Die Cairn-Felsnekropolen

Felsnekropolen oder Steinbrüche?

Unterscheidungsmerkmale Steinbrüche – Steingruben (Steingräber)

 

Aus erkenntnistheoretischer Sicht zeigt der Fall beispielhaft, wie Konvention den Blick auf die Realität verstellen kann. Wer es nicht besser weiß sieht sich vor Ort inmitten eines meist unwegsamen, von Bäumen, Büschen und Gestrüpp zugewachsenen Steinbruchs unbestimmten Alters, der überproportional große Abraumhalden enthält. Dort wo die alten Felsnekropolen weitgehend unversehrt die Zeiten überstanden, wie z. B. in Schmie-Maulbronn die Steingrube, hat man ein direktes Gegenüber von umgebender Felswand und Cairn.

 

Cairn II und III in der Steingrube vor der Felswand im Hintergrund. Cairn II zeigt eine weitgehend erhaltene Basismauer.

Aber die Überlieferung weiß, dass es sich nicht um normale Steinbrüche handelt, denn öfters begegnet man in Flurnamen ihrer ursprünglichen Bezeichnung Steingrube, jedoch Steingrub ausgesprochen, folglich ein Steingrab. Denn der etymologische Unterschied zwischen Grube und Grab ist unwesentlich. Noch heute sagt man, wenn einer verstirbt, er fährt in die Grube.

 

Leider vertreten die verantwortlichen Archäologen im Landesdenkmalamt Stuttgart den Standpunkt, dass diese mächtigen Strukturen nichts als Abraumhalden seien, da sie vmtl. dem Gutachten eines Mannes vertrauen, der sich selbst als Steinbruch-Fachmann ausgibt.

 

Der Architekt Rolf Albrecht Burrer, Maulbronn, ein persönlicher Freund des Landeskonservators, wie er Herrn Dübbers erzählte, stammt selbst aus einer alten Steinbruchbetreiber-Familie und glaubt daher, alle Steinbrüche der Gegend zu kennen und beurteilen zu können. Schaut man sich jedoch die Industriesteinbrüche seiner Familie an, die tatsächlich als solche im 19. und 20. Jh. genutzt wurden, erkennt man die gravierenden Unterschiede. Nur wer diese Merkmale kennt, kann uralte Felsnekropolen von regulären Industriesteinbrüchen der letzten Jahrhunderte unterscheiden. Kritiker unserer revolutionären Thesen machen sich selten die Mühe, diese Kriterien zu reflektieren. Nur aber wer das macht, bewegt sich auf demselben Boden methodischer Wissenschaft.

 

Wir stellen diese Kriterien einmal gegenüber.

Reguläre Industriesteinbrüche

 

 

 

 

sind heute noch gut zu betreten. Sie sind meist völlig leer geräumt, oder auf ihrem Areal wurden inzwischen großräumige Anlagen errichtet, wie z. B. Fußballfelder, Schießstände, Werkhallen, etc.

 

im Abbaugebiet steht keine einzige der unnatürlich großen gemauerten Abraumhalden, die der Entdecker als Cairns identifiziert hat. Diese weiten leeren Räume vor den Felswänden waren und sind auch immer noch nötig, um Transportfahrzeuge zu rangieren und diese ungehindert beladen zu können.

 

Abraumhalden, einfache Schutt-halden, kommen an bestimmten Stellen vor und sind als solche sofort zu erkennen, d. h. hier liegt Schüttgut vor. Dessen Volumen jedoch bewegt sich meist weit unterhalb 5 % des Areals.

Die alten Steinbrüche oder Steingruben

 

 

 

 

(wie sie in den ältesten Karten und Aufzeichnungen und in überlieferten Flurnamen genannt werden) sind jedoch meist nur durch enge und ausgesprochen lange Gassen zu betreten.

