Steinbrueche

Alte Steinbrüche und ihr kulturgeschichtliches Potential

Nichts wird von Kulturanthropologen und Archäologen so gering geschätzt wie alte Steinbrüche. Kaum eine Doktorarbeit befasst sich mit ihnen, insbesondere, wenn es sich um einheimische handelt. Etwas anders sieht es aus, wenn es sich um ausländische bzw. hochkulturelle handelt.

 

So erfährt man z. B. bei Robert James Forbes (Bergbau, Steinbruchtätigkeit und Hüttenwesen in der Reihe Archaeologia Homerica, Göttingen, 1967) etwas über vorklassische Steinbruch-Methoden in Griechenland und Ägypten: „Die Abspaltung von Natursteinplatten und ihre Verwendung in Verbindung mit dem Backsteinbau hat in der prädynastischen Zeit Ägyptens begonnen, der Natursteinbau in der Pyramidenzeit.“ R. Engelbach (Ancient Egypt Masonry, 1930) rekonstruierte die Steinspaltungstechnik der altägyptischen Steinhauer. „In eine Reihe von Löchern, die mit Hammer und Meißel im Gestein angebracht werden, treibt man Holzkeile, mitunter zwischen zwei Metallblättern, ´Federn´genannt. Durch Benetzung dieser Keile und ihre Ausdehnung werden dann die Steinplatten abgesprengt, danach mit Metallsägen zugeschnitten und durch Polieren fertiggestellt.“

 

Inzwischen hat sich das als Trugbild herausgestellt. Aufquellende Holzkeile haben nicht die Kraft, Stein zu spalten. Die Keile mussten mit dem Hammer und viel körperlicher Kraft in das Gestein getrieben werden. Und diese Keile mussten dementsprechend hart genug sein. Eigentlich sind nur Eisenkeile vorstellbar. Die Kupfermeißel, die in Ägypten gefunden wurden, sind wohl auch keine, sondern die oben beschriebenen Federn. Diese aber waren nur sinnvoll im gemeinsamen Einsatz mit Eisenkeilen, da Kupfer so weich ist, dass es die Lücken zwischen Steinkluft und Eisenkeil schließen kann. Sog. Kupfermeißel aber, die als Beleg für eine „kupferzeitliche“ Entstehung der Pyramiden herangezogen werden, sind schlicht nicht möglich, da Kupfer beim Aufprall auf den härteren Stein verbiegt.

 

Das Fazit, das F. Löhner auf seiner Homepage (www.cheops-pyramide.ch) zieht: Die Pyramiden Ägyptens müssen in der Eisenzeit gebaut worden sein.

 

Über griechische Steinbrüche erfahren wir bei Forbes: „Als der Natursteinbau sich auch auf den ägäischen Raum ausdehnte, wurden dort ebenfalls Steinplatten und -blöcke verwendet. Einige bronzezeitliche Steinbrüche sind bekannt, über die dort angewandten Abbaumethoden fehlen aber fachmännische Berichte. Selbst die Marmorsteinbrüche Attikas sind nie unter diesem Gesichtspunkt erforscht worden. Wir wissen nur, dass im großen und ganzen noch heute in Carrara Techniken praktiziert werden, die sicher bis ins klassische Altertum zurückreichen. In vielen Fällen sind aber die Steinbrüche der Ägäis unbekannt, aus denen man während des 2. und frühen 1. Jahrtausend v. Chr. das Material bezog. Zuweilen haben spätere Generationen die Spuren früherer Steinbruchtätigkeit vernichtet.

 

Im Kapitel „Die Bausteine der kretisch-mykenischen Kultur und ihre Herkunft“ steht: „Leidlich sind wir über Bausteine und Steinbrüche späthelladischer Zeit (14. - 16. Jh. v. Chr.) unterrichtet. Kalkstein, Sandstein und andere Gesteinsarten wurden in lokalen Steinbrüchen gewonnen. Steinplatten, die von weither hätten bezogen werden müssen, treten im bronzezeitlichen Bauwesen nicht auf... Am Barbonnahügel bei Asine wurde ein Steinbruch entdeckt, der aus späthelladischer Zeit zu stammen scheint. Auch Mykene verfügte über Steinbrüche: auf dem Aspra-Chómata-Hügel, etwa anderthalb Kilometer nördlich der Burg, wurde Poros gebrochen, der in zunehmender Tiefe dichter und härter auftritt. Stützmauern am Zufahrtsweg zum Steinbruch deuten auf eine längere Benutzung. Von hier stammt das Baumaterial für das Gräberrund A und z. T. für die Tholosgräber von Mykene.“

