Celtica-Konturen4

Oppidum Staffelstein bei Staffelberg/Franken

 

Hier finden wir die Gräber bzw. Grabhügel außerhalb der äußeren Befestigung. Sie werden als frühmittelalterliche Steinbrüche interpretiert. Jetzt, da wir wissen, dass Abraumhalden in Wirklichkeit Cairns sind, haben wir es also mit Cairn-Felsnekropolen zu tun.

Oppidum Bogenberg bei Straubing

 

Hier finden wir eine Tradition aus keltischer Zeit vom Christentum übernommen. Offenbar wurde bei den Kelten der Brauch gepflegt, zum Grab des Ahnherrn zu wallen. Das nutzte man offenbar am Bogenberg, um die Neugläubigen bzw. bekehrten Christen auch weiterhin an den Ort zu binden. Eine Wallfahrtskapelle entstand direkt auf einem alten Cairn. Das keltenzeitlichen Wall-und-Grabenbündel bzw. die Wallwege, die ursprünglich tatsächlich Wege zwischen Erdwällen oder auch Hohlwege waren, führen auch heute noch direkt zum Wallgrab und von dort zum Tor der Festung.

Oppidum Glauberg in Hessen

 

Die zeigenössische Archäologie hat auf dem Glauberg in Hessen außerhalb eines keltischen Fürstensitzes den Grabhügel dieses Burgherrn ausgegraben und dabei die Existenz keltischer Wallwege bewiesen, indem sie einen solchen freilegte. Dieser endet, wie der auf dem Bogenberg, direkt am Grab des Ahnen. Er war von Gräben und Wallwerk flankiert, und auf dem Wall standen Skulpturen.

Oppidum Odilienberg im Elsaß

 

Über seine Datierung wird gestritten. Gängige Theorie ist, die gigantische Wehrmauer aus Megalithen stammt aus der Völkerwanderungszeit. Dagegen wird meist verschwiegen, dass ein früher Fund aus der Mauer eine Bronzedolch war.

Auch die Existenz eines ungeheuer großen Dolmens, des Dolmen mit dem vielleicht größten Deckstein Europas, weißt in das Megalithikum. Die „Druidenhöhle“ steht, wie die Felsnekropolen süddeutscher Oppida, ebenfalls unmittelbar an der Wehrmauer, außerhalb (siehe Pfeil).

Wo liegt Pyrene, die Hauptstadt Celticas?

 

Die Gegend zwischen Rhein und Neckar ist dermaßen dicht mit den größten Megalith-Monumenten der Welt ausgestattet, dass hier auch das Zentrum des Keltenreiches gesucht werden muss. Irgendeines der zahlreichen Oppida auf den Bergen Süddeutschlands muss der Regierungssitz gewesen sein. Welches kommt dafür in Frage? Es gibt nicht nur einen Kandidaten.

 

Der Heidengraben bei Grabenstetten/Bad Urach als Europas flächenmäßig größtes Oppidum steht in der Reihe der Bewerber sicher ganz vorn. Dort wurde die größte Spannweite an keltischen Münzen gefunden: Regenbogenschüsselchen, Kreuz- und Büschelmünzen, alle wesentlichen Typen vom Gold bis Potin. Eine Münzprägestätte kann man also dort vermuten. Münzrecht hatten aber nur die obersten Potentaten. Eine von den Kimbern nach Italien gebrachte und dem Typus nach wohl vom Heidengraben stammende Regenbogenschüssel trägt die Aufschrift ATULLOS, was mit Kaiser übersetzt werden kann.

 

Für den Heidengraben spricht seine geographische Situation, nämlich an der europäischen Wasserscheide. Wenn Waren über Rhein und Neckar von Norden kamen, konnten sie über die Lauter und Große Lauter nach Süden zur Donau geschafft werden. Tschech. lod = Schiff und lodi = per Schiff, auf dem Seeweg, lodar = Schiffer könnten ein Hinweis sein, dass hier vielleicht mit Schleppkähnen die Güter transportiert wurden. Dabei kamen sie unweigerlich am Heidengraben vorbei. Dieses Oppidum war offenbar nur wegen des Handelsweges entstanden. Hier am interkontinentalen Warenumschlagplatz konnten die Burgherren natürlich kräftig abkassieren. Macht und Reichtum waren garantiert. Wie schon der Archäologe John Dayton betonte, war Europa für die Hochkulturen des Südens, vor allem Ägypten, ein ganz wichtiger Rohstofflieferant, insbesondere Anbieter von Metallen. Und die Reise ging über die Donau und das Schwarze Meer direkt dorthin.

 

Auf der Karte unten zu sehen ist der Neckar von Norden kommend, im Rechteck Lauter und Große Lauter mit Europas größtem Oppidum Heidengraben, sowie in den anderen grünen Kreisen die Oppida Sternenfels, Hohenasperg, Pforzheim und Heuneburg. Der Neckar weist im betreffenden Gebiet archäologisch eine große Funddichte auf. Die Größe der einstigen Oppida kann man sehr gut mit der heutigen Millionenstadt Stuttgart vergleichen.

