Celtica-Konturen3

Schwieriger ist dieses Zeichen zu deuten. Handelt es sich um ein scheuendes Pferd? Oder schwingt ein Elefant seinen Rüssel?

Verblüffung herrschte, als diese Zeichen gedeutet werden sollten. Handelt es sich rechts um ein Mammut? Könnte das linke Tier ein Nashorn sein?

 

Wenn, dann ein Wollnashorn, das aber, wie der Mammut, schon seit dem Ende der Eiszeit hier ausgestorben sein soll. Vielleicht geht hier dem Interpreten nur die Fantasie durch. Absplitterungen und Meißelhiebe können die Bilder verfälscht haben. Oder aber die Eiszeit gab es nicht und war in Wirklichkeit die Sintflut, die erst am Ende der Kelten- und Römerzeit stattfand. Wenn sich schon Abraumhalden plötzlich als gigantische Pyramiden entpuppen, stellt sich vielleicht unser ganzes Bild, das wir uns von der Vorgeschichte gemacht haben, als falsch heraus.

 

Die geflügelte Schlange bzw. der Drachen, der an der Rückseite des Altars von Oberderdingen angebracht ist (siehe betreffendes Kapitel im Katalog), offenbart uns etwas aus der Ideenwelt unserer Vorfahren. Der Drache war ja nicht nur bei den Chinesen bekannt, alle Hochkulturen, einschließlich der ägyptischen, kannten ihn. Man staunt, wie sich die Darstellungen gleichen, selbst die präkolumbianischen Völker Südamerikas stellen ihn in der uns bekannten Form dar. Man könnte glauben, es handle sich um ein lebendes, vielleicht ausgestorbenes Wesen. Wenn, dann könnte es sich eigentlich nur um den Dinosaurier handeln. Haben die Drachentöter vergangener Zeiten tatsächlich noch Riesenechsen bekämpft? Unsere Weltchronologie spricht dagegen. Doch Hans-Joachim Zillmer hält das durchaus für möglich. Geologen haben nämlich einen Fakt sträflich vernachlässigt, der alles in Frage stellt, was die zeitliche Einordnung von Fossilien betrifft – Katastrophen. In ihrem zeitlich kurzen Verlauf können sich geologische Schichten aufbauen, für die die Geologen normalerweise Millionen von Jahre in Rechnung stellen. Epochen der Erdgeschichte könnten sich in Wirklichkeit auf ganz kurze Zeiträume reduzieren.

 

Wir sollten unsere eitle Selbstgewissheit, was die Vergangenheit unserer Erde betrifft, endlich mal wieder in Frage stellen. Die etablierte Wissenschaft ist nicht unfehlbar, was die Entdeckung der Megalith-Pyramiden erwiesen hat. Es kann nicht schaden, den Geist zu öffnen, die Sensorik zu schärfen für die immer noch rätselhaften Spuren aus der Vergangenheit.

 

 

 

Die Reichshälde – zentraler Versammlungsort eines existierenden Reiches?

 

Wenn wir Celtica begreifen wollen, müssen wir endlich die Megalith-Architekturen als keltisch betrachten. Jede Hochkultur hat eine monumentale Architektur. Und hier deckt sich auch das spärlich Überlieferte mit den archäologischen Fakten. Überall in Europa, wo die Kelten regiert haben sollen, finden wir die megalithischen Gräber. Sie dienten, wie in anderen Hochkulturen auch, der Repräsentation des Verstorbenen, seinem Andenken, je größer seine Bedeutung, desto größer und höher sein Grabbau. Kleine trinkfeste Provinzfürsten wie der Fürst von Hochdorf bekamen wohl eine Grabhügel aus Erde mit einer eichenen Grabkammer, die großen Herrscher über ein derart gewaltiges Reich jedoch verdienten ein Monument, das nach dem technologisch höchstem Stand der damaligen Zeit erbaut wurde.