Solche Stützmauern findet die Cairn-Forschung fast in allen untersuchten und als Standort von Berg-Cairns identifizierten Steingruben Süddeutschlands. Und jeder, der sich einmal mit dem Vorkommen von Steinbrüchen hierzulande beschäftigt hat, ist erstaunt, wie viele kleine und große es davon allüberall in den Wäldern und sogar noch auf manchen Feldern gibt, obwohl dort die Zuschüttung schon vor langer Zeit begonnen hat.

 

Wenn die vorgeschichtlichen Bewohner Zentraleuropas eine genauso weit entwickelte Metallurgie wie die betreffenden Hochkulturen hatten, wo sind dann ihre Steinbrüche zu suchen? Hat man sie tatsächlich bis heute übersehen? Nicht völlig, wie folgender Appell in Erinnerung und zur Besinnung ruft.

 

 

Der Cernunnos vom Heiligen Biberg bei Salzburg

 

Georg Rohrecker (http://www.diekelten.at/akt-0604-biberg.htm) schreibt in dem Artikel

„Der Heilige Biberg wird dank VwGH-Urteil restlos zerstört!“ über eine erstrangige Kulturschande, die im Pinzgau bei Salzburg stattfindet:

 

„...Seit der Biberg, der Kultmittelpunkt der kelt. Ambisonten, in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Steinbruch umfunktioniert wurde, kümmerte sich kaum jemand um seine herausragenden kulturhistorische Bedeutung. So fanden am Heiligen Berg niemals ernsthafte archäologische Untersuchungen statt. (Da liegen doch Kleinasien, Nordafrika usw. viel näher!?) Ja man kann überhaupt von Glück reden, dass zumindest wenige aber bedeutende Funde aufmerksamer Steinbrucharbeiter vom Biberg den Weg in den Fundus des Salzburger Museums Carolino Augusteum fanden. Das herausragende Prachtstück - das auf einen ungleich größeren Schatz von europäischer Bedeutung schließen läßt - ist jedenfalls der so genannte Hirsch vom Biberg.

© Salzburg Museum

Der Hirsch vom Biberg ist eine kaum elf Zentimeter hohe Bronzestatuette aus dem 2. oder 1. vorchristlichen Jahrhundert, die 1942 auf dem Biberg bei Saalfelden gefunden wurde. Die Figur stellt einen Hirsch dar, der dabei ist sich aufzurichten. Der (Rot-) Hirsch (cervus elaphus) war bei den Kelten das Symboltier des Anderswelt-Heros Cernunnos, dem das kostbare Figürchen vermutlich einst am symbolischen „Stammeszentrum” der Ambisonten, am Heiligen Biberg geopfert worden ist. Die gewählte Haltung weist deutlich auf die keltische Glaubensvorstellung der irdischen (!) Auferstehung oder Wiedergeburt hin, die den Seelen der Verstorbenen nach einem temporären Aufenthalt in der paradiesischen Anderswelt winkte. Aber das ist halt schon lange her! Hauptsache wir kümmern uns heute um die obligate Buddlerei in Ephesos, wo seit 1895 mehr akademische Lorbeeren - samt sonnigen Tagen - zu holen sind, oder um Bibracte im französischen Burgund, wo Cäsar nach vollendeter Kelten-Abschlachterei im Winter 52/51 seine Kommentare über den Gallischen Krieg zu schreiben begann - mit deren Weisheiten wir bis dato unsere klassische Bildung und unsere Kenntnisse über die eigenen Vorfahren nachweisen...“

 

Der Fall beweist, dass unsere Steinbrüche eine um vieles ältere Geschichte haben, als man gemeinhin glaubt, und dass dort herausragende kulturgeschichtliche Funde gemacht werden können, wenn man nur wollte. Statt dessen zerstört man unsere Weltkulturerbe mit einer Verbissenheit, die jedes menschliche Maß vermissen lässt.

Er beweist aber vor allem, dass Steinbrüche von unseren Vorfahren den Kelten angelegt und ihnen eine besondere kulturelle Bedeutung verliehen wurde. Denn wer würde so ein wertvolles Kulturgut in einem profanen Steinbruch deponieren? Über die genauen Fundumstände ist wie immer nichts bekannt.

