Erfolg versprechende Grabungsprojekte

Erfolg versprechende Grabungsprojekte

Die Cairn-Forschung in Deutschland wird bis jetzt nur von Privatleuten getragen. Es wäre natürlich wunderschön, wenn die zuständige Landesarchäologie sich der Materie endlich annehmen würde. Schließlich ist nirgendwo soviel fachliche Kompetenz, was Grabungstechnik und Fundauswertung betrifft, angesiedelt.

 

Diese Homepage hat vor allem das Ziel, interessierte Experten bei den Landesdenkmalämtern, an den Fachhochschulen, Bereich Baugeschichte und an den Universitäten in den Fachschaften für Ur- und Frühgeschichte, bzw. Archäologie zu informieren und ihre Bereitschaft zu wecken, sich mit dem Thema „europäische Cairns und verifizierte Derivate in Deutschland“ zu beschäftigen. Schließlich wird auch bei jeder Privat-Grabung mindestens ein Experte oder eine Vertrauensperson des Landesdenkmalamts benötigt, die den möglichen Fund als solchen bestätigt. Natürlich sind auch alle Interessenten, privat oder von Heimatvereinen und anderen historischen Vereinigungen, herzlich willkommen.

 

Wir hier stehen vor dem Problem, dass der archäologische Befund „Cairns“ erst noch offiziell bestätigt werden muss, um den untersuchten Fundstätten Relevanz zu verleihen. In Frankreich und Großbritannien dagegen wird schon jahrzehntelang geforscht und wieder aufgebaut. Hier ist diesbezüglich noch überhaupt nichts geschehen.

 

Unten zu sehen der Cairn von Barnenez/Bretagne bei seiner Rekonstruktion.

Vorher Nachher

 

 

 

Der Cairn von Barnenz

Der Cairn von Llanelwedd in Wales

New Grange in Irland

Cairn T von Loughcrew in Irland, County Meath

Hag´s Chair ist unten am Rand des Steingrabs zu sehen, links das Portal. Man sieht, dass die Rekonstruktion nicht perfekt sein muss. Es genügt, den größten Teil der Außenmauer und den Zugang zur Grabkammer freizulegen. Man wünscht sich ähnliches Vorgehen auch für die Cairns hier bei uns in Deutschland, von denen die meisten noch dicht unter Busch und Baum verborgen sind.

In Deutschland: Projekte ohne Förderer

 

Wir haben nun 11 bekannte, davon 6 gut betretbare Grabgänge, die anderen könnten mit den erforderlichen Sicherungsmaßnahmen relativ schnell betretbar gemacht werden, wenn die Besitzer und Behörden mitspielen würden.

 

Man darf sich allerdings keine Illusionen machen, dass in den offenen Gängen noch nennenswertes Fundgut zu erwarten sei. Beim Öffnen des Steingangs an der Sommerhälde von Kürnbach z. B. kam ein spiegelblanker Felsboden zutage, auf dem nichts als eine Bierflasche der Steinbrucharbeiter lag, die letztmals dort vor über 70 Jahren gearbeitet hatten. Es ist vorstellbar, wenn diese frei zugänglichen Kammern schon immer von Menschen besucht bzw. auch von Steinbrucharbeitern genutzt wurden, etwa als Werkzeuglager, dann wurden diese so wohnlich wie möglich gemacht und der dort befindliche Schutt mitsamt den alten Scherben irgendwann hinaus gekehrt. Vielleicht wurden schon im Mittelalter die Knochen aus diesen Kärnern entfernt, möglicherweise von den Nonnen des nahen Klosters in Kürnbach, und von diesen in heiliger Erde bestattet. Kinder können die letzten von Grabräubern verschonten Grabbeigaben mitgenommen haben, denn bekannt ist von vielen Erzählungen, dass Kinder die Kammern als Abenteuerspielplatz frequentierten.

Dagegen gibt es sicher noch eine Menge Möglichkeiten, die Cairns nach ungestörten Grabkammern zu untersuchen. Die archäologische Erforschung der süddeutschen Cairns hat mit den Freilegungen von Strebemauern und Gängen die wissenschaftlichen, insbesondere kunst- und architekturhistorischen Kriterien erfüllt. Die Landesdenkmalämter in Karlsruhe und Stuttgart verweigerten uns trotz allen vorzeigbaren Ergebnissen aber bis jetzt die Anerkennung, mit der Begründung, so lange keine datierbaren Funde vorzeigbar seien, könne der architektonische Befund nicht bestätigt werden. Es ist aber nicht die Aufgabe von Privatleuten, diese herbei zu schaffen.