 

Die Hänge der Grabenstettener Hochebene weisen an den jeweiligen Auffahrten, den ehemaligen Torstationen der Bergfestung, jeweils große Felsausbrüche auf, die zu Kalksteinbrüchen umgewandelt wurden. Die Umgebung ist noch nicht auf Berg-Cairns untersucht, dürfte jedoch auch dort zum Erfolg führen. Über den antiken Namen dieser Bergstadt ist nichts bekannt. Jedoch kann der auf dem Plateau zu findende Ortsname Burren auf Pyrene hinweisen, ebenso das im Tal liegende Beuren.

 

Der Weiherberg in Pforzheim wäre eine andere mögliche Lokalisierung der Reichsstadt, der vor allem deswegen in Frage kommt, weil nur er den geografischen Bezug zum Gebiet der großen Megalith-Pyramiden im nördlich anschließenden Kraichgau und Zabergäu hat. In der Rubrik „Cairns und Pyramiden“ wurde schon kurz auf die Cairn-Vorkommen bei Pforzheim eingegangen und das südlich auf dem Berg liegende Stadtgebiet selbst als Ort eines großen Oppidum erkannt. Pforzheim war seit schriftlich fixierter Zeit die Hauptstadt Badens, was nun nicht unbedingt für eine große Reichshauptstadt spricht, aber doch eine Bedeutung erkennen lässt, die wohl durch die Metallurgie am Ort gegeben war und schon seit keltischer Zeit im näheren Umkreis nachweisbar ist. Auch heute noch hat Pforzheim den Titel Goldstadt, obwohl das Flussgold von Enz, Nagold und Würm schon lange ausgebeutet ist. Und eine oder mehrere Prägestätten keltischer Münzen sind am Ort, wo das Gold aus den Flüssen direkt gefördert wurde, durchaus vorstellbar, wenn auch noch nie Münzfunde gemacht wurden.

 

Vor allem aber der aus Pforzheim stammende Humanist Reuchlin gibt uns einen überraschenden Hinweis, wenn er den merkwürdige Ortsnamen auf einen Trojaner namens Phorkys zurückführt. Reuchlin schreibt nämlich Unglaubliches: „Da flüchteten sich die Trojanerhelden nach allen Winden hin und stifteten vorzüglich zwei große Städte: Rom und Pforzheim“. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Das kleine Pforzheim und das mächtige Rom auf einer Stufe? Die Humanisten des Mittelalters hatten sicher noch Zugriff auf Quellen, die heute schon längst vergessen sind, auf Archive, die der, neben dem Klerus, genauso bedeutenden Bildungsschicht, dem Adel, gehörten. Wenn eine deutsche Stadt in der nachtrojanischen Zeit eine ähnlich große Bedeutung wie Rom gehabt haben soll, kann man sie nur als die Hauptstadt des anderen großen Reichs auf Europas Boden betrachten, Celtica.

 

Pyrene kann man durchaus von einer althochdeutschen Urform des Wortes Pforz = Porz ableiten, wobei auch die Form Porc denkbar ist, welche die größte Ähnlichkeit mit mhd. Burc = Burg hat. Und Herodot der Grieche assoziierte bei seinem Verständnis dieses Stadtnamens sicherlich einen Begriff aus seiner Sprache. Griechisch Pyrgos bedeutet Turm. Die Sprachforscher („Duden – Das Herkunftswörterbuch“) sehen in pyrgos einen Begriff, der mit dem deutschen Wort Burg unmittelbar verwandt ist, ja auf einen germanischen Ursprung zurückgehen könnte. Der befestigte Herrenhof aus karolingischer Zeit, aus dem das mhd. burc = Stadt hervorging (Würzburg, Nürnberg, etc.) stand wie das keltische Oppidum meist auf einem gut zu verteidigenden Berg, so dass die steinerne Burg zum Zentrum dieser Stadt wurde. Auch im Keltischen gab es schon das Wort Burg, im Irisch-Gälischen steht dafür das Wort buirg.

 

Gegenwärtig glaubt man noch an den römischen Ursprung dieser Stadt. Der Fund eines Leugensteins, eines römischen Wegweisers, auf dem das Wort Port steht, führte zu der Annahme, lat. portus = Furt (über die Enz) wäre das zugrunde liegende lateinische Wort. Man darf aber davon ausgehen, dass nicht nur in römischer sondern auch schon in keltischer Zeit Brücken (aus Holz) gebaut wurden. Außerdem rätseln die Historiker, wie der lateinische Begriff sich so lange, von etwa 260 (Jahr des Alemanneneinfalls) bis 1067, den Zeitpunkt der erstmaligen Erwähnung des Stadtnamens, in der Erinnerung halten konnte, sage und schreibe 800 Jahre.