 

Jedes Reich hatte sein Zentrum, wohl auch Celtica. Dies zu lokalisieren ist archäologisch möglich. Die baulichen Hinterlassenschaften der Kelten, viele ihre Oppida, sind ja bekannt. Und dann gibt es die antiken Autoren. Herodot z. B. schreibt über die Kelten: „Der Fluss Istros (Donau), dessen Lauf im Land der Kelten in der Nähe der Stadt Pyrene beginnt, teilt Europa in zwei gleiche Hälften“. Geographisch ist damit das Kernland der Kelten präzise eingekreist – am oberen Lauf der Donau, also im Gebiet von der Quelle an, ad definitum der Süden Deutschlands, just dort, wo die gewaltigen Berg-Cairns und Felsnekropolen zu finden sind.

 

Herodot hat aber auch den Namen dieser Hauptstadt genannt. Die Interpretation, dass es sich bei Pyrene um die Pyrenäen, den Gebirgszug zwischen Spanien und Frankreich, handelt, verbietet sich rein semantisch. Eine der zahlreichen Bergstädte muss wohl das geheimnisvolle Pyrene gewesen sein. Nur welche? Begeben wir uns auf die Suche. Kreisen wir das in Frage kommende Gebiet weiter ein.

 

Wenn bei der alten Reichsstadt Knittlingen eine „Reichshälde“ zu lokalisieren ist, lohnt es sich, diese aussagekräftige Bezeichnung auf ihren historischen Wert zu überprüfen. War diese dreistufige Hangpyramide tatsächlich so bedeutend, dass sie im Reich der Kelten eine zentrale reichsweite Bedeutung hatte?

 

Wir stellen uns die antiken Hochkulturen und Reiche vor, mit ihren Zentren und kultischen Wallfahrtszielen. Für die Griechen, aber auch für viele andere Völker Europas und Vorderasiens, waren Delos und Delphi solche Kultstätten, wo man den Göttern und Ahnen opferte, die Zukunft deutete und über das Schicksal ganzer Nationen entschied.

 

Kommt diese kleine Gemeinde Knittlingen dafür in Frage? Seine ehemalige Bedeutung findet schon dadurch ihren Ausdruck, dass es im Mittelalter noch eine freie Reichsstadt war. Siedlungsgeschichtlich haben sich die mittelalterlichen Städte meist an Orten entwickelt, die schon eine viel weiter zurückreichende Vorgängersiedlung besaßen. Die alte Hauptstadt Badens Durlach z. B., die mittelalterliche Residenzstadt der Zähringer, hat einen ovalen Grundriss, der in Ausdehnung und Anordnung der vier Tore in Himmelsrichtung genau einem ausgegrabenen Wallwerk der Michelsberger Kultur („4300 - 3500 v. Chr.“) bei Mayen in der Eifel entspricht. Beide Ovale sind 360 m hoch! In Durlach wurde offenbar die Stadtmauer auf den vorgeschichtlichen Wall gebaut, der Stadtgraben einfach von der jungsteinzeitlichen Siedlung übernommen.

Knittlingen scheint ebenfalls aus einem „jungsteinzeitlichen“ Ringwall hervorgegangen zu sein. Hier kam das oben abgeplattete Oval zum liegen.

Knittlingen als ein zentrales Ziel weither Angereister ist durchaus vorstellbar. Es liegt auf einer weiten Ebene, und zwischen der kleinen Stadt und dem Höhenzug, wo die Pyramide sich erhebt, wäre genug Raum gewesen, um ganze Heerscharen mit ihren Zelten und Pferdekutschen unterzubringen. Ganze Zeltstädte sind vorstellbar.

 

Vor allem aber der wohl in der Archäologie einmalige Prozessionsweg zur Pyramide dürfte die Annahme bestätigen, dass hier tatsächlich hochherrschaftliche Delegationen aus allen Teilen des Reiches zusammen kamen, um einem würdigen Verstorbenen, einem Reichskaiser, wenn der Begriff erlaubt ist, zu huldigen.

 

Dieser Prozessionsweg beginnt auf der Ebene, heute am Waldrand, und führt zur ersten Stufe der Hangpyramide, an deren Steilhang er abrupt endet. Tatsächlich handelt es sich um ein ganzes Bündel von Wegen, die sich allmählich in den Boden eingraben und immer mehr zu Hohlwegen werden. Dabei wachsen zwischen diesen Hohlwegen die Wälle immer mehr in die Höhe. Besonders der mächtige zentrale Wall zeichnet sich aus. Wie der sprichwörtlich gewordene goldene Mittelweg enthält er nämlich einen speziellen Hohlweg, einen sehr abgehobenen, der außerordentlichen Höhe und Breite des Walles entsprechend.