Die Arbeit in einsturzgefährdeten Ganggräbern erfordert Sicherungsmaßnahmen, die Freiwillige bei noch so viel Begeisterung für die Sache nicht so ohne weiteres finanzieren können. Auch dann ist der Erfolg noch ungewiss. Kammern können schon vor unbekannt langer Zeit geplündert und jetzige Verfüllungen erst in neuer Zeit als Schutzmaßnahme für spielende Kinder eingebracht worden sein.

Die erfolglosen Grabungen in Kürnbach hinterließen freigelegte Mauerzüge und geöffnete Gänge, die nun durch Erosion langsam wieder bedeckt werden. Wünschenswert wäre aber die anschließend erfolgende Restauration. Doch solange die zuständigen Landesdenkmalämter überhaupt kein Interesse an diesen phantastischen Bauwerken zeigen, setzt sich die schleichende Zerstörung durch Erosion und Mauer sprengendes Wurzelwerk unvermindert fort.

Die Vernunft muss endlich auch in Stuttgart und Karlsruhe, aber auch in Detmold und Würzburg einkehren, damit sorgfältig geplante Maßnahmen zur Erforschung und Erhaltung dieser einzigartigen Monumente in die Wege geleitet werden können.

 

In ganz West- und Nordeuropa sind Cairns eine Selbstverständlichkeit. Nur wir hier tun uns schwer, diese als solche zu erkennen. Folglich ist es in diesen Ländern auch nicht nötig, Schatzgräberei zu betreiben, hier zählt das Bauwerk an sich, das gerettet werden soll, und das den Touristen aus nah und fern gerne gezeigt wird.

 

Auch hier im Südwesten warten die betroffenen Gemeinden auf das Ja aus Stuttgart, um sich evtl. finanziell an der Erforschung zu beteiligen, im Hinterkopf die Idee eines großen Museums, das wie in anderen Cairn-Regionen Europas den Gemeindefinanzen Einnahmen bringt. Gerade in Zeiten der Deindustrialisierung sucht man den Ausweg im Dienstleistungs- und Freizeitsektor. Tourismus könnte zukünftig eine große Rolle in den wirtschaftlich benachteiligten Regionen des Südwestens spielen.

 

 

Sternenfels: Zwerchhälde

 

Schon in den 90er Jahre wurde von Seiten ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamts die Forderung aufgestellt, eine Schneise über die volle Höhe einer Bauwerkseite zu schlagen, die Bäume zu fällen, um die Stufen dort vollständig freilegen zu können. Hier müssen die Genehmigungen zum Fällen der Bäume beim Forstamt und bei der Naturschutzbehörde eingeholt werden. Eine Anzahl freiwilliger Helfer ist für die Durchführung der Arbeit erforderlich, Leute, die mit Spaten und Kelle umzugehen verstehen. Es sollte den Freiwilligen erspart bleiben, für die gefällten Bäume auch noch Ersatz an das Forstamt zu leisten, da die Qualität dieser verkrüppelten Gewächse eh zu wünschen lässt.

 

Die Beseitigung störender Vegetation sollte grundsätzlich an jedem Cairn im Untersuchungsgebiet durchgeführt werden. Man ist nur immer wieder verbittert, welche Gewichtung einige windschiefe und verknorpelte Bäume haben, dass uns sogar das Geld für deren Fällen abgeknöpft wird, statt die uneigennützige Arbeit zu unterstützen. So wird die Forschung nur behindert statt gefördert.

 

Die Zwerchhälde war Objekt umfangreicher Vermessungen geomagnetischer und geoelektrischer Art, die von dem Doktoranden Philipp Heidinger und Studenten der Universität Karlsruhe am Geophysikalisches Institut im Laufe mehrerer Jahre (2004 – 2006) durchgeführt wurden. Hier ergab eine geoelektrische Messungen zwei große Hohlräum im Zentrum und an der Basis des etwa 20 – 25 m hohen Steinhügels.

 

Die freiwillige Arbeit, die Doktorand Philipp Heidinger und seine Kommilitonen über Jahre hinweg in ihrer kostbaren Freizeit, auch sonntags, geleistet haben, ist sicher nicht hoch genug zu bewerten.

