorische Totenschädel ziert wohl die Hausbar eines Unternehmers. Resümee: Nicht nur in der Ökonomie führt Dummheit und Eigennutz zu heilloser Verwüstung.

 

Das Innere des Dolmens reicht heute nicht mehr sehr tief. Die Kammer ist allerdings recht breit, breiter als die zwei anderen bekannten Gänge. Die Rückwand besteht aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk, das evtl. die Vermauerung eines weiterführenden Gangstückes darstellt, aber schon vor Errichtung der davor gestellten Wandquader errichtet worden sein muss.

 

Da man an die eigene Hochkultur im Land nicht glauben will, muss erklärt werden, was mit konventionellen Denkmustern nicht zu erklären ist. Eine weitere abwegige Theorie aus dem Kreis Würzburger Geschichts-Nihilisten lautet, dass dieser Gang erst im 19. oder 20. Jh. entstanden sei und als Sprengstoffkammer gedient habe. Tatsächlich hätte man in dieser Zeit den Gang ordentlich gebaut und nicht so eine windschiefe Konstruktion errichtet. Vor allem wäre das Mauerwerk mit Mörtel verfugt, damit keine Feuchtigkeit eindringen und das Schiesspulver nass werden kann. Der Gang würde heute noch akkurat gebaut dastehen und nicht halb zerstört. Das Chaos kann eigentlich erst durch Steinbrucharbeit entstanden sein, welche die Kammer unvermutet zutage brachte.

 

Die einzige Alternative zu diesem Szenario: Es könnten hier schon vor langer Zeit tektonische Kräfte gewirkt haben, die den Gang in sich derart verschoben, dass heute nicht einmal mehr die einstige Vertikale vorhanden ist. Man denke an ähnliche antike Bauwerke, die ebenfalls Opfer von Erdbeben wurden.

 

 

Der Heimbs-Gang

 

Im südlichen Teil des Marsberg-Areals fand Dipl. Ing. Andreas Heimbs aus Wels, Österreich diesen verschütteten Gang in megalithischer Bauweise. Die folgenden Fotos wurden von ihm freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

Der Blick geht zum Eingang. Schön sind hier die fischgrätenartigen Schraffuren auf den Fels-platten, die an ähnliche Vorbilder der Bretagne erinnern.

Am Ende des mehrfach abknickenden Ganges befindet sich eine alkovenartige Nische, die an ähnliche Bestattungsplätze in Katakomben oder etruskischen Felskammern erinnert. Der eiserne Beschlag kann natürlich nur in jüngerer Zeit angebracht worden sein, als der Gang anderweitige Benutzung durch den Besitzer gefunden hatte.

Ein Blick in die Nische offenbart Erstaunliches. Die Kalksteine der hinteren Wand sind durch Auswaschungen von Calcit stellenweise verschmolzen. Es hat also ein ähnlicher Prozess wie bei der Stalaktitenbildung in Karsthöhlen stattgefunden. Und man weiß, dass dazu sehr lange Zeiträume notwendig sind: 8 - 15 mm pro 100 Jahre. Dadurch ist eine Entstehung in dem von Heimatkundigen favorisierten Zeitraum - Ende des 19., Beginn des 20. Jhs. - ausgeschlossen. Außerdem geht die Berechnung wohl von Karsthöhlen aus, die unter dem Grundwasserspiegel liegen und damit ständige Wasserzufuhr haben, während in Cairns lediglich der Regen periodisch einsickert. Wie alt also ist diese Nische bzw. der ganze Gang?

 

Hier erkennt man, wie viel Feuchtigkeit in solche Kammern eindringen kann. Niemals hätte man darin Sprengpulver aufbewahren können. Die Funktion dieser Kammern im Steinbruchbetrieb bleibt somit rätselhaft.

Zuletzt geändert: 22.10.2009, 19:32:25