Celtica - Konturen

Celtica

Schemen einer versunkenen Hochkultur

Wir stehen, trotz zahlreicher Funde von Cairns und Grabgängen, noch ganz am Anfang der Forschung. Was sich aber abzeichnet ist eine völlig neue Hochkultur mit ganz eigener Ausprägung, mit Charakteristiken ganz besonderer Art, anhand derer sich überhaupt nur Kulturen definieren und voneinander unterscheiden lassen.

 

Wir können nicht auf vergessene Stufenpyramiden stoßen und diese erforschen, ohne nach der vorauszusetzenden Zivilisation, die für den Bau und die dazu notwendige Organisation verantwortlich war, zu fragen. Gesunder Menschenverstand führt uns zu der Annahme, dass die jetzt nachweisbare weit verbreitete und fast schon industriell wirkende Steinbe- und -verarbeitung nur in der entwickelten Eisenzeit möglich war, also zur Zeit der Kelten.

 

Wenn Historiker ehrlich sind, geben sie zu, dass sie von dieser prähistorischen Zivilisation anhand der Urkunden nur sehr wenig wissen. Alles bekannte stammt von römischen und griechischen Quellen, also von kriegsführenden Gegnern der Kelten und sind somit alles andere als objektiv.

 

Bei den Römern nannte man dieses Volk celtae oder galli, bei den Griechen celtoi oder galatai.

Immerhin sprach man von einem gewaltigen Reich, das sich nach Angaben Strabons („ca. 63 bis 23 v. Chr.“) von Spanien (Gallicien) bis Kleinasien (Galatien), also über den ganzen Norden Europas erstreckt haben soll und das er als „Celtae“, die Kelten bezeichnete.

 

Bei „Appiananus“, griechischer Titel des im 2. Jahrhundert erschienenen Werks „Appiani Alexandrini Romanorum Historiam Celtica“ (ex Bibliotheca Regia. Paris), findet man diese Reichsbezeichnung als Titel einer Abhandlung, das Werk lediglich als ein Fragment.

Wie man sieht, liegt das Kerngebiet Celticas links und rechts des Oberrheins, also in dem Raum, wo jetzt die größten Megalith-Pyramiden Europas gefunden wurden. Dort, wo sich Donau und Rhein geographisch treffen, war auch der entscheidende Umschlagplatz für die interkontinentalen Warenströme, die damals hauptsächlich über die großen Flüsse transportiert wurden. Hier konnte das Zinn aus Cornwall und das Kupfer aus dem Erzgebirge umgeladen und bis nach Ägypten geschafft werden, aber auch chinesische Seide, die über die Seidenstraße bis zum Schwarzen Meer gehandelt worden war, konnte so bis an die Quelle der Donau gelangen, wo sie schließlich im Grab des Fürsten von Hochdorf gefunden wurde.

 

Die Binnenschifffahrtsroute über Rhein und Donau bedeutete eine ähnliche Verkürzung des Handelswegs wie der Suezkanal heute. Wer die Warenströme Europas kontrollierte, konnte auch Zölle erheben. Schon von daher waren die Herrscher Kern-Celticas vmtl. die reichsten des Kontinents. Der Handel mit Eisen dürfte weiteren Reichtum beschert haben. Mit diesem waren sie durchaus befähigt, sich die größten Megalith-Monumente des Kontinents bauen zu lassen.

 

Immerhin erwähnen die Geschichtsautoren um „70 n. Chr.“ einen Kelten, den Bataverkönig Civilis, Anführer eines Aufstands gegen die römische Herrschaft im heute niederländischen Gebiet, und dass es eine keltische Nationalidentität gab, denn er rief das freie „Imperium Galliarum“ aus, womit er zum Ausdruck brachte, dass sein Reich in der politischen Organisation und wohl auch in der geographischen Größe sehr wohl mit den Römern mithalten konnte.