Man kann sich sehr gut vorstellen, wie hier auf breiter Front die Prozessionen sich dem Grab des Kaisers näherten, hierarchisch gegliedert die einzelnen Abordnungen, in der Mitte, allein durch die Höhe abgehoben und dennoch weit in das Erd- und Totenreich getaucht, der gegenwärtig Herrschende, ihm zur Seite die Rangnächsten in den tiefer gelegenen Hohlwegen. Hier eröffnet sich eine völlig neue Deutung dieses Begriffs. Wenn Hel bzw. Holda die Hüterin des Totenreiches war, sind Hohlwege in ihrem Ursprung Wege der Göttin Hel in die Unterwelt.

 

Wir wissen wenig über die Rituale, die stattfanden. Es ist vermutlich möglich, aus den wenigen Überlieferungen römischer und griechischer Schreiber, aus Volkssagen und Märchenstoff, aus der Rekonstruktion archäologischer Relikte auf diese Handlungen zu schließen. Sicher aber war die Viereckschanze auf der Kuppe des Berges eine Gerichtsstätte. Diese liegt gleich oberhalb der Hangpyramide und ist mit dieser durch einen Wall verbunden. Hier wurde noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Delinquent hingerichtet. Die viel diskutierte These, dass keltische Viereckschanzen generell diese und die Funktion von sakralen Orten der Anbetung und des Opfers hatten, wird dadurch bestätigt. Wenn es so war, wäre Knittlingen das Beispiel einer ungebrochenen Tradition über die Jahrtausende hinweg.

 

Fragt sich noch, welcher keltische Regent denn hier bestattet wurde. Vielleicht hilft die zweite bekannte Bezeichnung des Waldstücks – Brandhälde – weiter. Geschichtlich überliefert sind uns nur wenige keltische Herrscher mit Namen. Der wohl bedeutendste war sicher Brennus, der es 387 v. Chr. schaffte, Rom zu erobern und dort sein Lebendgewicht in Gold einzufordern. Vermutlich steckt hinter dem Wort Brand Brenn-us. Die latinisierte Variante hat wohl ihre Entsprechung im irisch-gälischen Namen Bran (Jean Markale „Die Druiden“), womit er nach seinem Totemtier, dem Raben benannt wurde. In der Variante Brendan taucht er in der irischen Geschichte als der Abt-Bischof von Kerry auf, der der Mythologie zufolge eine ähnliche Abenteuerreise zu einer Insel in der Anderswelt unternimmt wie der mythologische Bran. Dieser wird als „der gekrönte König dieser Insel... auf dem Thron von London“ bezeichnet. Brendan soll den Gott Lug geweihten Mount Brandon übernommen und christianisiert haben.

 

Brennius war dem britischen Historiker Geoffrey von Monmouth zufolge ein kelto-britischer König, laut Livius jedoch ein Senonenfürst und Boier, also Bayer. Bei Stonehenge wurde vor einigen Jahren ein Grab geöffnet und dessen Corpus genetisch untersucht. Dabei fand man eine Übereinstimmung mit dem Genbestand, der zu der Zeit in Bayern vorherrschte. Ob Bayern damals bis nach Großbritannien reichte? Es kann in der Keltenzeit durchaus bis an den Rhein gereicht haben, und die Schiffsverbindung über diesen großen Strom hinüber zu den Inseln war damit eine Sache von Tagen, vielleicht Wochen. In antiken Schriften werden nämlich die germanischen Nemeter, ein anderer keltischer Stamm als westliche Nachbarn der Boier bezeichnet, diese lokalisiert man jedoch links des Rheins zwischen Pfalz und Bodensee. Noviomagus Nemetum ist für die pfälzische Stadt Speyer überliefert, das auf die gallische Schutzgöttin der Heiligtümer Nemetona zurückgeht.