 

Diese schmalen Gassen werden beidseits von diesen angeblichen Abraumhalden enormer Größe flankiert und enden an der einen, das ganze Areal umgebenden Felswand, oder sie führen auf der einen Seite an der Felswand entlang, während auf der anderen ganz dicht die angebliche Abraumhalde steht. In den größten Nekropolen bilden die engen Gassen zwischen den Cairns ein wahres Labyrinth.

 

Diese angeblichen Steinhaufen nehmen dort 70 bis 90% des Areals ein. Betrachtet man sie näher und schaufelt die oberflächlichen Schichten weg, stößt man auf Mauerwerk. Wer diese massive Steinmauern als Abraumhalden verstehen will, muss sich fragen, warum die Steinbruchbetreiber für das ganze qualitativ wertvolle Material, das sie mühsam aus den Felswänden brachen, eigentlich gar keinen Verwendungszweck hatten und es völlig sinnlos inmitten des Steinbruchs in mühevoller Arbeit zu gemauerten „Halden“ aufsetzten, die so solide gebaut sind, dass sie alle Kriterien der Statik erfüllen. Es gibt Böschungen mit einem Neigungswinkel von 55º, der sogar den der Cheopspyramide übertrifft. Welche geschüttete Halde von solcher Steilheit wäre nicht schon längst nach all den Regengüssen der Jahrzehnte und Jahrhunderte zerflossen? Diese gemauerten „Halden“ aber füllen die ganzen Steinbrüche komplett aus und können auf dem Steinbruchgrund errichtet schon eine Höhe von bis zu 20 m und mehr erreichen, auf den Hang gebaut bis zu 80 m.

Ein Steinbruch der Firma Burrer liegt auf dem Stromberg bei Pfaffenhofen, der „Weiße Steinbruch“. Jedoch liegt dessen Ursprung vor Beginn der Steinbrucharbeiten im Jahre 1911 und verdankt seine Entstehung dem Vorhandensein einer großen Fels-Nekropole an dieser Stelle. Der Bereich, wo die Firma ihre Arbeiten anfing, ist nämlich eine Erweiterung dieses ursprünglichen Felsgrabes. Hier wurden die Felswände im Westen erweitert. Dementsprechend groß ist dort auch der Abstand zwischen noch stehenden Monumenten und der Steinbruchwand, während im Bereich der ursprünglichen Nekropole die heute noch vorhandenen Steingrabhügel eng vor der Felswand stehen.

 

Der Fund eines Ganggrabs in einem dieser flächendeckend stehenden Hügel als Beleg für megalithische Cairns ist wohl mehr als ausreichend - siehe folgendes Kapitel „Cairns (Stufenpyramiden)“.

 

 

 

 

Steingrub = Steingrab

 

Aufschlussreich, dass auch die Kartographie, wie die Volksüberlieferung, korrekt zwischen echten Steinbrüchen und sog. „Steingruben“ (mit Halden), wie der Volksmund diese uralten Felsausbrüche bezeichnet, unterscheidet, indem sie verschiedene graphische Kürzel verwendet. So verzeichnete Steingruben, wenn sie korrekt und nicht irrtümlich dargestellt sind, können also leicht als Fels-Nekropolen erkannt werden, wenn auch in ihrem jetzigen Zustand als Ruinen.

Erste Erwähnungen von Steingruben gibt es schon im 13. Jh., Karten aus dem 16. Jh.

 

Steingrub und Steingrab scheinen anfangs synonym und äquivalent verwendet worden zu sein. Auch heute sind Grube und Grab noch fast gleichwertig gebrauchte Begriffe. Steingruben sind also Steingräber. Im Mittelalter wurden einige wenige diese Steingruben nach Urkundenlage erstmals zu echten Steinbrüchen ausgeweitet, die noch im 19. und 20. Jh. die größten Industriesteinbrüche der Region waren, z. B. das schon erwähnte Natursteinwerk von Mühlbach und die Steingrube von Sternenfels.