 

Bei den Historikern ist es verpönt, von einem Reich der Kelten zu sprechen. Man fragt sich warum, wenn man so wenig Informationen aus authentischen Quellen hat. Welche Kriterien muss ein Reich erfüllen, damit es so genannt werden darf? Galatien, das von Kelten in Kleinasien gegründet wurde, wird auch offiziell als Königreich bezeichnet, wieso dann nicht das ganze Gebiet, in dem Kelten ihre Vorherrschaft hatten? Man spricht ja auch ganz selbstverständlich vom Römischen Reich. Vom Königreich Galatien kennt man die Hauptstadt, die in der Nähe von Ankara lokalisiert wird. Soll Celtica keine gehabt haben? Herodot nennt die Hauptstadt Celticas beim Namen: Pyrene. Aber wenn man das in völliger Ignorierung des Textes als Pyrenäen übersetzt, begeht man dann nicht vorsätzlich Geschichtsfälschung?

 

 

Grundlegende chronologische Fragen und die mögliche Klärung

 

Heribert Illig und Gunnar Heinsohn haben mit ihrer fundierten Arbeit über die tatsächliche Chronologie Ägyptens („Wann lebten die Pharaonen?“) den Weg gewiesen, wie auch die europäische Vorgeschichte wesentlich besser begriffen und vor allem die Schimäre eines Kontinent übergreifenden Reiches, das man mit Bezug auf die antiken Autoren Celtica nennen sollte, in seiner wahren Gestalt erkannt werden kann.

 

Illig und Heinsohn reduzieren die überlange Geschichte des Alten Ägypten von einem Beginn um 2800 v. Chr. auf etwa 700 oder 600 v. Chr., also in die entwickelte Eisenzeit, und belegen dies, neben der Aufdeckung von Zeitsprüngen in der Architekturentwicklung und Technologie-geschichte, fundamental durch die technologische Unmöglichkeit, Granit und andere Hartgesteine mit den Mitteln der angeblichen Kupfer-Steinzeit zu bearbeiten. Die großen Pyramiden können nur in der Eisenzeit entstanden sein, als gehärtetes Eisen bzw. Stahl als Werkstoff zur Bearbeitung von Stein zur Verfügung stand, was auch durch den antiken Historiker Herodot bestätigt wird, der ausdrücklich auf den immensen Einsatz von Eisen beim Bau der Cheopspyramide hinweist.

 

In seinem Werk „Die veraltete Vorzeit“ bewies Illig außerdem faktenreich, dass das Megalithikum ein Produkt der Eisenzeit ist.

 

 

Celtica wie Ägypten eine Hochkultur?

 

Die Reduktion der altägyptischen Geschichte um sage und schreibe 2000 Jahre ermöglicht den Autoren, endlich den richtigen Ablauf der Architekturgeschichte des Pharaonenreichs zu rekonstruieren. Was jeden vernünftigen Menschen zu denken geben musste, dass die Reichsgeschichte gleich mit dem Bau der allergrößten und technisch anspruchvollsten Bauwerken, den Pyramiden von Giseh beginnt und Jahrtausende später mit den kleinen Beamtenpyramiden endet, wird nun in die richtige Reihenfolge gestellt. Die zahlreichen Pyramiden der folgenden Dynastien sind in Wirklichkeit die architekturgeschichtlichen Vorläuferbauten. Die architektonische Geschichte verlief also vom kleinen zum großen und nicht umgekehrt.

 

Europas Vorgeschichte bietet genau dasselbe chronologische Rätsel. Auch hier sollen die größten Monumente der Vorgeschichte, Dolmen, Hünengräber und Cairns, die aus tonnenschweren Felsquadern bestehen, gleich zu Beginn der Zivilisation entstanden sein, Jahrhunderte und Jahrtausende danach aber die Fähigkeit zum Bau vergleichbarer Architekturen völlig verschwunden sein. Eine weit entwickelte Technologie, ungeheuer große Lasten zu bewegen und aufeinander zu türmen, wurde einfach vergessen und nie mehr angewendet. Seltsamerweise bauen die Etrusker aber erst in der Eisenzeit Dolmengräber in Trockenbauweise, jedoch in geometrisch perfekten Formen (Populonia).