Zu vermuten ist, dass dort genauso eine Cairn-Felsnekropole existierte wie hierzulande in großer Zahl, und dass diese durch den Abbau von Diabas-Stein zerstört wurde und weiter zerstört werden soll.

 

 

Der Goldschatz im Steinbruch von Pietroasa

 

Schätze in Steinbrüchen sind offenbar nichts Ungewöhnliches. So wurde einer der größten Goldhortfunde in einem Steinbruch in Rumänien gemacht: Der Schatzfund von Pietroasa. 1837 wurden bei Steinbrucharbeiten unter einem „kleinen Steinhaufen“, wie überlliefert ist, 12 Gegenstände mit einem Goldgewicht von etwa 19 kg gefunden. Leider fehlt die genaue Beschreibung des Fundorts und der Fundumstände. Die Kunstgegenstände werden byzantinischen Werkstätten zugeschrieben. Besitzer soll ein Ostgote der Völkerwanderungszeit gewesen sein (4. Jh. n. Chr.).

© Muzeul National de Istorie a Romaniei, Bukarest

Die Form des germanischen Gefäßes erinnert an keltische Vorbilder. Auch bei ihnen wurden Tiere und Pflanzen als dekorative und zugleich funktionale Elemente der Gebrauchsgegenstände eingearbeitet, wie hier zwei Tiger als Henkel.

 

 

Bronzezeitliche Felszeichnungen und Sonnenuhr am Kriemhildenstuhl bei Bad Dürkheim

 

Wenn in Deutschland etwas Außergewöhnliches entdeckt wird, was nicht so eindeutig zuzuordnen ist, wird es von seinem Entdecker publiziert, seine Interpretation gilt von nun an als die einzig wahre. Alles muss in den großen Plan passen, und wenn nicht, wird’s passend gemacht.

 

Dieses Schicksal widerfuhr auch dem Kriemhildenstuhl bei Bad Dürkheim. Schon sein Namen ist umstritten. Lange war der Name Brunholdisstuhl gebräuchlich, der an die Brunhilde der Nibelungen erinnert, bis der Ort an anderer Stelle verifiziert werden konnte, oder auch volkstümlich verhunzt Krummholzerstuhl, das aber in einer Urkunde aus dem Jahr 1414 in der heutigen Deutung als Kriemhildenstuhl überliefert ist.

 

Die urkundliche Schreibweise „kriemhelde stul“ gibt einen Hinweis auf die ältere Bedeutung. Es muss sich um eine Hälde handeln, wohl die germanische Bezeichnung für einen Cairn. Die Flurbezeichnung Hälde kommt im Kraichgau und Zabergäu häufig im Zusammenhang mit Berg-Cairns vor. Hälde/Halde muss ursprünglich eine sakrale Bedeutung gehabt haben, vmtl. geht er auf die Totengöttin Holda oder Hel zurück. Später, im Zuge von Steinbrucharbeiten, wurde vergessen, dass diese Hügel etwas beinhalten und es sich um Behältnisse handelt. Die Halde wurde mit Abraum zugeschüttet und zur Abraumhalde.

 

Auch der erste Namensbestandteil kriem, umgangssprachlich zu krum verwandelt hat eine keltische Wurzel, das irisch keltische crom, das im cromlech, dem megalithischen Steinkreis vorkommt und Kreis, rund also auch krumm bedeutet. Im Tschechischen hat chram die Bedeutung von Keller und Tempel, wird aber seit dem Mittelalter auch für christliche Dome und Kathedralen verwendet.

 

Vermutlich hat die im 15. Jahrhundert aufkommende Nibelungensage ihren Teil zum Missverständnis der ursprünglichen Bedeutung beigetragen, denn mit den Nibelungen sind die Cairns der Kelten nicht so ohne weiteres in Verbindung zu bringen.

 

Folgende Ausführungen verdanke ich dem umfangreichen Material über die Ausgrabungen in den 30er Jahren, das mir Herr Volker Allgaier, Bad Dürkheim freundlicherweise zukommen ließ, insbesondere die schwer zugänglichen Veröffentlichungen in den Zeitschriften des Nazi-Regimes. Aus den Unterlagen wird ersichtlich, dass eine ohnehin kontroverse Bewertung wissenschaftlicher Fakten durch die damals vorherrschende germanisch-völkische Ideologie und dilettantische Arbeit der SS zusätzlich belastet wurde.

