Oberderdingen2

Auf dem folgenden Bild ist die Lücke zwischen Altar und Felswand noch deutlicher zu erkennen. Sie ist nur einige Zentimeter breit, dürfte aber ursprünglich bis zum Hang hinaus offen gewesen sein, also eine Art Schießscharte in der Nordmauer gebildet haben. Eine Sondierung mit einem langen Stock erbrachte lockere Verfüllung mit Erde und Geröll., die allerdings nicht ganz einfach zu beseitigen ist, da auf der Vorderseite der etwa drei Meter dicken Mauer ein Baum mit Wurzelwerk steht. Eine lohnende Aufgabe, denn der Zielort dieser Visurscharte ist der höchste Punkt des Kraichgaus, der Steinsberg bei Sinsheim. Auf ihm steht ein ottonischer Turm, ein achteckiges Exemplar aus der Zeit um 1200.

 

Es ist wohl wahr, dass die Ley-lines, die kultgeographischen Linien der Urzeit, auf der noch heute Kirchen, Kapellen, Grabhügel, steinzeitliche Observatorien und Festungswerke liegen, ihren Ursprung an Altären hatten, und dass die Landvermessung und wohl auch Erdvermessung schon in der Steinzeit eine flächendeckend angewandte Wissenschaft war. Leider ist das Thema heillos mit esoterischen Spekulationen überfrachtet, so dass eine seriöse wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema den wenigsten Akademikern opportun erscheint.

Hier der Steinsberg weit entfernt am Horizont. Die Linie, die zu ihm führt, also den Ölmühlenkopf und den Steinsberg verbindet, verläuft 6° NO. Diese Abweichung zu den Himmelsrichtungen hat Dr. Josef Heintsch, Dinslaken, Erforscher kultgeographischer Linien, schon in den 20er Jahren des 20. Jhs. als Mondlinien bezeichnet, die in der Landschaft Sonnentempel bzw. Berge der Sonnenverehrung mit Orten des Mondkultes verbinden. 6° beträgt die Abweichung der Mondextreme zur Sonnenextreme in der Mittsommer-Sonnenwende bezogen auf den 19,3 Jahre währenden Meton-Zyklus (235 Monate, 6940 Kalendertage). Dieser kann an der Felsinstallation von Stonehenge sehr gut abgelesen werden. Anzunehmen, dass der Altar hier ein Ort der Mondverehrung, und der Steinsberg einer des Sonnenkults war.

Unten zu sehen die vorbildlich restaurierte Anlage aus der Nähe. Der Steinsberg gilt als der Kompass des Kraichgaus, weil von vielen seiner Höhenzüge Sichtkontakt zu ihm besteht und damit eine Orientierung in der Landschaft möglich ist.

 

Unsere Vorfahren, wie überhaupt die alten Völker und Kulturen, gaben den Bergen, insbesondere den markanten eine besondere Bedeutung. Manche Berge waren Objekt kultischer Verehrung. Der Steinsberg muss eine hervorragende Rolle im Weltbild unserer Ahnen gespielt haben, wenn der Oberderdinger Altar sich eindeutig auf ihn orientierte. Achteckige Bauwerke sollen übrigens heidnisches Wissen über die Erde und ihre Maße bis ins Mittelalter überliefert haben.

 

Das Castel del Monte in der apulischen Murge Spaniens besitzt genauso einen achteckigen Grundriss und wurde ebenso in der Zeit der Staufer, vielleicht von Friedrich II. Augustus, um 1240 erbaut. Jedoch gibt es kein einziges Dokument, dass tatsächlich über die Erbauer aufklären könnte. „Zahlreiche Beziehungen zur Sonnenbahn und ihren Kardinalpunkten, den Sonnwenden und Tagundnachtgleichen haben dem Bauwerk den Ruf eines Sonnentempels oder Observatoriums eingebracht“ (Rainer Langlotz, Das Mysterium von Castel del Monte, Magazin 2000+, 2001/8). Höchste Zeit, dass man auch den Steinsbergturm dementsprechend einer Untersuchung unterzieht. Vier Ecken des Bergfrieds jedenfalls sind genau nach den Himmelsrichtungen orientiert. Wenn hier Sonnenbeobachtung stattfand, haben wir es mit einem Ort des Sonnenkults zu tun.

Die exakte Gerade wird nicht nur durch die rechte Kante des Altars und die senkrechte Ecke der Felswand, sondern auch durch eine zusätzliche Ausarbeitung der Tischfläche am rechten Rand neben der Abflussrille hervorgehoben.

 

Es handelt sich um eine merkwürdige, bis dato in der Archäologie noch nicht bekannte Vorrichtung, die man am ehesten als „Kimme und Korn“, also als spezielles Instrument zum Anvisieren entfernter Objekte bezeichnen kann. Diese senkrechte Platte ist nur etwas breiter als der schmale Felswand-Schlitz dahinter.

 

Alle aufgefundenen, ausgegrabenen Objekte mussten ungeschützt im Wald zurückgelassen werden und sind damit der Zerstörung durch Natur und Mensch ausgeliefert. Dringend geboten wäre eine vollständige Freilegung der Visurscharte und eine zumindest provisorische Überdachung des Altars. Ein Kulturrelikt dieser Art wurde u. E. in Deutschland bisher noch nicht entdeckt.

Es handelt sich um eine merkwürdige, bis dato in der Archäologie noch nicht bekannte Vorrichtung, die man am ehesten als „Kimme und Korn“, also als spezielles Instrument zum Anvisieren entfernter Objekte bezeichnen kann. Diese senkrechte Platte ist nur etwas breiter als der schmale Felswand-Schlitz dahinter.

 

Alle aufgefundenen, ausgegrabenen Objekte mussten ungeschützt im Wald zurückgelassen werden und sind damit der Zerstörung durch Natur und Mensch ausgeliefert. Dringend geboten wäre eine vollständige Freilegung der Visurscharte und eine zumindest provisorische Überdachung des Altars. Ein Kulturrelikt dieser Art wurde u. E. in Deutschland bisher noch nicht entdeckt.

Es ist wohl angbracht, diesen Altar als Drachen-Altar zu bezeichnen. Die ganze Gedankenwelt unserer keltischen Vorfahren ist weitgehend im Dunkel der Vergangenheit verschwunden. Wir können aber die überlieferten heidnischen Traditionen und das astronomische Wissen anderer Völker zu Rate ziehen, um den Kult um den Drachen besser zu verstehen. Gerade in China ist dieser sehr aufschlussreich. Im Feng-Shui, der chinesischen Tradition der Landvermessung unter astronomischen Aspekten erscheint die europäische Ley-line als genauso exakte Gerade, als „Kompasslinie“. Diese wurde von den Priestern durch die Landschaft gezogen, um den Standort eines Kaisergrabs zu ermitteln. Und nur dort, wo diese Gerade einen Drachenpfad durchschnitt, war der optimale Platz gefunden. Ein Drachenpfad aber ist eine gewundene schlangenförmige Linie durch die Landschaft, die durch Gebirgszüge, Hügelketten, Flusstäler u.s.w. gebildet werden kann. Der Drache ist somit auch mit dem Chi, der universellen Kraft, dem in allem innewohnenden Bewusstsein identisch.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:17:02