 

Begreift man Alteuropa endlich als gemeinsamen kulturellen Raum mit einer einheitlichen Architekturgeschichte des Monumentalbaus (Megalithen) in einer auf wenige Jahrhunderte gekürzten Epoche, ist die Chronologie Altitaliens die Richtschnur. In Italien gibt es keine jungsteinzeitliche Dolmen in grober Form, jedenfalls keine etruskischen, und wenn, dann gehören sie in Wirklichkeit doch in die etruskische Eisenzeit, sind also lediglich provinzielle Varianten der hochkulturellen Vorbilder.

 

So verhält es sich mit allen grobförmigen Dolmen Nord- und Westeuropas. Sie alle gehören tatsächlich in die Eisenzeit. Cairns der Bretagne und der britischen Inseln, sowie die Berg-Cairns Süddeutschlands, sind also nur mehr oder weniger primitive Ausführungen der etruskischen Tumuli, wobei die süddeutschen Varianten technisch dieselbe Stufe erreicht hatten, in der Monumentalität diese jedoch bei weitem übertrafen. Auch hier dominieren die geraden Felsplatten, die senkrechten Mauern. Auch hier sind die Steine korrekt bearbeitet und oftmals in Rechteckform gebracht. Manche Pfeiler weisen Randabtiefungen auf, was in Deutschland eigentlich erst im Mittelalter erwartet wird.

 

Damit erweist sich die etruskische und keltische Geschichte als zeitliche Parallele der ägyptischen Dynastienzeit. Alle anderen Hochkulturen entstehen auch erst mit der Entwicklung von Eisen.

 

Zahlreiche Keltologen haben nämlich ihre Zweifel an der korrekten Chronologie entdeckt und den Beginn des sog. keltischen Jahrtausends (v. Chr.) in die späte Bronzezeit hinein verlängert. Somit wurde ein Zeittor geöffnet, das keltische Eisenzeit und Bronzezeit als ungestörtes Kontinuum erscheinen lässt. Bronzezeitliche Kelten sind damit nicht mehr die Unmöglichkeit, die durch die strikte Epochenfolge von Montelius immer reklamiert wurde.

 

Sie fragen sich, wie diese radikale Kürzung zu rechtfertigen ist? Im Endeffekt gründet die weltweit gültige Chronologie auf der Geschichte Europas und der Hochkulturen an Nil und Euphrat, aber vor allem auf der Bibel, also der angeblich chronologisch glaubwürdigen Geschichte der Juden. Bibelwissenschaftler, im Nazireich ins KZ gesperrt, erforschen schon seit Jahrhunderten die Stichhaltigkeit der dort zu findenden Angaben, mit dem Resultat, dass die Bibel als geschichtliches, und damit auch als chronologisches Werk abzulehnen ist.

 

Illig und Heinsohn haben klargestellt, dass die überlange Geschichte Altägyptens im wesentlichen auf einer biblischen Angabe beruht, nämlich dem Treffen Abrahams mit einem Pharaonen. Da Abraham in die Zeit um etwa 2200 v. Chr. datiert wird, passte man die Chronologie Ägyptens der biblischen an. Die europäische Vorgeschichte wiederum wurde nach der ägyptischen datiert, z. B. durch Funde von ägyptischen Fayence-Perlen oder Bronzedolchen in megalithischen Fundzusammenhängen. So bekamen die Megalith-Kulturen ihr unwahrscheinlich hohes Alter. Die C14-Datierungsmethode wiederum wurde von ihrem Erfinder Libby nach vordatierten ägyptischen Fundstücken aus Holz oder Leinen geeicht, u. s. w.