 

Sein Ausgräber Dr. Friedrich Sprater klassifizierte den Kriemhildestuhl aufgrund der 19 lateinischen Inschriften als römischen Steinbruch. Jedoch wurden bei der Freilegung der Felswand in den 30er Jahren auch 31 Petroglyphen entdeckt, die Dr. A. Stoll vom Mannheimer Altertumsverein (Mannheimer Geschichtsblätter XXXVI 1935) in die Zeit der nordischen Bronzekultur (um 1500 v. Chr.) datierte, Deshalb schloss er auf eine astronomische Kultstätte der Germanen. Die 1934/35 bei der Ausgrabung zutage getretenen Zeichen wie die keltische Triskel, das nordische Sonnenrad und die Swastika, sowie Reliefs der keltischen Pferdegöttin Epona (daher das Wort Pony), auch als Sonnenpferde interpretiert, von Vögeln und Menschen werden heute als vorrömische Kulturdenkmäler einfach ignoriert und als Gelegenheitsarbeiten der hier angeblich als Steinbrucharbeiter tätigen römischen Soldaten abgetan. Doch für deren Formschatz sind die genannten Zeichen sicher atypisch. Und von Germanen kann man auch nicht reden. Die Zeit bis zu den Römern war im ganzen Süden Deutschlands keltisch. Die Germanen darf man nach Cäsar auch nur als Stamm der Kelten betrachten.

 

Eines der bedeutendsten Zeichen im aufgefundenen Formbestand ist das sog. Sonnenrad, das heute von namhaften Archäologen als römische Standarte interpretiert wird. Justament wurde nur 16 km entfernt bei Huttenheim ein keltischer Grabhügel der Bronzezeit (!) geöffnet und darin eine Bronzefibel entdeckt, die fast genau dem Abbild im Fels entspricht. Beide Räder sind von einer dreizackigen Spitze gekrönt. Gehörte die Gewandnadel einem Druiden, der im nicht weit entfernten Kriemhildenstuhl seine Zeremonien und Rituale zelebrierte?

Ein weiteres Sonnenrad wurde an der Felswand entdeckt, das achtfach unterteilt ist. Solche achtfach geteilten Sonnenräder auf Stangen wurden auch in Assyrien am Thronaltar des Tukulti-Ninurta (1233 v. Chr. bis 1197 v. Chr./späte Bronzezeit) als Steinrelief angebracht. Das Relief zeigt sie vmtl. in den Händen der Hohenpriester. Die Ausgrabung der Hauptstadt des Tukulti-Ninurta fand 1913-15 durch die Deutsche Orient Gesellschaft statt. Den Thronaltar kennt man allgemein nur von seiner anderen Seite. Auf Google ist diese Darstellung überhaupt nicht zu finden.

Fast identische Stangen, die sog. Bretzelstecken, wurden noch im 20. Jh. beim Sommerfest der mittelrheinischen Franken durchs Dorf getragen (A. Stoll, Mannheimer Geschichtsblätter XXXVI 1935). Derzeit sind sie noch im rheinischen Karneval gebräuchlich.

 

Es ist doch selbstverständlich, dass die bäuerliche Kultur der Kelten schon einen Kalender gekannt haben muss. Ohne wäre der genaue Zeitpunkt von Aussaat und Ernte nicht feststellbar gewesen. Daraus ergibt sich, dass es Stätten der Sonnenbeobachtung gab, dauerhafte Observatorien, wo über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg die Sonnenbahn beobachtet werden konnte. Was ist den Einflüssen der Zeit widerstandsfähiger als der Fels? Selbst Sprater bestritt nie, dass es sich beim Kriemhildenstuhl ursprünglich um ein solches Observatorium gehandelt haben muss.

 

Dass hier römische Soldaten ihre Graffitis an einer viel älteren Kultwand der Kelten hinterließen, beweist eine Inschrift, die Sprater völlig falsch interpretiert:

 

„OSTILI GENIALI ANGULUS QUIN(tus) PURPURIONIS“

 

Sprater deutet das als „dem Hostilis Genialis wird der 5. Winkel des Purpurio zugeteilt“. Er sieht in den meisten Inschriften Namen römischer Legionäre, die aber in Wirklichkeit eine ganz andere Bedeutung haben.