 

Hier im Bild der Entdecker mit Roland Loos, damals (2004) Geologie-Student der Uni Karlsruhe bei geomagnetischen Messungen der Zwerchhälde Sternenfels.

Die geomagnetischen Messsungen wurden zwar sehr umfangreich durchgeführt, brachten aber keinen nennenswerten Erfolg. Um bei der Höhe der Zwerchhälde von 20 m überhaupt Metall zu sondieren, hätten Tonnen davon vorhanden sein müssen.

 

Deshalb kam nun die Geoelektrik zum Einsatz – hier im Bild die Freiwilligen beim Auslegen des Messkabels zur Ermittlung des Querprofils auf der Pyramidenböschung.

Die geoelektrischen Messungen erbrachten Hinweise auf zwei Hohlräume in der Zwerchhälde von Sternenfels. Der größte Widerstand wird durch Luft in Hohlräumen verursacht, hier im Bild violett gekennzeichnet. Der Hohlraum müsste sich also im Zentrum an tiefster Stelle des 20 m hohen Bauwerks befinden. Unten im Bild das Querprofil in Ost-West-Richtung. Die Kammer, die auf dem Computerbild aus Daten errechnet darstellt wird, könnte an die 5 m hoch und von bienenkorbartiger Form sein.

 

Im Längsprofil in der Nord-Südrichtung konnte ein weiterer Hohlraum im südlichen Teil (links) erkannt werden. Der im Querprofil gut erkennbare Hohlraum im Zentrum erscheint im Längsprofil dagegen nur orange, evtl. weil bei dieser Messstrecke der Hohlraum nur tangiert wurde.

Eine zweite Messung unter anderen meteorologischen Bedingungen erbrachte dagegen keine weitere Bestätigung.

 

Die geoelektrische Methode ist sehr gut geeignet, Hohlräume zu detektieren. Die Archäologie in Italien hat in den 50er Jahren ff. damit den Großteil der etruskischen Grabkammern entdeckt und mittels Bohrungen und Periskop von außen untersucht, bevor sie geöffnet wurden.

 

Bei einer Kontrollmessung an einem der bekannten Dolmen, an Cairn I von Kürnbach, stellte sich heraus, dass die sparsam angewandte Methode (lediglich zwei Messkabel) keine positionsgenaue Ortung ermöglicht. Tatsächlich wurde der Hohlraum etwa 2 m weit daneben lokalisiert. Dabei ist dieser Cairn nur etwas mehr als 2 m hoch, die Zwerchhälde dagegen 20 m und mehr. Geoelektrische Messungen sind sehr gut geeignet, wenn das Gelände eben ist. Bei aufgewölbten Grabhügeln dagegen muss das Raster der Messstrecken dichter sein.

 

Hinzugefügt werden muss, dass bei dieser Messung ein weiterer Hohlraum detektiert werden konnte, der sich nur wenige Meter neben dem Bekannten befindet, von außen aber nicht zu erkennen ist. Eine Grabung wäre zu riskant, da keine metergenaue Ortung möglich ist. Es würde womöglich zu viel Bausubstanz zerstört, bevor die vermutlich noch nicht geöffnete Kammer zum Vorschein käme. Allerdings scheint dieser Hohlraum zusammengestürzt oder aufgefüllt, da er sich wesentlich kleiner abzeichnete.

 

Daraufhin wurden Überlegungen angestellt, ob an der Zwerchhälde mittels eines Bohrlochs ein Endoskop eingeführt und der Hohlraum damit untersucht werden sollte.

 

Das Risiko bei dieser Vorgehensweise ist sehr hoch. Es handelt sich ja nicht wie bei etruskischen Grabkammern um massiven Fels, etwa Tuff, der durchbohrt wird, sondern um gesetztes Mauerwerk und um eine Grabkammer, die ebenfalls aus Mauerwerk und großen Felsplatten gesetzt ist. Wenn hier der Bohrer eindringt, kann die ganze Kammer zum Einsturz gebracht werden.

 

Armin Biller aus Philippsburg, Student der Geologie, erkundigte sich nach den Kosten einer Bohrung. So wären allein etwa 5000 Euro für eine Vertikalbohrung, und etwa 10.000 Euro für eine Horizontalbohrung fällig. Die Kosten für die Herstellung einer Zufahrtsstraße, einer Rampe und die Kosten für ein Rohr, das die Endoskopkamera aufnehmen kann, nicht eingerechnet.

 

 

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51