 

Der eklatanteste Zeitsprung, der durch die Bibel als Rückgrat der Chronologie erzeugt wurde, ergab sich bei der Datierung mesopotamischer Zikkurats. Allen bekannt ist ja der Turmbau von Babel, den laut Bibel ein Herrscher namens Nimrod erstellen ließ. Dieser Turm findet seine erste urkundliche Erwähnung erst 689 v. Chr., als der assyrische König Samherib den Tempel zerstören ließ. Seine Nachfolger Assurhaddon (680-669 v. Chr.) und Assurbanipall (668-631 v. Chr.) begannen mit dem Wiederaufbau, wie Inschriften im Fundament belegen. Nach der Befreiung von der assyrischen Herrschaft setzte der neubabylonische Herrscher Nabopolassarr den Ausbau der Anlage fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604-562 v. Chr.) vollendete ihn. In der Folgezeit verfiel das Bauwerk, möglicherweise auch durch Zerstörungen durch den Perserkönig Xerxes I. (486-465 v. Chr.).

 

Wann der Turm erbaut wurde, lässt sich aus sumerischen Keilschrifttexten nicht herausfinden. Auch ist dort kein Nimrod namentlich bekannt. Die assyrische Mythologie kennt einen Gottkönig Ninurta, mit dem Nimrod wahrscheinlich identisch ist. Die Zeugnisse verschiedener Kulturen (der Griechen, des Islam) lassen die Historiker annehmen, dass es sich bei Nimrod tatsächlich um eine historische Persönlichkeit handelt. Nimrod war demnach Gründer der Städte Babel, Akkad, Ninive und Kelach. Kelach erhielt wohl später den Namen Nimrod. Doch die Zeit der Sumerer, in der angeblich der Turm gebaut wurde, gab es gar nicht, wie Gunnar Heinsohn durch die Überprüfung der archäologischen Schichten herausfand („Die Sumerer gab es nicht“, 1988). Ihre Zeit ist in Wirklichkeit die der frühen Chaldäer im 11. Jh. v. Chr.

 

Wir kennen also nur die Geschichte vom Wiederaufbau, und die fällt in die Zeit der Babylonischen Gefangenschaft der Juden. Dies dürfte der Kern jener biblischen Episode sein, die verdoppelt und in die Vorzeit zurückversetzt wurde, um eine längere Geschichte zu erzeugen. Dies ist überhaupt das Prinzip der Geschichtsfälschung, wie A. Fomenko von der Moskauer Lomonosow-Universität herausfand, Herrscher und ihre Epochen werden verdoppelt und verdreifacht, etc., um unter anderem Namen in der Geschichte wieder aufzutauchen, immer mit ganz ähnlich langen Regierungszeiten. Doch das Thema ist so umfangreich und komplex, dass es hier nur gestreift werden kann. Weitere Informationen finden Sie unter den Links.

 

Unter dem Blickwinkel der Neuen Chronologie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass alle Zivilisationen dieselbe technologische Entwicklung durchliefen, egal ob ägyptische, sumerische, griechischee, etruskische oder keltische, und das weitgehend synchron. Der australische Archäologe Dayton (Minerals, Metals, Glazing and Man“), mit unverstelltem Blick auf die Realitäten, realisierte, dass Eisen aller Wahrscheinlichkeit nach sogar noch vor der Legierung Bronze entstand, einfach deshalb, weil Eisen auf dem europäischen Kontinent fast überall und in großen Teilen Asiens zu finden ist und war, das nötige Holz zur Erzeugung hoher Schmelztemperaturen in den weiten Wäldern wuchs. Dagegen musste man die Bestandteile von Bronze, Kupfer und Zinn, aus verschiedenen Teilen des Kontinents – Zinn aus Cornwall, Kupfer aus dem Erzgebirge – über tausende von Kilometern hinweg zusammenbringen. In Ägypten fehlte schlicht das Brennmaterial, um die zahlreich benötigten Metalle zu gießen, deshalb sieht Dayton eine technologische Vorherrschaft Europas, insbesondere Zentraleuropas.