 

Richtig lautet der Satz

 

„Dem feindlichen Genius geweiht ist der 5. Winkel des pupurroten (Sandsteins)“.

 

Der Genius ist der genius loci, der Schutzgeist des Ortes. Auch in altägyptischen Steinbrüchen findet man allenthalben Inschriften, die den lokalen Göttern huldigen. Sprater als provinzialrömischer Spezialist war das sicher nicht bekannt. Die Römer wussten also noch, dass die Einheimischen hier ihrer Gottheit gehuldigt hatten, und zwar am 5. Winkel der tatsächlich vielfach gewinkelten Felswand.

 

Die neue Übersetzung ist übrigens von einem Doktor im Lehramt Latein, Dr. Christoph Pfister aus Fribourg, als eine der möglichen verifiziert worden.

 

Betrachten wir die Situation aus der neuen Erkenntnis, dass megalithische Cairns in großer Zahl auf dem Felsboden ausgebrochener Felsterrassen errichtet wurden. Wenn Römer hier also als Steinbrucharbeiter tätig waren, dann wahrscheinlich nur im Raubbau. Vor der Felswand dürften ein oder zwei große trocken gemauerte Cairns gestanden haben, die, als sie wegen ihrer verwendungsfähigen Bausteine abgetragen wurde, allmählich die kultischen Zeichen der Felswand freigaben. Anders lässt sich das Nebeneinander von römerzeitlichen Inschriften und keltisch-nordischen Zeichen nicht erklären. Die römischen Graffitis sind also lediglich später angebrachte Autogramme und Warnhinweise als Reaktion auf die erschienenen Kultzeichen.

 

Nach dem Abzug der Römer muss es noch eine große Aktion zur Unkenntlichmachung der Felswand und ihrer „heidnischen“ Zeichen gegeben haben, denn bis in die 30er Jahre lag sie bis an die Felswandkante unter hunderten Tonnen von Schutt und Geröll, die planmäßig von oben hinunter gekippt worden sein müssen. Offenbar zerstörte man dabei ein 70 m langes Stück der keltischen Heidenmauer, deren Bruchsteine Sprater allesamt im Schutt fand. Sprater bezeichnet in einem Rechtfertigungsschreiben bzgl. des Aufsatzes von Herrn Stoll (Mannheimer Geschichtsblätter XXXVI 1935) das Vorkommen dieses Teilstücks der Wehrmauer im Steinbruch als „der Steinbruchanlage zum Opfer gefallen“. Man stelle sich das bildhaft vor: Da brechen die Römer so lange in die Felswand bis irgendwann die ganze Wehrmauer herunterkracht und ihnen auf die Köpfe fällt. Ein Mindestmaß an Voraussicht darf man doch auch stupiden Militärs nicht absprechen. Hätte man den Steinbruch zum Berg hin erweitern wollen und wäre der Wehrwall im Weg gewesen, hätte man doch nicht dessen gesamtes Material in den Steinbruch geschüttet, der damit als Arbeitsplatz unter 25 m Schutt zu liegen kam und damit völlig vernichtet wurde! Man sieht, auch die klügsten Köpfe sind nicht immer imstande, logisch zu denken.

 

Sprater behauptet in demselben Schreiben auch die völlig haltlose These, dass „Steindenkmäler und Bauten aus Bruchsteinen aus vorrömischer Zeit fast unbekannt sind“. Gerade der keltische Ringwall unmittelbar oberhalb des Kriemhildenstuhl beweist doch das Gegenteil. Zu seiner Herstellung reichte das Volumen des unten liegenden Steinbruchs bei weitem nicht aus. Und die Heidenmauer ist bei weitem nicht das einzige keltische Oppidum das mit einem murus Gallicus umwallt wurde. Außerdem wurden und werden keltische Skulpturen aus Stein immer häufiger gefunden.

