Celtica-Konturen2

Wie man sich einen solchen Sitz faktisch vorstellen kann, veranschaulicht der Hag´s Chair (Hexenstuhl) an Cairn T von Loughcrew in Irland.

Einen Wall aus Stein bietet auch die Nekropole von Schmie/Maulbronn. Hier sind die Cairns am Rand der Talböschung in einer langen Reihe aneinander gebaut (Cairn 1 - 10), so dass man durchaus von einem Bestattungswall sprechen könnte, der der irisch-keltischen Beschreibung entspricht - siehe Plan im Artikel „Die Typologie der Berg-Cairns“ unter „1. Die einterrassige Felsnekropole“. Wer weiß, ob die Ausgräber auch solche Steinthrone in den tief verschütteten Arealen unserer Felsnekropolen erwartet?

 

Uwe Topper hat auf www.cronologo.net einen interessanten Artikel zum Thema veröffentlicht:

 

„Hünenbetten - Gräber oder Kultbauten? Eine neue Idee zur Lösung eines megalithischen Rätsels: Welchen Sinn hatten die offenen Steinsetzungen Norddeutschlands? Vortrag gehalten in Berlin-Schöneberg am 1.4.2009.“

 

Ein exzellentes Werk, das wie immer die Schwachstellen etablierter Theorien erkennt und angreift und dem untersuchten Gegenstand neue überzeugendere Erklärungen verleiht. Da ist es der Sache sicher dienlich, das Thema mit Verifizierungen und Präzisierungen weiter zu vertiefen und damit die Rekonstruktion der Lebens- und Gedankenwelt unserer Vorfahren voranzutreiben.

 

Wir kennen wohl alle die großen rechteckigen Steinsetzungen des Megalithikums, die von der konventionellen Archäologie als Reste bzw. Einfassungen von langgezogenen Hügelgräbern interpretiert werden. Häufig findet man innerhalb der mächtigen Gatter aus senkrecht gestellten Felsbrocken und -platten noch den Baukörper aus Erde, Lehm und Sand aufgehäuft, der dem Schutz des Dolmens bzw. Ganggrabs dienen sollte. Sprockhoff hat dies anschaulich in seiner Rekonstruktion illustriert.

 

Aber es gibt diese Megalithgräber oft genug auch ohne kompakten Baukörper. Was stutzig macht, wenn es tatsächlich immer diese Auffüllungen gegeben hätte, warum verschwanden sie? Wer hätte Interesse gehabt, ausgerechnet das wertloseste Material an so einem Hünengrab wegzuschaffen? Hätten Plünderer es beseitigen müssen, um an den Dolmen mit seinen großen Felsquadern zu kommen, warum ließen sie nach all der Arbeit die Dolmen meist unversehrt? Die große Mandränke hat ihre Spuren an den megalithischen Grabhügeln hinterlassen. Sollte sie ursächlich an dem Verschwinden gewesen sein? Die anbrandenden Fluten hätten kaum das hinter den Felsbrocken geschützte Material wegspülen können.

 

Da kann also etwas nicht stimmen mit der Theorie. Und Uwe Toppers Erklärung ist nun wirklich durchdacht und mit einer überraschenden Einsicht in die Entwicklung sakraler Architektur des Abendlands untermauert. Diese Steingatter könnten in Wirklichkeit die Fundamente großer überdachter Hallen, quasi Prototypen frühchristlicher Gotteshäuser und Feldsteinkirchen des Nordens gewesen sein. Dafür spricht das Vorhandensein eines großen Steinthrons auf der Innenseite des Visbecker Bräutigams. Wäre das Grab bedeckt gewesen, niemand hätte auf dem Thron sitzen können. Der Innenraum des Kultbaus musste also begehbar sein.

Der um etliches monumentalere Steinthron am Cairn T von Loughcrew, Irland, den Hag´s Chair kennen wir schon. Hag´s Chair heißt wörtlich übersetzt Stuhl der Hexe. Das entspricht fast der deutschen Etymologie des Wortes. Man führt Hexe auf das Wort Hag (Zaun) zurück und erzeugt das Bild einer alten Frau, die auf dem Dorfzaun reitet. Eine lächerliche Vorstellung gewiss. Der Hag war tatsächlich die steinerne Einfassung aus großen Felsquadern. Stonehenge übersetzt man mit Steinhag. Nun wissen wir, dass diese Frau von hohem gesellschaftlichen Rang in der heidnischen Kultur gewesen sein muss. In Loughcrew steht der Steinthron aber außen am Rand eines Cairns und nach außen gewendet.

