Ganggraeber

Ganggräber (Dolmen)

Hier eine Auswahl von Cairn-Dolmen West-Europas zum Vergleich mit unseren:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Norddeutschland sind Tausende von Hünengräbern mit Dolmen und Ganggräbern bekannt. Oft erreichen sie Längen zwischen 50 und 100 Metern und damit beachtliche Ausmaße. Meist steht nur noch die Einfassung der Bauwerke aus sog. Findlingen, großen Felsblöcke, die zu weiträumigen Rechtecken gesetzt sind. Am Kopfende oder in der Mitte des Bauwerks befindet sich jeweils die Ruine der einstigen Grabkammer, die aus tonnenschweren Felsplatten besteht, tischförmig aufgestellt, der sog. Dolmen. Der Baukörper aus Lehm, Sand und Erde jedoch fehlt häufig bis auf wenige Reste, vermutlich durch eine vorgeschichtliche katastrophale Flut hinweg gespült. Vielleicht wurden diese Monumente aber auch nie fertiggestellt, wofür es auch Anhaltspunkte gibt, oder aber sie wurden geplündert.

 

Hier ein anschauliches Beispiel von Bremen Steinsfeld, Spachelberg. Große, mehrere Tonnen schwere Steinblöcke wurden senkrecht gestellt, große Felsblöcke horizontal darüber gelegt. So entstand eine Grabkammer mit Grabgang.

Auch in der Bretagne stehen diese Dolmen noch in großer Zahl. Von dort stammt übrigens der Begriff, der eigentlich nur ein Kunstwort ist, welches aus dem Bretonischen dol = groß und men = Stein zusammengesetzt wurde.

 

Hier der Dolmen de Frebouchere in der Bretagne.

Es gibt allerdings auch Exemplare von Dolmen, bei denen der umgebende Baukörper noch einigermaßen erhalten ist, wie beim Cairn von Joseliere. Man sieht, dass er aus gestapelten bzw. trocken gesetzten kleinen Steinplatten besteht. Ein Cairn besitzt im Normalfall noch seinen gesamten Baukörper.

 

Da die Dolmen schon lange bekannt sind, Cairns aber erst per Zufall in den 50er Jahren entdeckt wurden, kam man erst seither darauf, dass die Dolmen allesamt die Grabkammern einstiger Cairns und Tumuli waren, die aus irgendeinem Grund, vielleicht durch Plünderung, im Laufe der Zeit ihren Baukörper verloren.

Bei der Öffnung des Cairn von Barnenez in den 50er Jahren stieß man auf Dolmen, die keinerlei Tragesteine in Form großer Felsblöcke besaßen. Ihre Deckplatten werden von Mauerwerk auf beiden Seiten gestützt. Der Entdecker Prof. Giot nannte auch diese Ganggräber Dolmen.

 

Als wir im Jahr 2000 unsere Entdeckung eines Ganggrabs bei Kürnbach bekannt gaben, meldeten sich sogleich angebliche Experten, denen die exakte Definition eines Dolmen bis dato unbekannt war. Deshalb lehnten sie es ab, unser Ganggrab als Dolmen eines Cairns anzuerkennen. Die Kennzeichen sind jedoch eindeutig.

 

Die bis jetzt entdeckten Grabgänge und Portale in Süddeutschland umfassen derzeit 11 Exemplare, 5 davon sind sehr gut betretbar, die restlichen müssen geöffnet und von dem Schutt befreit werden, der dort irgendwann hinein getragen wurde und bis unter die Decke aufgehäuft ist. Indikatoren für weitere verborgene Ganggräber sind vorhanden.

 

Das Portal von Cairn I bei Kürnbach. Dieses Ganggrab war das erste hier in Südwestdeutschland als solches erkannte. Rechts neben dem Zugang zum Cairn ist noch ein beachtlicher Teil der Fassade erhalten, jedoch durch die Freilegung arg gefährdet. Da das Landesdenkmalamt auf die Entdeckung nicht angemessen reagiert hat, bleibt alles der Natur überlassen.

Das Besondere an Cairn I der Sommerhälde in Kürnbach ist der deutlich ausgetretene Schwellenstein.

Selbige findet man auch an norddeutschen Ganggräbern, hier in Liepen, Grab 1.

Die Portale in den Cairns der Felsnekropole von Schmie-Maulbronn (5 gut erkennbare) sind derzeit zum großen Teil nicht erforschbar, da überwiegend in privater Hand und liegen heute allesamt unter dem Bodenniveau. Zudem sind sie einsturzgefährdet und wahrscheinlich auch schon teilweise eingebrochen. Gang Dübbers II muss in Verbindung zu einem größeren Hohlraum stehen, da ein ständiger kalter Zug entweicht.