 

Nach der archäologischen Beseitigung dieser Schuttmassen durch Dr. Sprater wurden vmtl. die letzten Reste des Cairns dann bei der 1937/38 durch die SS und den Reichsarbeitsdienst erfolgten Grabung nach Hohlräumen in der Felswand eliminiert. Es mussten noch 4 bis 5 m an Ablagerungen beseitigt werden, die entscheidenden, da ältesten Schichten. Dabei kamen über dem Felsboden außergewöhnliche große Quader zutage, deren Bedeutung die Ausgräber grübeln ließ, vmtl. die Überbleibsel eingestürzter Grabkammern. Wohl weil sie nicht in das erwartete Bild passten und „die technisch und organisatorische Arbeit größer sei als die wissenschaftliche“ (Originalton SS-Obersturmführer Schleif, Germanien 1938) wurde die Fundlage nicht skizziert. „...über der Sohle waren auch nirgends Reste einer Kulturschicht erhalten, die hier auf menschliche Tätigkeit nach Aufgabe des Steinbruchs hingedeutet hätte.“ Dieser Befund bedeutet, dass wir es tatsächlich nicht mit einem profanen Steinbruch zu tun haben, denn eine solche Kulturschicht müsste normalerweise vorhanden sein. Es kann bedeuten, dass der schnelle Abbau und Abtransport der untersten Schichten mittels Loren eigentlich schon die Bausubstanz eines dort ursprünglich stehenden Cairns betraf. Das übliche Bruchsteinmauerwerk eines Cairns wurde mit dem identischen Bruchsteingeröll des hinunter geschobenen Wehrwalls verwechselt.

 

Unten zu sehen der Kriemhildenstuhl in einer Zeichnung von A. Teufel.

Dr. Adolf Stoll, Bad Dürkheim, konnte zwei zeitlich aufeinander folgende Perioden der Steinbearbeitung im Kriemhildenstuhl feststellen (Mannheimer Geschichtsblätter XXXVI 1935). In den oberen älteren Partien stehen die Wände im rechten Winkel zueinander, eine Beobachtung, die auch an allen vom Entdecker erforschten Steinbrüchen bzw. Felsnekropolen des Kraichgau und Zabergäus zu machen ist. Die rechten Winkel bilden in ihrer Gesamtheit einen nach Südosten offenen Bogen von etwa 80 m. Dieser Bogen wirkt aufgrund seiner zahlreichen hervorspringenden Zacken wie ein Sägeblatt. Genau solche Felsformation findet man übrigens auch in der Steingrube von Schmie am zentralen Häldenplatz. Die dem Berg zu innerste Felsfläche scheint nach Meinungs Stolls noch natürlichen Ursprungs zu sein und weist eine Nordostrichtung auf, könnte also als Visur zur Beobachtung des Sonnenaufgangs zur Mittsommerwende gedient haben.

 

Nur in den unteren Partien sind die für antike Steinbruchtechnik typische Art des schrägen Einarbeitens beobachtbar. Hier finden wir auch die Schrotgräben, die von oben eingehauen wurden, um Blöcke zu separieren und mit Eisenkeilen abzusprengen.

 

Diese Aufeinanderfolge verschiedener Steinbruchphasen bestätigt die These, dass der ursprüngliche Zweck nur die Errichtung eines oder mehrerer Cairns vor einer akribisch formatierten Felswand war.

 

Die Felswände sind eindeutig nach den Himmelsrichtungen orientiert, so weisen die oberen rechten Winkel der hohen Felskanten des östlichen Teils eine Südrichtung und die des inneren Westflügels eine Ostrichtung auf.

 

Die Orientierung nach den Kardinalpunkten der Sonne sowie ihren jahreszeitlichen Extremen wurden offenbar an den benachbarten Bergen und im Rheintal markiert.

 

Andere Funde, die gemacht wurden, so z. B. die Reste einer steinernen Sonnenuhr auf einem abgesprengten Felsblock, die beweist, dass hier ein astronomischer Beobachtungspunkt existierte, womöglich eine Sternwarte, sind heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die horizontale Sonnenuhr hatte ursprünglich einen Durchmesser von etwa einem halben Meter.

Das Aufregendste aber ist der Einbau des angeblichen Steinbruchs in die Fortifikation eines keltischen Ringwalls unmittelbar hinter ihm auf der Bergkuppe. Deutlich auf dem Plan zu sehen ist, dass die rückwärtige Felswand in unmittelbarer Fortsetzung des Walls verläuft und damit Wehrfunktion besaß. Die Römer hätten ganz gewiss keine Rücksicht auf den Verlauf des Verteidigungswall genommen. Hoch aufragende senkrechte Rückwand des „Steinbruchs“ und keltischer Wehrwall bildeten also von Anfang an eine Einheit (rechts mittig der Kriemhildenstuhl).

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:10