 

Wenn es im Mittelalter noch Bestattungen mit Grabbeigaben gegeben haben sollte, dann dürften sie damals endgültig geplündert und die Skelette entsorgt, möglicherweise sogar von Nonnen und Priestern umgebettet worden sein. Denn seltsamerweise suchte die Kirche für ihre Kapellen und Klöster oft genug die Nähe zu diesen alten Stätten, beispielsweise das schon lange untergegangene Kloster von Kürnbach am Beginn einer Prozessionsstraße (Totenweilerweg), die zu den Nekropolen auf den nicht weit entfernten Bergen führt, oder die Abtei Neuburg bei Heidelberg-Neuenheim, das unterhalb des Heidenknörzel liegt, eine Ansammlung großer künstlicher Hügel mit einem noch erkennbaren Rest von Ganggrab. Hier in den vergessenen Nekropolen könnte die Quelle für die vielen Reliquien von Heiligen und Märtyrern liegen, deren Knochen wundersame Vervielfachung erfahren haben.

 

 

Industriesteinbrüche sind grundsätzlich leer geräumt

 

Das Bild regulärer Steinbrüche sieht dagegen völlig anders aus. Weite ebene Flächen erstrecken sich vor den Felswänden, wie z. B. im Sandsteinbruch von Pfinztal-Söllingen.

 

Der Abraum und Schutt, hier im Bild auf der rechten Seite, nimmt nur einen ganz geringen Teil des Areals in Anspruch, denn man handelt ökonomisch und gewinnt den Stein nur in geologischen Zonen, wo der geringstmögliche Abraum anfällt. Man erkennt sofort, dass es sich um Schüttgut handelt. Darunter verbirgt sich niemals Mauerwerk. Die weite ebene Fläche wird zum Bau von Büros und Werkstätten genutzt oder um die ausgearbeiteten Blöcke und Platten im Freien zwischenzulagern.

Ein anschauliches Beispiel, wie man sich reguläre Industriesteinbrüche vorzustellen hat, liefert das Zementwerk in Walzbachtal-Wössingen. Die gesamt Abbaufläche ist fast vollständig frei von Schutthalden.

 

Der Abraum, der vorwiegend aus Lehm besteht, wird oberhalb der Felswand abgelagert, wo er den Abbau nicht stört.

 

Doch auch hier existieren in einem kleinen Areal nahe der Eisenbahnstrecke merkwürdige Halden vor einer Felswand, aus Bruchsteinen und Geröll bestehend und völlig überwuchert von Buschwerk und niederen Bäumen. Da das Gewann „Steinhalden“ genannt wird, könnte es sich auch hier um alte Cairns handeln. Man erkennt wiederum, wie aus einer alten Felsnekropole ein moderner Steinbruch wurde, indem einfach neben den Cairns die frei stehende Felswand abgebaut und in den Berg hinein gesprengt wurde.

 

Steinbruchgrund: blau Abraum: gelb Felswand: rot Cairns: Rauten

Man sieht, dass es keinen Unterschied zu Kalksteinbrüchen gibt. Beide Arten sind während und am Ende der Nutzung weitgehend leer geräumt!

 

Die meisten modernen Industriesteinbrüche sind wohl in Wirklichkeit Mischformen, d. h. sie entstanden ursprünglich in vorgeschichtlicher Zeit als Felsnekropolen und wurden oft schon im Mittelalter ausgebeutet, vermehrt aber im 19. Jh. zu regulären Industriesteinbrüchen erweitert.

 

In solchen zu Steinbrüchen erweiterten Felsnekropolen stehen die ursprünglichen Steingrabhügel mehr oder weniger unversehrt zentral und am Hangrand des Areals, z. B. in einem der größten Industriesteinbrüche Baden-Württembergs bei Mühlbach. Dort wurde auf und zwischen diese Grabhügel der anfallende Schutt geschüttet. Das hat natürlich zu dem Missverständnis beigetragen, dass Cairns nur Abraumhalden seien.

