Kurnbach2

Am südlichen Ende von Cairn II befinden sich nämlich, an die Felswand angefügt, gestapelte Felsplatten von etwa 1,5 m Seitenlänge, die zwei kleinere Räume bilden (Bild 12). Der Eindruck von ehemals zugedeckten Kammern drängt sich auf.

Cairn III verläuft nördlich von Cairn I und II und im rechten Winkel zu diesen realtiv genau in West-Ost-Richtung. Auch an seinem östlichen Ende befindet sich eine Mauer aus ca. 1,5 m großen, rechteckigen Felsplatten (Bild 13), die großteils aber (von Steinbrucharbeitern?) auseinander gerissen ist. Diese soliden Felsplatten waren wohl für die Fassaden und die Kammern der Cairns reserviert.

 

Cairn III

 

Dieser Langcairn (Bild 14) fügt sich nahtlos an die beiden anderen, besitzt eine Länge von rd. 250 m, eine Breite von ca. 20 m und eine Höhe von zwei bis drei Metern. Es ist derzeit nicht möglich, den Cairn in seiner ganzen Ausdehnung auf ein Bild zu bannen. Hier sieht man lediglich das östliche Ende des Langcairns, der sich auf 2/3 seiner Länge entlang einer Felswand erstreckt. Die Konturen wirken jetzt sehr verflacht. Man muss wissen, dass der Weg links im Bild am Cairnende eine Brücke bildet und die Lücke zwischen Cairn und Felswand (die ganz links und ganz rechts zu sehen ist) überspannt. Links neben der Brücke die großen Felsplatten z. T. zur Mauer gestapelt (s. o.). Die Brücke selbst besteht aus großen Blöcken und Quadern, die vmtl. aus dem Baukörper des Cairns stammen.

 

Bild 15 vermittelt etwas von der räumlichen Ausdehnung des Cairns, dessen westliches Ende ganz weit entfernt im Hintergrund zu erahnen ist.

Der Besucher wandert auf der Kuppe des Cairns und bemerkt nicht, dass er sich auf einem Bauwerk befindet. Lothar, der Wirbelsturm am Jahresende 1999 entwurzelte einige Bäume. Dadurch wurden in den Wurzellöchern der innere Aufbau des Cairns unter der Erdoberfläche sichtbar. Der Baukörper von Cairn III besteht, wie zu sehen ist, aus trocken gelegten Steinplatten und -blöcken (Bild 16).

Als weiteres Megalithgrab anzusprechen wäre auch der Felsgang Kössler II. Er war ursprünglich mit uniform großen Steinplatten (Bild 17) gedeckt, wie man sie auch sehr ähnlich vom Schachtgrab in der Stufenpyramide von Sakkara kennt.

In der aus Steinblöcken trocken gesetzten Bauwerksseite dieses Ganges befindet sich wiederum eine kleine Nische (Bild 18).

Derart schmale Gänge zwischen Cairn bzw. Tumulus und Felswand (Bild 19) kennt man aus der Archäologie Etruriens.

Wir finden sie in etruskischen Nekropolen, z. B. der Banditacci-Nekropole bei Cerveteri oder der Nekropole von Crocefisso del Tufo in Orvieto (Bild 20). Leider sind unsere Cairns noch nicht so mustergültig ausgegraben und restauriert, wie diese Tumuli.

Quer über den länglichen Deckplatten des Felsgangs lag eine in zwei Teile zerbrochene weitere Platte, die wir zusammensetzen konnten (Bild 21, 22).

Auf dieser Platte wurde eine Eintiefung in Form eines menschlichen Fußes entdeckt (Bild 23).

Felsgravuren und Gravuren auf Dolmenplatten in Form menschlicher Füße sind aus dem Neolithikum und der Bronzezeit bekannt. Offenbar stellen sie die älteste Präsentation von Längenmaßen dar, die sicher auch bei Planung und Bau der Cairns eine Rolle gespielt haben dürften.

Insgesamt gesehen weist die Sommerhälde Kürnbach durch ihre großflächige Anlage, der großen künstlichen Ebene auf der Cairnkuppe und den Einsatz hunderttausender Tonnen Gesteins strukturelle Ähnlichkeiten zur Steinterrasse am Zähringer Burgberg bei Freiburg auf. Dort wurden am Ostrand der Hügelkuppe vmtl. parallel liegende Langcairns durch Auffüllung der Zwischenräume zu einer einzigen Fläche zusammengefasst (siehe Artikel „Cairn-Felsnekropolen“).