 

Vermutlich leitet sich aus dem Stammesnamen Nemeter die slawische Bezeichnung für die Deutschen Nemec ab. Daraus kann man folgern, dass die keltischen Boier ursprünglich slawisch sprachen. Die zahlreichen Orte in Süddeutschland, die auf -ingen enden könnten slawischen Ursprungs sein, z. B. Söllingen von slaw. selo = Siedlung, etc. Knittlingen bzw. Knit könnte auf Karnut zurückgehen. Nach Caesar war das Gebiet der Karnuten der „Mittelpunkt Galliens“. Alljährlich versammelten sich dort an einem heiligen Ort Druiden, um Streitigkeiten zu schlichten. Das Gebiet dieses gallischen Stammes wird zwischen Loire und Seine lokalisiert, der Hauptort war Chartres. Der Stammesname jedoch könnte auch für andere bedeutsame Orte im Reich Anwendung gefunden haben. Schließlich gab es nicht nur ein Nemeton = heiliger Platz, sondern viele, aber nur ein Stamm, der sich nach ihm benannte.

 

Knittlingen als potentieller Bestattungsplatz des bedeutendsten Keltenkönigs Brennus hat also durchaus die Aussicht, einmal ein ähnliches Touristenzentrum für Reisende aus aller Welt zu werden, wie Giseh in Ägypten oder Cerveteri in Italien, wo man der Weltöffentlichkeit zeigen kann, wie das immer noch weitgehend konturlose Reich Celtica tatsächlich aussah und welch gigantische Monumente es hervorzubringen in der Lage war, vorausgesetzt, die zuständigen Archäologen wachen endlich auf und beginnen die Bauwerke im nahen und weiteren Umkreis zu rekonstruieren.

 

Doch dazu müsste zuerst ein großer Wald geopfert werden, der heute die ganze Stufenpyramide bedeckt. Auch bei der nicht weit entfernten Steingrube von Schmie-Maulbronn wäre dies erforderlich, den Hangpyramiden von Kürnbach, Sternenfels und Sulzfeld, ebenfalls bei der Paradies-Pyramide von Heilbronn, dem Bärenstein bei Horn, um nur mal die Kronjuwelen der deutschen Archäologie zu nennen. Lediglich der Würzburger Marsberg ist nicht bewaldet, dafür aber teilweise im Besitz der Universität von Würzburg, die dort Biotope betreut, statt archäologisch zu forschen.

 

Der Regenwald Süd- und Mittelamerikas war kein Hindernis, die dortigen Stufenpyramiden freizulegen. Doch hier in Deutschland, wo alles und jeder, der über das Mittelmaß hinaus ragt, sofort auf dieses zurück gestutzt wird, dürften nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre massivste Widerstände nicht nur der Naturschützer zu erwarten sein, zumal ja von offizieller Seite der Idee keltischer Stufenpyramiden kaum eine Chance eingeräumt wird. Wir sind so stolz, ein intelligentes, gebildetes Volk zu sein, wenn uns aber etwas völlig Unkonventionelles begegnet, das ein hohes Maß an Umdenken erfordert, reagieren wir mit Ablehnung und Verachtung.

 

 

 

Die Bergstädte der Kelten und ihre Berg-Cairns

 

Welche archäologischen Fakten begründen die These, dass es sich bei diesen Monumenten tatsächlich um Relikte der Kelten und ihres Reichs Celtica und nicht um Bauwerke der um Jahrtausende früher datierten namenlosen Jungsteinzeit-Völker handelt? In West- und Nordeuropa bringt man die Megalith-Monumente tatsächlich nicht mit den Kelten in Verbindung, obwohl manche antike Überlieferung und Volkssage, aber vor allem die keltische Mythologie, die von den Iren aufgeschrieben wurde, diesen Zusammenhang nahe legen.