 

 

Steingruben sind mit Cairns vollgestopft

 

Welch ein himmelweiter Unterschied zwischen einem regulären Industriesteinbruch und einer uralten Felsnekropole besteht, veranschaulicht der Grundriss des größten Steinbruchs Baden-Württenbergs, des Heilbronner Jägerhaussteinbruchs. Hier nimmt der angebliche Abraum, in Wirklichkeit ein einziger gigantischer Cairn, fast das ganze Areal des Steinbruchs ein. Das eigentliche, reguläre Abbaugebiet befindet sich im Norden und Nordwesten, im Rücken des Cairns.

Steinbruchbetrieb im Mittelalter

 

Einen unzweideutigen und sicher allseits überzeugenden Beweis liefert die Darstellung des Kloster-Steinbruchs von Schönau bei Heidelberg aus dem 16. Jahrhundert (Bild 19), die in Nürnberg aufbewahrt wird. Hier sieht man èn Detail, wie der oben abgebildete Heilbronner Steinbruch in Wirklichkeit entstand.

Die Zeichnung zeigt in der linken oberen Ecke das Abbaugebiet, das hinter einem großen runden zentralen Cairn in den Fels hinein gebrochen wird. Steinbrucharbeiter nutzen den schmalen Weg zwischen Felswand und Cairn, um zur rückwärtigen Felswand zu gelangen, die nun abgebaut und ihre Blöcke mittels Ochsengespannen weg gekarrt werden. Deutlich zu sehen ist, dass damals schon mit der Brechstange und natürlich nicht mit dem Meißel gearbeitet wurde.

 

Wäre der Steinbruch auf reguläre Weise und nicht aus einem Berg-Cairn im Fels entstanden, hätte man keine um die angebliche Abraumhalde sich windende Zufahrtsstraße anlegen müssen, eine Zufahrt, die zudem so eng ist, dass keine zwei Fuhrwerke sich begegnen können. So eng sind die Wege allerdings in allen von uns untersuchten Steinbrüchen, in denen wir Cairns entdeckten.

 

Die Zeichnung ist geradezu archetypisch in ihrer Darstellung einer uralten Cairn-Felsnekropole. Der Cairn ist deutlich gestuft und schon bewaldet, d. h. absolut sicher nicht aus aktuellem Schutt bestehend. Vielmehr kann man daran erkennen, dass das Monument schon zu der Zeit soweit erodiert war, dass auf der Oberfläche Pflanzen Wurzeln schlagen konnten, also schon ein hohes Alter hatte.

 

Würde es sich bei dem Cairn um eine Abraumhalde handeln, wäre sie einfach viel zu groß. Man hätte nie den Abbau an einer Stelle begonnen, wo erst soviel Abraum beiseite geschafft werden musste, sondern eine Stelle gesucht, wo der Fels schon offen zutage liegt. Und tatsächlich lag der Fels im Mittelalter ja schon blank. Die Erbauer des Cairns hatten ihn in der sog. Bronzezeit bereits freigelegt. Die mittelalterliche Steinbrecher waren gezwungen, sich den vorgefundenen Umständen anzupassen, also diesen krummen Weg um den Cairn herum als Fahrweg zu nutzen.

 

 

Die Steingrube von Mühlbach

 

Heute ist dieser große Felsaufbruch ein Natursteinwerk, in dem roter bzw. gelber Sandstein gewonnen wird. Schon auf einer Karte des 16. Jh. wird sie aufgeführt. Ursprünglich aber muss es sich genauso um eine Cairn-Felsnekropole gehandelt haben, denn die großen Bauwerke am Rand des Abgrunds (gelb markiert) stehen immer noch, wenn auch arg lädiert. Ein Platz wurde mitten zwischen zwei Cairns hinein gebrochen und ein Kriegerdenkmal errichtet. Wo die Cairns aufgebrochen sind, kan man das trocken gesetzte solide Mauerwerk sehr gut erkennen. Ebenso wurde bei der Anlage zweier Fußballplätze die Bausubstanz von Cairns in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist das Bild noch undurchschaubarer, weil offenbar echter Abraum auf den Cairns zu liegen kam.

