Freudenstein Burgstall

Die Cairn-Nekropole auf dem Burgstall von

Freudenstein

Beschreibung

 

Freudenstein befindet sich südwestlich von Sternenfels. Hier setzt sich der Höhenzug fort, der von Sulzfeld über Kürnbach, Oberderdingen und Sternenfels nach Süden verläuft und alle hervorragenden Nekropolen dieser Gegend beherbergt. Auch dieser Ort wird überragt von einem mächtigen Bergkopf, der ein weitflächiges Cairn-Ensemble birgt. Fährt man von der Ortsmitte in Richtung Diefenbach, führt der Weg rechts den Berg hoch. Würde man den Weg geradeaus fortsetzen und unter einer Brücke hindurch fahren, gelangte man zu einem FKK-Gelände mit Ferienhäusern. Auf halber Strecke zweigt ein schmaler Weg scharf rechts ab, der zur Nekropole führt.

 

Die Topografische Karte 1 : 25.000 bringt keine detaillierte Darstellung. Immerhin zwei Cairns und die umgebende Stufenmauer sind einigermaßen positionsgenau aufgeführt. Der große Lang-Cairn (1) gleich neben der Zufahrtsstraße wird als Teil der Felswand missverstanden. In der zeichnerischen Ergänzung beginnt er an der Anfahrtsstraße und überragt den ganzen steilen Hang vom Zufahrtsweg bis fast zur Brücke.

 

Schon vom Ort unten sind die hoch aufragenden Cairns am Rand der Bergkuppe zu sehen.

 

Klettert man den recht steilen Hang auf der Südwestseite hinauf, findet man erste Relikte einer längst vergangen Architektur-Epoche, als alles noch ohne Mörtel gemauert wurde, wunderschöne Mäuerchen, so funktionslos, wie noch was, mit kleinen Treppchen dazwischen. Das erinnert an Weinbergstaffeln, aber hier oben, am Rand der Bergkuppe macht sowas keinen Sinn. Dahinter ist das Gelände gestuft, und gleich darauf befindet man sich zwischen Cairns.

 

Vermutlich sind es diese Mauerzüge, die dazu geführt haben, dass der Berg Burgstall genannt wird. Eine solche Burgstelle, daher der Name, kann eine frühmittelalterliche Burg besessen haben, die jetzt geschleift ist; aber die alte mittelalterliche Bezeichnung verrät nicht, ob es sich tatsächlich um eine Burg gehandelt hat oder ob es bloß eine Vermutung ist. Mittelalterliche Mauern wurden schon mit Mörtel solide gebaut. Diese repräsentativen Trockenmauern scheinen viel eher die Nekropole nach außen verziert zu haben. Etwas bisher Einmaliges. Schon von daher lohnt sich ein Besuch.

 

Der Besucher jedoch fährt meist über die gut befahrbare Straße den Berg hoch und begegnet gleich einer wunderschön erhaltenen Trockenmauer zu seiner Linken.

 

Wieder sehen wir das Konstruktionsprinzip megalithischer Cairns, die hintereinander gestaffelten Mauerzüge.

Und tatsächlich, hinter der gut erhaltenen Fassade erhebt sich einer der höchsten und längsten Cairns dieser Gegend. Hier ist lediglich der vordere westliche Teil zu sehen. Der Cairn steigt von der Basismauer stufenweise bis zur Höhe der Felswand an. Drei hohe und zwei bis drei weniger hohe Stufen folgen aufeinander. Nach Osten verläuft das Bauwerk parallel zu einer hoch aufragenden Felswand (siehe ganz unten), direkt am Abgrund. Die Lücke zwischen beiden wirkt wie eine tiefe Schlucht. Der Zugang zu dieser ist jedoch mit einem etwa 5 m Meter hohen und an der Basis genauso dicken Wall aus Megalithen verschlossen, der an der Felswandecke beginnt. Wenn dies Absicht war, dann vermutlich, um verborgene Cairn-Portale in der Schlucht zu schützen.

 

Die Aussicht auf noch verschlossene, ungestörte Ganggräber und ungeplünderte Grabbeigaben ist dort also sehr gut. Leider wurde dieses Areal im östlichen Bereich haushoch mit Müll zugeschüttet, im westlichen dagegen sind die Basismauern des Cairns recht gut erhalten. Hier begegnen wir wiederum Mauerzügen, die vor der Felswand angebracht wurden. Auffällig ist, dass insbesondere eine rechteckige Nische in der hoch aufragenden Felswand zugemauert wurde. Eine Höhle, die man nicht weit entfernt vorfindet, deutet auf weitere Eingänge in den Fels, die man vmtl. durch die Mauern verbergen wollte. Insgesamt dürfte das ursprüngliche Bodenniveau in der Schlucht um 1,5 bis 2 m tiefer liegen. Aus den Cairnmauern herabgestürzte Bruchsteine, Geröll und Lehm bilden wohl das Füllmaterial.

Gleich gegenüber diesem Cairn beginnt der nächste, Cairn 2. Dieser verläuft im rechten Winkel zum ersten. Im Folgenden zu sehen die Schmalseite.

Hier die Längsseite. Der Cairn wirkt wie eine Mauer, die man als Sichtblende zum Tal hin errichtet hat. Nur der nördliche Teil besteht komplett aus Trockenmauerwerk, der südliche, beträchtlich höhere ist offensichtlich eine stehen gelassene Felswand.

Das ganze wirkt tatsächlich wie eine hohe Mauer, die man auf den steilen Hang gesetzt hat. Zusammen mit Cairn 1 und 3 wirkt die ganze Bergkuppe wie eingemauert. Wohl deshalb kam man auf die Idee, es sei ein Burgstall. Doch das es sich in Wirklichkeit um eine Gräber-Burg handelt, war schon im Mittelalter nicht mehr erinnerbar.

Im folgenden weitere Ansichten des dort zu findenden Cairn 3.

Das weitläufige Areal wird von einer hoch aufragenden Felswand im Osten begrenzt. Möglicherweise ist es die letzte verbliebene Originalwand aus dem Megalithikum, denn an ihr schließt sich die Riegelmauer zur Schlucht an. Neben ihr entstand vor nicht mehr feststellbarer Zeit ein Industriesteinbruch, der die rechts anschließenden Felswände weit nach Osten verlagert hat. Dieser Steinbruch ist mittlerweile stillgelegt, sein Gelände wird als Deponie genutzt.

 

Die Situation auf dem Burgstall ist typisch für moderne Industriesteinbrüche, die aus alten Felsnekropolen hervorgingen. Es handelt sich um ein Gegenstück zum Natursteinwerk bei Mühlbach, das auf dieselbe Weise entstand. Bestehende Felswände, eigentlich die Schutzwände uralter Grabstätten, wurden abgebaut und damit ein neuer Steinbruch eröffnet. Die schon lange dort stehenden „Hälden“ hielt man dabei für Abraumhalden vergangener Zeiten, und so werden sie auch heute noch beurteilt.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:08:12