 

Vielleicht wird nun verständlich, wie die Entwicklung des Megalithgrabs tatsächlich war. Es gab eine Zeit, in der die Steingatter bzw. Hünenbetten offen lagen und wohl als Gotteshäuser dienten. Dazu gehören auch die zahlreichen Steinkreise, die man im Verbreitungsgebiet der Megalithen findet. Woodhenge in England ist ein gutes Beispiel für ein rundes Gotteshaus, allerdings aus Holz. Einen höchsten Gott dürfen wir auch bei den polytheistischen Religionen immer voraussetzen. Selbst die Inder haben ihren Brahman. Wir wissen nicht, ob die Steinumfassungen mit einem Dach bekrönt waren. Wenn sie offen waren, würde dies die römischen Überlieferungen bestätigen, die von Gottesdiensten in Heiligen Hainen unter freiem Himmel berichten. Vermutlich gab es beide Formen.

 

Dass die Dolmen ursprünglich offen lagen, bestätigen auch die Überlieferung sog. heidnischer Opfertische, z. B. den Opfertisch in der Ahlhorner Heide bei Visbeck/Niedersachsen.

Es wurde also am bzw. auf dem Grab des Ahnen geopfert. Dazu musste aber das Grab offen liegen. Wenn Feuer brannten, musste der Rauch ungehindert abziehen können.

 

Ein weiteres Indiz sind die Schälchensteine. Diese runden Vertiefungen wurden auf den Decksteinen weniger Dolmen angebracht. Es gibt Zeugnisse dieses Kultes, der auch an christlichen Kirchenpforten fortgeführt wurde. Demnach kamen mit jeder Prozession neue Schälchen hinzu. Dazu aber musste der Dolmen auch für eine längere Zeit offen gewesen sein.

 

Aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wurde das Gotteshaus und das Ahnengrab geschlossen und zu einem Grabhügel verwandelt. Aus dem Steinkreis wurde ein runder Cairn, aus dem viereckigen Steingatter ein Hünenbett. Der Steinthron wanderte von der Innenseite auf die Außenseite. Es ist die Frage, ob dies zum Schutz vor Angreifern und fremden Kulturen stattfand - denn dann hätte man auch den Thron schützen und mit Erde oder Bruchsteinen bedecken müssen - oder aber einer rituellen Logik entsprach.

 

Es deutet alles darauf hin, dass mit dem Tod des Throninhabers bzw. der Throninhaberin das offene Grab geschlossen wurde. Das aber erinnert stark an die Grabsitten der Ägypter. Auch dort ließ der Pharao zeitlebens an seinem Grab arbeiten, die Pyramide über Jahrzehnte hinweg errichten, und erst mit seinem Tod wurde das Grab endgültig fertig. Fanden bis dahin Rituale womöglich an der Baustelle, an der zukünftigen Grabkammer statt? Ist deshalb die Königskammer der Cheopspyramide ohne Sarkophag, weil der Pharao nicht mehr beerdigt werden konnte? Das spricht chronologisch auch dafür, dass die Cheopspyramide am Ende, nicht am Anfang des Pharaonenreichs entstand.

 

Wer aber saß nun bei uns auf dem Steinthron? Priester oder König, Priesterin oder Königin? Vermutlich kann man dies schon an der Form des Grabes erkennen. Die runden Cairns scheinen den Frauen zugeordnet gewesen zu sein, während die langen phallischen Gräber wohl den Männern vorbehalten waren. Der Hag´s Chair Cairn ist rund. Der Visbecker Bräutigam ist lang und gehörte, wie der Name schon sagt, einem Mann.

 

Die Könige und Königinnen waren vmtl. Priesterkönige, wie aus den Berichten der Antike zu schließen ist, es gab wohl eine Art Gottkaisertum, wie in Ägypten, wo der Pharao zugleich der höchste Priester war. Diese alte Religion war sehr jenseitsorientiert, denn zum Kult gehörte offenbar das Opfer am Grab des noch lebenden Herrschers. Der lebte also quasi wie Django, mit dem Sarg auf dem Buckel, eine ulkige Vorstellung.

 

 

Die größten Megalithpyramiden der Welt – Kanzeln, Altäre und Tempel

 

Nordrhein-Westfalen bietet mit dem Bärenstein bei Horn-Bad-Meinberg, direkt neben den Externsteinen, eins der größten einzelnen Bauwerke. 440 m Seitenlänge hat das Monument, das völlig vom Wald verborgen ist. Fünf Stufen kann hier der Besucher erklimmen und dabei etwa 30 m Bauwerkshöhe überwinden. Man möchte an einen Prozessionsweg, an Stufen der Einweihung in ein altes Geheimnis glauben, denn die höchste Stufe bildet wiederum ein Langgrab. Dort oben angelangt hat man die Möglichkeit, die über 30 m hohe Felswand zu betreten, die auf ganzer Länge das Bauwerk flankiert. Der Blick auf die nördlichen Landschaften ist gewaltig. Von der Felswand kann der mutige Wanderer auf eine rechteckige Felsnase hinuntersteigen, die sprungschanzenartig aus der Felswand herausragt und an eine Priesterkanzel denken lässt. Wer sich dort hinaus traut, muss absolut schwindelfrei sein. Ähnliche Felskanzeln dieser Größe finden sich auch auf den Hängen des Oppidums auf dem Odilienberg im Elsaß, eine ist als Wachtstein bekannt (siehe Plan Oppidum Odilienberg unten folgend). Diese können von der bronzezeitlichen Megalithmauer aus betreten werden.