 

Aber klar erkennbar ist: Hier wurde eine bestehende Nekropole zum Steinbruch erweitert, indem die umgebende Felswand zum Abbau freigegeben wurde. Das typische Bild eines Industriesteinbruchs: Überall im Abbaubereich wurden die Baracken der einzelnen Firmen errichtet. Der einzig erkennbare Abraum wurde im Norden auf einer Schutthalde vor der Felswand entsorgt (ziegelrot markiert). Der Lkw fährt dabei jeweils zum Bruch hinaus und kippt das Schüttgut die Felswand hinunter. Man sieht, wie klein der entsorgte Abraum im Verhältnis zur Gesamtgröße des Abbaugebiets ist.

 

Beeindruckend sind auch die ganz deutlich gemauerten Stufen auf dem steilen Hang unterhalb der Nekropole, die auch die Landvermesser und Kartographen nicht übersehen konnten. Wäre der Wald nicht im Weg, auch heute würden diese beeindruckenden Bauwerke hoch oben auf dem Berg gut zu erkennen sein.

 

Archetypisch auch die unmittelbare Nähe zu einem aufgestauten See. In diesen heiligen Seen wurde in keltischer Zeit Gold und Silber und andere wertvolle Devotionalien versenkt, von den Römern aber nach Ablassen des Wassers meist vollständig geraubt. Heute dient er als beliebter Badesee.

Industriesteinbrüche vs. Felsnekropolen

 

Die Nutzung der Steinbrüche bzw. Steingruben im Kraichgau und Zabergäu fand auch meist nur kurze Zeit statt. Im Buch des Entdeckers ist dokumentiert, wie lange sie überwiegend ausgebeutet wurden: 2 bis höchstens 31 Jahre. Die meisten wurden schon wieder um 1914 eingestellt.

 

Dagegen gibt es einige wenige Industriesteinbrüche, die schon vom Mittelalter an extensiv ausgebeutet wurden, insbesondere die Steingrube von Sternenfels und das Natursteinwerk im Steingrubenwald bei Mühlbach.

 

Selbstverständlich findet man dort im nachweisbaren Abbaugebiet keine schraffierten Felswände, denn es wurde mit Keil, Bohrern und Brechstangen abgebaut und nicht mit Meißeln!

 

Das Abbaugebiet ist völlig leer geräumt. Dort stehen natürlich auch keine angeblichen „Abraumhalden“, welche die ganze Innenfläche ausfüllen, wie in den „Steinbrüchen“ unseres Forschungsprojekts.

 

Dennoch gibt es im Randbereich beider noch immer Gruppen großer Cairns, die dem Abbau entgingen und heute wie selbstverständlich als Abraumhalden missdeutet werden. Vermutlich gibt es überhaupt keinen mittelalterlichen bis neuzeitlichen Steinbruch im Süden Deutschlands, der nicht aus einer uralten Cairn-Nekropole im Fels hervorging.

 

 

 

 

Historische Darstellungen vorgeschichtlicher Stufenpyramiden rund um das alte Würzburg

 

Dank der Maßstab setzenden Arbeit von Okrusch, Kelber, Friedrich und Neubert („Historische Steinbrüche im Würzburger Stadtgebiet im Wandel der Zeit“, Mainfränkische Hefte 105, 2006) haben wir sehr gutes historisches Kartenmaterial zur Verfügung, das uns die Beurteilung der dortigen „Steinbrüche“ und ihrer Geologie wesentlich erleichtert.

 

Die unten abgebildeten Steinbrüche mit gestuften Formationen sind keine Abbaustufen, in dem Fall müssten sie invers dargestellt sein, sondern offensichtlich Stufenpyramiden. Es wurde hier verfahren wie auf der historischen Darstellung des Klostersteinbruchs von Schönau oder am Cairn von Heilbronn. Eine den ganzen Steinbruch umfassende Pyramide ließ man stehen und begann die Felswand im Hintergrund abzubrechen.