 

Hier hilft wiederum nur die archäologische Evidenz. Denn es gibt einen unmittelbaren Bezug zwischen den Felsnekropolen und den Höhenfestungen der Kelten, den sog. Oppida. Diese werden auch als Wallburgen, Ringwälle, alte Burgen, Wallanlagen etc. bezeichnet. In dem Standardwerk „Das keltische Jahrtausend“ gehen im Abschnitt „Besiedlung“ verschiedene Autoren auf die Datierung dieser ersten Bergfestungen ein und erkennen eine Kontinuität der Besiedlung von der sog. Urnenfelderzeit bis zu der Eisenzeit der Kelten. Das ist umso bemerkenswerter, als bis vor noch gar nicht langer Zeit die Archäologie einen Trennstrich zwischen der Bronze- und Eisenzeit zog und eine weitgehend fundlose Urnenfelderperiode von fast 400 Jahren dazwischen schob, eine Zeit der Katastrophe, in der Völkerwanderungen stattgefunden hätten. Diese katastrophische Zeit wurde archäologisch in vielen ausgegrabenen Städten des Nahen Ostens nachgewiesen, die Zerstörungsschichten jedoch mit dem Exodus der Juden aus Ägypten und ihrer Zerstörung kanaanitischer Städte in Verbindung gebracht, wodurch wiederum die (unbewiesene und faktisch falsche) Chronologie der Bibel zum Zuge kam.

Die namensgebenden Urnen etwa fanden sich in einem Verbreitungsgebiet von der Nordsee bis nach Anatolien, wodurch eine Kontinent-übergreifende Völkerwanderung bewiesen war. Heute wird die Urnenfelderzeit als Hallstattzeit bezeichnet. Die Hallstattzeit aber wurde ursprünglich als rein eisenzeitlich betrachtet. Die Urnenfelderzeit verschmolz also einerseits mit der Eisenzeit, andererseits aber auch mit der Bronzezeit, in diese Richtung gilt sie heute nur noch als Spätbronzezeit.

 

Da man jetzt also die fließenden Übergänge erkannt hat, stellt sich die Frage, wie man Kelten zeitlich einordnen muss. Früher war das Volk der Kelten ausschließlich mit der Eisenzeit verquickt. Es durfte, wie schon ausgeführt, keine Kelten vor dem 8. Jahrhundert v. Chr. geben. Da ihre Bergfestungen jetzt aber bis weit in die Bronzezeit zurückreichen, taten die Autoren gut daran, das keltische Jahrtausend auszurufen und die Grenze in die Vergangenheit zu verschieben. Nur, wo ist diese Grenze jetzt wirklich zu ziehen? Auch innerhalb der Bronzezeit ist die Einteilung in frühe und späte fraglich. Was als zeitlicher Faktor betrachtet wird, ist vielleicht nur das Resultat verschiedener lokaler Ausprägungen im Formbestand der Funde. Damit hätten wir schon mehr als zwei Jahrtausende in den viel kürzeren Zeitraum der keltischen Kultur und Metalltechnologie komprimiert.

 

 

Oppidum auf dem Kürnberg bei Linz – eine bronzezeitliche Festung

 

Ein Langcairn-Ensemble unmittelbar hinter einem der Wall-Tore der bronzezeitlichen Bergfestung auf dem Kürnberg bei Linz/Österreich unterstützt die proklamierte Zeitkürzung. Wenn schon der Name Kürn auf Cairns hinweist, dann gibt die Datierung „frühestens mittlere Bronzezeit“ eine Ahnung, wann die keltische Nation wirklich entstand. Da man es nicht besser weiß, bezeichnet man die langgezogenen Strukturen auf der Karte als Schanzen.

 

Neben einem Steintisch (Dolmen) findet man auch einen Runenstein auf dem Gelände.

Auffällig ist, dass die vermuteten Cairns gleich hinter dem Tor, unmittelbar an der Zufahrt zur Bergfestung zu finden sind. Schon an der Zwerchhälde von Sternenfels fiel dieser Umstand auf.

 

 

Oppidum Sternenfels

 

Schauen wir uns dessen ganze Hochfläche im Überblick an. Die Cairns befinden sich jeweils am Rand des Plateaus, an Zufahrten, die als Torstandort eines vmtl. Oppidums in Frage kommen. Von großen Erdwällen oder gallischen Mauern ist nichts zu sehen, das schließt nicht aus, dass an manchen Steilhängen evtl. nur Palisaden gereicht haben, um die Stadt zu schützen. Im Norden erkennt man an einer Auffahrt die auf ein Tor hinweisende Situation, prägnante Erdformationen am Hang, am Ende eines auffälligen Hohlwegs. Neben dem vmtl. Tor finden sich Mauerreste am Rand des Plateaus, die sich bis zur Maishälde hinziehen. Besagter Hohlweg wird als römische Straße vermutet, hat aber auch als mittelalterlicher Totenweilerweg Erwähnung gefunden. Auf ihm wurden die Toten der Ritter von Sternenfels zur Kirchengruft nach Kürnbach transportiert.

