Heilbronn 2

An manchen Stellen ist das Bruchsteinmauerwerk zerstört und man erkennt, dass sich dahinter Lehm verbirgt. Das wäre nun auch weniger verwunderlich, den einer der ältesten Werkstoffe ist nun mal dieses gut verarbeitbare, höchst flexible und bindungsfähige Silikatgemisch. Es kam auch schon beim Bau megalithische Gang- und Hünengräber des Nordens zum Einsatz. Bei der Ausgrabung der Sommerhälde von Oberderdingen kam ebenfalls Lehm zum Vorschein, allerdings immer mit waagrecht sitzenden Bruchsteinlagen im Verbund. Kein Wunder, dass die Bauwerke mit Lehm als Mörtelersatz derart hoch gebaut werden konnten und deshalb immer noch nach all der Zeit so solide stehen. Eine Grabung am Cairn von Heilbronn steht noch aus.

 

Eine große, platzartig wirkende, nahezu kreisrunde und geschlossene Bucht in der zweiten Stufe gibt Rätsel auf, hier der Zugang zu sehen. War dies ein Versammlungsplatz für Bestattungsrituale? Dort kann man verborgene, verschüttete Portale ins Innere vermuten. Leider konnten wegen all der Bäume und des schattenreichen Wetters noch keine verwertbaren Panorama-Fotos gemacht werden, die den Gesamteindruck herstellen könnten. Im Endeffekt müssen alle störenden Bäume beseitigt werden.

Nur wer das ganze ausgedehnte Areal in voller Breite und Länge, über alle Stufen und Einschnitte hinweg durchwandert, erkennt: So sehen deutsche Pyramiden aus!

Im anschließenden Westteil sind die merkwürdigsten Gliederungen dieser recht hohen Mauern zu erkennen: In den lang gestreckten Stufen erscheint hier ein tiefer Einschnitt. Hoch aufragende Formationen, die wie Lang-Cairns quer zur Fassade liegen, flankieren diesen. Die schmale Gasse dazwischen, führt von der Straße hoch und in das Bauwerk hinein, endet aber abrupt an der Böschung des Bauwerks. Nirgendwo sonst am Bauwerk kann man solch eine bauliche Anordnung finden.

 

Haben wir hier das monumentale Hauptportal vor uns? Als wir unsere Besichtigung dort beendeten, ging gerade die Sonne im Westen als große bronzefarbene Kugel unter. Vor und unter uns die weite Ebene des Neckartals, das bis zu den weit entfernten Bergen am Horizont sich erstreckt. Himmel und Erdkreis schienen dort im milchig blauen Nebel zu verschmelzen. Eine Stimmung majestätischer Erhabenheit wurde fühlbar. Hier an diesem Ort konnten wir nachempfinden, wie Götter und Könige der Vorzeit einst die Welt regierten.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:07:39