 

Im Buch „Würzburger Steinbrüche“ werden diese nummeriert. Beginnen wir mit der Karte 15, dem „Würtzburger-Markungs-Plan“ von 1775/77. Hier sehen wir den alten Rats-Steinbruch mit einer beeindruckenden 4-, wenn nicht sogar 6-stufigen Pyramide im Zustand ihrer beginnenden Zerstörung (heute bewaldet, an der Ebertsklinge zwischen Franz-Stadlmayer-Straße und Keesburgstraße). Deutlich zu unterscheiden ist die Felswand links und oben und deren Abbaustufen.

Die Karte 16 ebenfalls von 1775/77 stellt die Stufen im „Lammer-Steinbruch“ südlich des Hetzbühl dar (heute auf der Sieboldshöhe, Ecke Oberer Bogenweg - Zeppelinstraße). Eine Satellitenpyramide sieht man links oben.

 

Dasselbe Pyramiden-Ensemble auf der Karte 18, ebenfalls von 1775/77. Hier hat die Hauptpyramide 5 Stufen.

Der alte Rats- und der Lammer-Steinbruch zeigen wiederum, wie beim Heilbronner- und Schönauer Kloster-Steinbruch, dass ursprünglich ein einziges Monument den Steinbruch komplett ausfüllte und der Abbau im Rücken der Monumente an der bereits stehenden Felswand begann.

 

Steinbruch Nummer 6, der auf der Karte 37 „Positionsblätter“ von ca. 1865 abgebildet ist und als „Hexenbruch“ im Bohlleiten zwischen Höchberg und Würzburg-Stadt lokalisiert wird: Drei Bauwerke, eines deutlich gestuft.

Der Harrach-Plan von 1844 zeigt den Steinbruch Nr. 53, damals bei der Lindlein-Mühle, heute überbaut, zwischen B 19 und Frankenstraße: eine vierstufige Pyramide vor einer Felswand.

Auf der Karte 37 findet sich auch diese Darstellung des „Hexenbruchs“ (Nr. 4) auf der Ranken ebenfalls zwischen Höchberg und Würzburg.

Die meisten Nekropolen sind aufgrund ihrer Größte bildlich überhaupt nicht darstellbar. Sie liegen von Wald verborgen auf einem Abhang, so dass es für den Fotografen keine geeignete Position gibt, von der aus er die Anzahl der Cairns auf ein Bild bannen könnte. Auch Luftbilder sind in den meisten Fällen nicht möglich, da der Wald die Sicht versperrt.

 

 

 

 

Einige Felsnekropolen zwischen Rhein und Neckar

 

Von den Westhängen der Bauschlotter Hochebene bis zum Randgebirge des Oberrheintals sind diese Cairn-Felsnekropolen verbreitet.

 

Nahe bei Bruchsal auf dem Köpfle oberhalb von Untergrombach stehen 10 Langcairns in Reih und Glied vor einer hohen Felswand versammelt. Die Grabhügel bestehen zum Teil oder vielleicht auch gänzlich aus dem anstehenden Fels, sind aber zum großen Teil von Lehm bedeckt. Dort wo durch Arbeiten der Grundstücksbesitzer der Lehm entfernt wurde, kommen diese Felspartien zum Vorschein. Auch vor der Felswand türmt sich der Lehm bis über mehr als die halbe Höhe.

 

Grabhügel aus dem Fels heraus gehauen wären historisch gesehen auch kein Novum. Die Tumuli der etruskischen Nekropole von Cerveteri bestehen ebenfalls zum großen Teil aus dem anstehenden Gestein, aus vulkanischem Tuff. Lediglich die Hügelkuppen sind auch dort aus Lehm.

Als das Gelände der „Hochstatt“ unterhalb der 10 Langcairns noch baumfrei war, konnte man im Oberrheintal schon von weitem die repräsentativ liegenden Gräber oben am Berg sehen. In einen der Cairns wurde der kommunale Wasserhochbehälter eingebaut.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:10