 

Das vermutete keltische Oppidum kann sich hier zwischen Enz und Nagold, über mehrere Berge hin, weit in die Ausläufer des Schwarzwalds erstreckt haben, womit auch Neuenbürg, das keltische Oppidum mit seinen keltenzeitlichen Eisenerzminen, in dieses miteinbezogen war. Im Süden scheinen die Täler von Forellenbach, Eulenbach und Reichenbach das Plateau zu begrenzen. Das Südtor könnte sich bei Langenbrand befunden haben. Die Hänge der Flusstäler sind derart hoch und steil, dass kein Angreifer eine Chance hatte.

 

Bei Bieselsberg auf dem Hasenrain, 10 km südlich des Enzufers in Pforzheim, sind mächtige Megalithmauern zu finden, die sich von der Bergkuppe zum Tal erstrecken und über deren Ursprung und Zweck jeder Wanderer grübelt. Die Bergkuppe ist hier über mehrere Kilometer hinweg bis nahe Hirsau mit hundertausenden Tonnen Stein gestuft, wie Volker Dübbers meint, wohl um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen. Eigentlich waren auch nur die Bergkuppen hierfür geeignet, die Täler sind zu steinig.

 

Das ist umso bemerkenswerter, als die Geschichtswissenschaft und Archäologie den Schwarzwald als ein in der Vorgeschichte kultiviertes Agrarland ausschließen wollen. Dieser Gebirgszug sei schon immer von Tannenwäldern bewachsen, in der Eiszeit wahrscheinlich sogar von Gletschern bedeckt gewesen. Und dennoch findet man auf seinen Höhen derart viele Grabhügel, nicht nur die ungezählten bei Bieselsberg, sondern auch äußerst monumentale rund um den Feldberg und Schluchsee, die man vom Neolithikum an datiert. Holger Kalweit, der diese erforscht, kennt Heimatsagen der Gegend, die von einer Zeit berichten, als die Welt wärmer und das Gebirge dicht besiedelt war.

 

Doch zurück nach Pforzheim. Wie die archäologischen Grabungen nach den massenmörderischen Bombardierungen des 2. Weltkriegs ergaben, befand sich eine kleine römische Ansiedlung im Nordosten außerhalb des Oppidums auf beiden Ufern der Enz und der Enzbrücke, die sogenannte Altstadt bzw. Alte Stadt, dort wo heute das Städtische Krankenhaus steht, unterhalb des Buckenbergs. Auch die Existenz dieser wohl schon römischen Brücke auf rein römischem Gebiet schließt eigentlich aus, dass Pforz mit röm. Portus = Furt zu übersetzen sei. Die sicher schon seit den Kelten vorhandene, strategisch wichtige Brücke zu besetzen war sicher das erste, was die Römer taten.

 

Bei dem Umfang dieser vmtl. Bergstadt wäre der Vergleich zum Oppidum Heidengraben bei Grabenstetten flächenmäßig leicht zu ziehen. Im dichten Schwarzwald sind archäologische Sondierungen, Lesefunde etc. naturgemäß durchweg stark behindert, weshalb es bis jetzt keine Hinweise gibt. Dieselbe Situation hat man auch am Oppidum auf dem Odilienberg im Elsaß mit seiner mächtigen Megalithmauer, wo bis heute keine Siedlungsspuren entdeckt werden konnten. Wer würde auch einen ganzen Wald abholzen, nur um eine archäologische Theorie zu bestätigen?

 

Pforzheim war jedenfalls schon lange vor den Römern ein ganz bedeutender Ort, da hier geografisch die erste Nord-Umgehung des Schwarzwalds möglich war. Auf mehr als 160 km Länge erstreckt sich nämlich dieser und verhindert durch seine hoch aufragenden Berge den direkten Zugang zu den Gebieten östlich von ihm. Es gab nachweislich eine Handelsroute vom Mittelmeer, die in Marseille (dem griechischen Massilia) startete und über die Rhone und die Burgundische Pforte ins Keltenreich führte. Wer als Kaufmann von Süden oder Westen kam und mit Karren oder Wagen fuhr, aber nicht den Achsbruch auf steilen Hangwegen riskieren wollte, war auf diese Umfahrung durch das dann folgende Oberrheintal und den Enzgau angewiesen. Deshalb beherrschte sicher eine Bergfestung an diesem Ort die viel befahrene Straße, die heute als Römerstraße bezeichnet wird. Die Burgherren konnten allein durch die Zölle zu Reichtum kommen. Aber das Eisen in den Bergen, ohne das der Bau der mächtigen Cairns nicht vorstellbar ist, verschaffte ihnen eine zusätzliche wehrtechnische Überlegenheit, womit sie ihre Macht weit über die Grenzen des Territoriums (Enzgau, Kraichgau und Zabergäu) hin ausweiten konnten.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51