(1) Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf bei Oberderdingen, (2) Maishälde, (3) Rohrhälde bei Kürnbach, (4) Zwerchhälde, (5) „Burgstall“ mit Hangturm, (6) Herdhälde, (7) Augenberg und Kraichquelle, (8) Burghalde mit Aussichtsturm, (9) keltischer Abschnittsgraben, (10) Cairn-Ensemble an der Steingrube, (11) ehemaliger Steinbruch „Steingrube“

 

Das vmtl. Oppidum fügt sich im Osten an den Ausläufer des Strombergs, der durch den Abschnittsgraben in die Bergstadt miteinbezogen war. Die Kante der steilen Hänge ist durch eine orange Linie markiert.

 

Im Tal unterhalb der Sommerhälde liegt ein Stausee, unterhalb der Zwerchhälde wurde die aufgestaute Kraich abgelassen, unter der Steingrube liegen aufgestaute Weiher, dasselbe Bächlein könnte auch für einem Weiher unterhalb der Maihälde Wasser geliefert haben, für die Rohrhälde scheint der Nonnenbach aufgestaut worden zu sein und dem großen Augenberg kann der Quellteich der Kraich zugeordnet werden. Noch die Mönche im nicht weit entfernten Kloster Maulbronn pflegten angeblich die Technik des Wasserbaus in Perfektion und legten Fischteiche an, die aber vielleicht auf viel ältere Heilige Seen der Kelten zurückgehen.

 

 

Oppidum Heidengraben bei Grabenstetten

 

Wie bekannt handelt es sich hierbei um das bis jetzt größte Oppidum Europas mit 1662 Hektar Fläche innerhalb der Befestigungen. Es ist weitgehend erforscht und soll hier lediglich zum Vergleich mit Sternenfels dienen.

Auch hier finden wir große Felsausbrüche jeweils unmittelbar an den Zufahrten zur Hochfläche (Zufahrten = orange, Steinbrüche = rot, Befestigungen = grün). Bei Hülben existiert sogar noch die Ruine eines Cairns. Hier steht auch noch die hoch aufragende schmale Felsmauer der ursprünglichen Nekropole, die so stark an ägyptische Vorbilder erinnert. Die Steinbrüche sind jetzt allesamt kommerzialisiert und stark ausgeweitet worden. Es wird Kalk zur Zementherstellung abgebaut. Die Cairns konnten deshalb problemlos abgebaut und für immer vernichtet werden. Bei Burren steht die gallische Mauer am Rand der ehemaligen Nekropole noch komplett samt Tor, durch das auch heute noch das Gelände betreten werden kann. Innerhalb jedoch ist Tabula Rasa. Jeder Kalkstein wurde der Kalkherstellung geopfert. Bei Erkenbrechtsweiler finden wir einen Steinbruch, der mitten in die Hochebene hinein gebrochen wurde und eine auffällige Rechteckform besitzt. Man erinnert sich an den genauso rechteckigen Felskeller auf dem Plateau der Altenburg bei Bundenbach aus keltischer Zeit. Seit der Zeichnung der Karte ist einige Zeit verstrichen. Heute ist der Umfang des Steinbruch erheblich ausgeweitet worden.

 

 

Oppidum Heidenmauer bei Bad Dürkheim

 

Auch hier sei noch einmal auf die Koinzidenz von Tor bzw. Zufahrt und vmtl. verloren gegangenen Cairn im Kriemhildenstuhl hingewiesen.

Oppidum Titelberg in Luxembourg

 

Hier haben wir ebenfalls die unmittelbare Nähe von Tor und Zufahrt zu einer Nekropole. Jeder der die Bergstadt besuchte, musste zuerst die Gräber der Ahnen passieren. Das erinnert an den Grabbrauch im alten Rom, wo an der Hauptausfallstraßen der Städte sich die Grabmäler der Verstorbenen aneinanderreihten und von jedem Reisenden entlang geschritten werden mussten.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51