Die Cairn-Felsnekropolen2

Große strukturelle Ähnlichkeiten hat die Untergrombach-Nekropole zur 3,5 ha großen Steinterrasse auf dem Zähringer Burgberg bei Freiburg. Dort wurden am Ostrand der Hügelkuppe parallel liegende Langcairn-ähnliche Gruben durch Auffüllung zu einer einzigen Fläche zusammengefasst. Da einige dieser Gruben immer noch nicht gefüllt sind, stellt sich die Frage, ob wir es hier mit einer Bestattungsform zu tun haben, die diese an Langcairns erinnernde Gruben in Erwartung zukünftiger Grablegungen errichtete.

 

Bei Grabungen (offenbar in den nicht gefüllten Gruben) konnten auf dem Felsgrund zwischen den „Steinriegeln“ Brandspuren der Hallstattzeit festgestellt werden. In den gefüllten Gruben hat man u. W. noch nicht nachgeschaut, also auch noch keine Gräber entdecken können. Mehr als 200.000 cbm Bruchgestein investierte man in eine Baumaßnahme, deren Monumentalität die Archäologen erstaunt, da deren Sinn bis heute – aufgrund unvollständiger Grabung - nicht verstanden wird.

Die monumentale „Steinterrasse“ auf dem Zähringer Burgberg, vmtl. 800 bis 400 v. Chr., zum Vergleich.

© Nestler, Plonner

Die Cairns sitzen in dem Areal, das durch die umgebenden Felswände beengt wird, dicht auch dicht. Nur schmale Gassen führen hindurch. Manchmal weitet sich der Weg zu einem offenen Platz. Als der Entdecker die Steingrube von Schmie als Felsnekropole erkannte, dachte er nicht im Traum daran, dass solche umfangreichen Felsfriedhöfe im Kraichgau alle 10 bis 20 km anzutreffen sind.

 

Die Cairnfassaden sind wohl deshalb relativ gut erhalten, weil die Privatbesitzer die Wege zwischen den Mauern ständig freihalten.

 

Die Cairn-Felsnekropole von Schmie-Maulbronn. Links auf dem Bild zu sehen Cairn 5 mit dem geöffneten Portal Dübbers II. Rechts im Bild der große Cairn V mit einem vmtl. verschütteten Portal auf der Ostseite. Das Portal „die Schmiede“ befindet sich auf dessen Rückseite.

Ein besonders erstaunliches Exemplar befindet sich nur rund 15 km Luftlinie südlich der Grombacher Nekropole unweit der alten Reichsstadt Durlach, heute zu Karlsruhe gehörig, im Gewann Dachsbau oder Judenbusch.

 

Auf beiden Seiten der Straße in die Bergdörfer rund um Grünwettersbach versammeln sich die großartigen Monumente in ihren „Steinbrüchen“. Ein großer Teil des westlichen Areals wurde nach dem Krieg als Mülldeponie zweckentfremdet. Auf älteren Karten sind noch die Umrisse der jetzt verschütteten Monumente zu erkennen. Ein Teil des östlichen Areals wurde mit Wohnhäusern überbaut. Die Felsnekropole gehörte ursprünglich zu den flächenmäßig größten.

Die Cairns der Dachsbau-Nekropole sitzen im östlichen Areal auf einem relativ steilen Hang.

Die erhalten gebliebenen Cairns im Westteil liegen direkt an der Straße und zeichnen sich durch ihre prägnanten Formen aus. Wenige der tagtäglich vorbeifahrenden Autofahrer haben sich wohl jemals Gedanken über diese gewaltigen Formationen gemacht.

Beim Anblick der Pyramide oben im Bild ist der Gedanke an Giseh naheliegend. Auch dort liegen die Steinbrüche unmittelbar neben den Monumenten (orange gezeichnet). Auch damals wurden die kürzesten Wege gesucht. Erst als die lokalen Steinbrüche erschöpft waren, mussten neue erschlossen werden.