 

Jede Freilegung bedeutet auch eine Zerstörung dieser Architekturen. Würde die staatliche Archäologie diese Kulturgüter nicht so sträflich missachten, könnten Gelder für ihre notwendige Rettung und Restauration beschafft werden.

Das Portal Dübbers I:

Das Portal Dübbers II, ein klassischer Dolmen.

Das Portal „die Schmiede“. In den 60er Jahren nutzte ein Steinmetz diesen Gang zur Aufbewahrung seiner Werkzeuge. Dabei wurde das Portal offenbar verändert.

Das Portal „der Keller“:

Der Gang „der Keller“ wurde offensichtlich absichtlich zerstört, d. h. seiner Decke beraubt. Anlass war wohl ein missglückter Bubenstreich, der in den 70er Jahren stattgefunden hatte. Ein Spielkamerad wurde in dem Gang eingemauert und erst nach 3 Tagen von der Polizei gefunden.

 

Auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker findet der Besucher ein besonders schönes und gut erhaltenes Portal, das sich zu einem ca. 11 + 11 m langen L-förmigen Gang öffnet. Hier sind sogar noch mannshohe Tragesteine im Mauerwerk auf beiden Seiten eingebaut, womit die klassische Definition von Dolmen gegeben wäre.

Das Portal Geise I auf dem Marsberg bei Würzburg, ein klassischer Dolmen

Eine Exkursion des Efodon e. V. am 7.2.2002 zur Marsberg-Nekropole bei Würzburg brachte eine architektonische Besonderheit zutage. Gerhild Schaber erkannte auf der linken Seite des Portals Geise I eine Aussparung an einem Monolithen, der mit Bruchsteinen ausgefüllt ist. Diese Technik ist aber auch von den ältesten Tempeln der Menschheit auf Malta bekannt.

Auf der linken Außenseite des Portals findet man diese Aussparung am Felsblock, die mit Steinblöcken zugesetzt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch am Portal des West-Tempels von IMnajdra auf Malta kann man diese Aussparungen entdecken. Der Megalith-Tempel wird nach der heute gültigen Chronologie auf 3000 v. Chr. datiert.

Vergleichbare Cairn-Portale in Frankreich und Großbritannien

 

Französische Archäologen haben seit der Entdeckung des ersten Cairns bei Barnenez 1954 in Plouézoc´h/Finistére viele weitere entdeckt und akribisch restauriert (Bild 7). Diese stehen als Vergleichsmaterial zur Verfügung, wenn süddeutsche Cairns und Gangräber beurteilt werden sollen.

Cairn von Barnenez, Bretagne (Wände aus Mauerwerk)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cairn A der Nekropole von Bougon, Bretagne (Wände aus Mauerwerk)

 

 

 

 

Cairn Belamp (Wände aus Mauerwerk)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cairn Gavres in Goerem, Morbihan. Hinter dem Portal befindet sich ein L-förmiger Gang wie auf dem Marsberg bei Würzburg (Wände aus Felsplatten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cairn F der Nekropole bei Bougon, Bretagne (Wände aus Felsplatten)

 

 

 

 

 

 

 

 

Cairn von Gavrinis, Bretagne (Wände aus Felsplatten)

Die Konstruktion der Ganggräber

 

Wie der Baukörper eines Cairns bestehen auch die Gangwände des Grabgangs in der Regel kompakt aus trocken gemauerten Bruchsteinen. Teils sind darin große Felsplatten eingesetzt, welche auch die Decken bilden. Einen solchen gemauerten Gang bezeichnet die Archäologie auch als Dolmen, obwohl die bekannten freistehenden Dolmen ausschließlich aus großen Felsplatten gebaut sind. Die älteste Architektur der Welt kam also völlig ohne Mörtel aus.

 

Die im Kraichgau und Zabergäu zu findenden Gänge aus Bruchsteinmauerwerk und großen Felsplatten sind in der typischen Bauweise megalithischer Dolmen errichtet, d. h. über zwei parallele Mauerzüge wurden mehrere Tonnen schwere Felsplatten gelegt, die dicht, nahezu fugenlos aneinander gefügt die über weite Strecken plane Decke bilden. Kein Mörtel wurde verwendet, um die Bruchsteine im Mauerwerk der Gangwände zu verbinden. Die Stabilität der Mauern wird allein durch das auf ihr lastende Gewicht der tonnenschweren Deckplatten hergestellt. In Cairns sind deshalb die Steinblöcke und -platten der Gangwände mit den Steinblöcken des restlichen Baukörpers aufs engste verzahnt; andernfalls würden isoliert stehende Gangwände unter der Last zusammenbrechen. Die Theorie, dass sich hinter den vordergründigen Mauerzügen nichts als Schutt und Geröll einer üblichen Schutthalde verbergen würde, ist angesichts der erwiesenen Stabilität völlig haltlos.

 

Das Innere des Ganggrabs im Cairn von Kürnbach (Wände aus Mauerwerk):

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:10