 

Der Raum zwischen hoch aufragender Felswand und der Stufenpyramide hatte sicher sakrale Funktion. Wer jeweils vor Ort sich in die erkennbaren Strukturen vertieft, erkennt, wie die Felswände gegliedert sind, wie aber auch die Stufen der Bauwerke sich in diese gewaltigen Innenräume einfügen und den Gesamteindruck eines großen zum Himmel offenen Tempels erzeugen. Das heißt, wir haben konkrete Anhaltspunkte und erste Hinweise auf die Riten der alten Kultur, materielle Zeugnisse, die es uns ermöglichen, Einblick in die Vorstellungswelt der Herrscher und Priester dieser versunkenen Hochkultur zu gewinnen.

 

Dazu gehören auch die Altäre, die in unmittelbaren Zusammenhang mit den großen Cairns in den Ecken der umgebenden Felswände gefunden wurden. Ein aus dem anstehenden Fels als ganzer Block gehauener Altar mit schräger Tischfläche und Abflussrille könnte für blutige Tieropfer gebraucht worden sein, die in der Antike weit verbreitet waren. Dieser fand sich bei Oberderdingen unter zwei Meter Lehm und Geröll.

Man kann ihn direkt mit zwei ausgegrabenen Altären im keltischen Oppidum Altenberg bei Bundenbach vergleichen. Die Archäologen haben dort einen ähnlich langen Felskeller mitten auf dem Plateau freigelegt. Sie wissen allerdings diese Felsblöcke mit den schrägen Tischflächen (noch) nicht zu deuten, bringen sie aber wohl mit Opferritualen in Verbindung, weshalb sie eine Opferschale am Ort platziert haben. Die vmtl. einst glatte Tischfläche ist über die Jahrtausende erodiert.

 

Ein gigantischer Felsaltar, der mit seiner Monumentalität vatikanische Dimensionen erreicht, steht in der Zwerchhälde von Sternenfels. Ein weiterer gemauerter Altar befindet sich dort und vermutlich noch ein dritter, allerdings unter tonnenschweren Verschüttungen.

 

 

Zeichen und Wunder

 

Die irischen und bretonischen Cairns und Megalithgräber sind bekannt für ihre Steingravuren auf den Dolmensteinen, spiral- und wellenförmigen Muster in dichter Folge. Es wäre natürlich schön, wenn auch hierzulande solche eindeutigen Felszeichnungen zutage treten würden. Es gibt sie, wie schon im Kapitel „Zwerchhälde Sternenfels“ gezeigt. Allerdings in völlig anderer Art. Merkwürdige Petroglyphen sind an einem Steinbalken an der Decke des Ganggrabs von Eibensbach über der Nische angebracht. Uwe Topper, der das Foto gemacht hat und dem die Entdeckung zu verdanken ist, bat mich, den Fund auf jeden Fall zu veröffentlichen, schon um Meinungen der Leser zu erfahren, wie diese Bildnisse zu interpretieren sind.

Auszuschließen ist, dass es sich um erosionsbedingte Absplitterungen oder sonstige Verwitterungsspuren im Stein handelt. Die Zeichen sind mit einem spitzen Gegenstand in die glatte Steinoberfläche gehauen worden.

 

Es scheint sich um Ideogramme zu handeln, also Zeichen, die für eine Idee, einen Gegenstand oder ein Wesen stehen. Auffällig ist ein sich wiederholendes Zeichen, das ein vierbeiniges Tier in der Seitenansicht darzustellen scheint. Es ist, wie alle anderen Zeichen, auf das Äußerste reduziert. Tierköpfe, Hörner sind erkennbar, aber auch viele Zeichen, die man kaum versteht.

 

Die dichte Häufung der Zeichen erinnert an Höhlenzeichnungen der Altsteinzeit.

 

Es soll hier auch ein Fund vorgestellt werden, der so unglaublich wirkt, dass die Frage, ob er überhaupt veröffentlicht werden soll, lange im Raum stand.

 

Die sieben Zeichen, ebenfalls stark reduziert und genauso klein, aber dennoch gut erkennbar, sind kaum daumengroß und auf gleicher Höhe im Abstand von jeweils einer Handbreite auf einer der gemeißelten Felswände in der Zwerchhälde Sternenfels angebracht. Die absichtsvolle und systematische Anordnung der Zeichen schließt aus, dass es sich um Zufallserscheinungen handelt. Sie wurden offenbar mit demselben Meißel eingehauen, mit denen auch die Spitzungen ausgeführt wurden. Es handelt sich wohl um ein Tierfries.

 

Man braucht wohl nicht viel Fantasie, um hier einen Hund, vielleicht einen Terrier, und einen Vogel, evtl. einen Auerhahn, zu erkennen.

Hier erkennt man rechts ein Tier, das einem Stier gleicht, schwieriger sind die Zeichen links zu deuten. Es könnten zwei tollende Hunde sein.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51