© Franz Löhner, www.cheops-pyramide.ch

Gebel-el-Silisila, ein Steinbruch am Nil, 65 km nördlich von Assuan, wurde schon im Alten Reich ausgebeutet. Dort findet man die beschriebenen Felswände, wie in allen Steinbrüchen Altägyptens, aber auch eine Statue der Sphinx, die offenbar, wie bei den Pyramiden von Giseh, als Wächterin des Totenreichs fungierte, sowie Kapellen und Altäre, die dem Totenkult dienten.

 

Das Erstaunlichste aber ist: Hier finden wir dieselben sog. „Abraumhalden“, die Dr. Klemm als ordentlich gemauert und gefügt beschreibt, im Bild gelb markiert. Wir hätten es also auch hier nach vorherrschender Ansicht mit „ummauerten Abraumhalden“ zu tun. Bemerkenswert das zentral liegende Exemplar im Nordsteinbruch, das eindeutig gestuft ist. Die Form des Langcairns überwiegt, wobei deren ursprünglicher Umriss vmtl. durch Zerstörung und Anlagerung von echtem Abraum verunklart sein dürfte. Im orange gekennzeichneten Bereich des Nordsteinbruchs befindet sich der Felstempel des Haremhab.

© Rosemarie und Dietrich Klemm

Rechts neben dem Felstempel oder Speos des Haremhab im Uferbreich des Nordsteinbruchs erkennt man die wie aufgereihte Dünen oder Abraumhalden wirkenden Formationen vor der Felswand. Keiner hat sie bisher untersucht. Es könnten Cairns sein.

© Rosemarie und Dietrich Klemm

Die großen Cairn-Nekropolen Europas

 

Wenn deutsche Archäologen den Kopf schütteln angesichts der Tatsache, dass hier Cairns in Steinbrüchen zu ganzen Nekropolen zusammengefasst erscheinen, sei nur auf die Cairn-Nekropole von Bougon in der Bretagne verwiesen. Dort hat man es mit fünf großen Monumenten zu tun.

© J.E. Walkowitz, Wikipedia.org

Deutlich zu sehen auf der Zeichnung die Steingruben direkt neben den Cairns. Cairn C steht z. T. in der Grube, sozusagen ein Prototyp unserer Berg-Cairns.

Aufschlussreich, dass die Steinbrüche, die dem Bau der Cairns dienten, auch dort unmittelbar neben der Nekropole angelegt wurden, also auch dort schon die räumliche Nähe von Steinbruch und Cairn vorhanden ist.

Nicht nur in der Bretagne, auch bei uns im Norden Deutschlands kennt man die Lang- und Rundgräber, hier das Großsteingräberfeld von Everstorf in Mecklenburg-Vorpommern. In Norddeutschland jedoch ist es eher selten, dass der Baukörper eines Megalithgrabs noch vorhanden ist, da er meist aus Sand und Lehm bestand. Im Regelfall stehen nur noch die Einfassungen aus großen Hinkelsteinen, deren Herkunft aber nach Entdeckung der Felsnekropolen im Süden, auch aus deren Steinbrüchen stammen können.

Das Steinkammergrab von Züschen

Von der Norddeutschen Tiefebene südwärts wurde das Gelände zu gebirgig, die Täler waren noch zu morastig, um flach sich erstreckende Nekropolen anzulegen. Deshalb mussten zuerst plane Terrassen in die Hänge der Berge gebrochen werden. Was war da einfacher, gleich den Felsgrund zu nehmen, der durch das Ausbrechen der Bausteine automatisch entstand?

 

Auch die bis jetzt bekannten Megalithgräber Hessens, die sog. Galleriegräber oder Allee couverts entstanden nicht auf der Fläche, sondern wurden auf Hügelkuppen in den Untergrund getieft, die Fundamentgräben zur Aufnahme für die großen Randsteine z. T. in den Felsgrund gebrochen.

Somit sind die Galleriegräber wiederum Prototypen der Berg-Cairns, die sich offenbar nicht nur östlich von Karlsruhe, sondern wohl über den ganzen Süden Deutschlands erstrecken.

 

 

Die Banditacci-Nekropole bei Cerveteri

 

Dem Entdecker war lange selber nicht ganz geheuer, was er da entdeckt hatte. Große Monumente in Steinbrüchen versteckt, warum hätten unsere Vorfahren das machen sollen und nicht ebenso majestätisch die Pyramiden auf Bergkuppen bauen, damit sie jeder schon von weitem erkennen kann? Nun die Ansicht war schon sehr gut ausgewählt. Schließlich ragen die meisten Felsnekropolen am Rand hoher Berge empor.

 

Sollten nur in Süddeutschland derartige Nekropolen in „Steinbrüchen“ entstanden sein? Beim Studieren der Fachliteratur dann stieß er auf die Felsnekropolen der Etrusker: Crocifisso del Tufo, necropoli di Monterozzi, necropoli di Poggio Felceto, di Blera, etc. Insbesondere die necropoli di Banditaccia bei Cerveteri, etwa 80 km nördlich von Rom, zeigt große Ähnlichkeiten zu süddeutschen Felsnekropolen. Hier hat man wohl ein Pendant zu deutschen bzw. keltischen Steingrabhügelfeldern im Fels.

 

Zwar hat man es dabei nicht mit Sand- oder Kalkstein sondern mit Tuff zu tun, aber auch dort umschließt eine einzige durchgehende Felswand die ganze, etwa 1,2 km lange Nekropole zur Bergkuppe hin, während alle Grabhügel bzw. Tumuli auf einer ebenen Terrasse stehen. Die Hügel stehen ebenfalls dicht gedrängt, so dass nur ein schmaler Weg labyrinthartig hindurchführt. Der Eindruck, in einer bizarren Märchenwelt voller Riesenpilze gelandet zu sein, drängt sich wohl jedem Besucher auf.

 

Am rechten Bildrand ist die umgebende Felswand zu erkennen.

 

© RCS Libri & Grandi Opera

Die Tumuli sind generell aus dem weichen Tuffstein heraus gehauen, d. h. die Basis der Baukörper besteht immer aus gewachsenem Fels, während die oberen Partien aus Tuffsteinblöcken bestehen, die trocken vermauert sind. Die umgebende Felswand rechts ist nicht immer so hoch, wie unten zu sehen. Unsere Felswände dagegen können bis zu 30 m und höher sein.

In Cerveteri bot es sich an, die Gräber in den Fels hinein zu hauen. Man erreicht sie erst nach einem Abstieg über recht steile Treppen.

 

Die Cairn-Architektur war jedoch auch den Etruskern nicht fremd. In Populonia bauten sie in megalithischer Bauweise Grabhäuser, die man auch als Cairns bezeichnen könnte, da sie dieselben architektonischen Prinzipien aufweisen. In der Necropoli di San Cerbone kann man die typische Dolmenbauweise studieren. Eigentlich sind diese Megalith-Bauwerke eine chronologische Unmöglichkeit, da der Bau von Dolmen am Ende der Bronzezeit um etwa 1200 v. Chr. eingestellt worden sein soll, die etruskische Kultur aber der Eisenzeit angehört.

 

Etrusker haben die Trockenmauerarchitektur in Perfektion beherrscht, wie man sehen kann. Diese formschönen Bauwerke wurden völlig ohne Mörtel gebaut. Ihre hohen Stadtmauern aus riesigen Steinblöcken, die völlig unregelmäßige Formen haben, fügen sich so nahtlos aneinander wie die rätselhaften Mauern der Maya und Inka.

In Cerveteri zeigt sich im Gegensatz zu Populonia überall das Gepräge einer Felsnekropole. Wie spärlich gelegentlich gemauert wurde, kann man an einzelnen Tumuli beobachten.

 

Deutlich zu sehen auch die typischen Spitzmeißelspuren im Fels, die man nicht nur in ägyptischen Pyrmidensteinbrüchen, sondern auch in süddeutschen Cairn-Felsnekropolen beobachten kann.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:10