 

Eisen- und Bronzezeit sind in Wirklichkeit eins. Die Reichgeschichte Ägyptens, wie auch Celticas und aller anderen Hochkulturen aus vorchristlicher Zeit, spielte sich in nur wenigen Jahrhunderten und nicht in zwei und mehr Jahrtausenden ab.

 

 

Historische Dokumente beweisen, dass Megalithgräber von Kelten gebaut wurden

 

Es gibt eine sehr aufschlussreiche Überlieferung aus Irland. Das Vers Dindshenchas („Geschichten der Festungen“), die vom Barden Uo Lothchains stammt und unter König Maelsechlainn im Jahre 1006 verfasst wurde, ist ein fast einmaliges Dokument über die Grabbräuche unserer keltischen Vorfahren. Dort heißt es in Vers 24:

Einen schönen runden Cairn mit zweit Toren kennen wir aus der Bretagne, den Cairn von Dissignac (siehe Artikel „Cairns“). Es gibt auch hier im Kraichgau, östlich von Karlsruhe am Rhein, einen riesigen Cairn, der aber dreieckig ist und die dreieckige Kuppe eines Bergkopfes in Gänze bedeckt. Seine Seitenlänge beträgt rund 300 m. Es ist die Kruschhälde von Sulzfeld (siehe betreffenden Artikel in der Rubrik „Cairns und Pyramiden“). Auch sie besitzt zwei Tore in Form von heute verschütteten Treppenabgängen ins Bauwerk. Die Dreiecksform symbolisiert schon seit der Altsteinzeit in Höhlen-Petroglyphen die Vulva der Frau, also muss auch bei Sulzfeld eine mächtige Frau bestattet liegen.

 

Doch erstaunt, dass hier von Gräbern mit Toren gesprochen wird. Erdgrabhügel, die den Kelten einzig zugesprochen werden, besitzen diese nicht, Megalithgräber dagegen wohl.

 

Hier wird endlich eindeutig beschrieben, wie die Grabbau-Architektur Alteuropas in Wirklichkeit aussah, und dass es eine Gleichzeitigkeit von Erdgrabhügeln und Megalithgräbern gab. „Gräber ohne Tore“ (Portale), also einfache Erdgrabhügel mit Holzkammer oder Steinkiste, die heute irrtümlich als typisch keltisch angesehenen Hügelbestattungen, waren für die jungen Menschen, wohl hauptsächlich im Kampf gefallene Krieger, reserviert. Die Gräber mit begehbaren Kammern, die also ein oder mehrere Tore bzw. Portale besaßen, hat man verdienstvolleren Mitgliedern der Gemeinschaft zugesprochen. Es ist jetzt zu fragen, was die Kelten unter „Künstler“ verstanden, ob damit das gemeint ist, was wir heute darunter verstehen. Vermutlich war jeder in Ehren ergraute Patriarch, der nur genug aus seinem Leben erzählen konnte, natürlicherweise zu einem Geschichtenerzähler oder Barden (Künstler) geworden. Die Hochachtung, die man gegenüber den Müttern der Gemeinschaft empfand, äußerte sich in der erhöhten Zahl der Tore. Vermutlich handelte es sich dabei um Sippengräber, d. h. auch die Nachkommen konnten in der Gruft bestattet werden.

 

Doch hören wir weiter, was die Barden der Kelten uns zu berichten haben (Vers 25 ff.):

Schon diese wenigen Verse geben uns eine Fülle von Informationen. Es gab Wälle aus festen Steinen, Mauern, an denen die Könige und Königinnen Irlands bestattet wurden. Die Erforschung der Berg-Cairns Süddeutschlands brachte ebenfalls eine direkte Verbindung von Oppida (keltischen Bergfestungen) und den Felsnekropolen im Berghang, auf dem die Berg-Cairns auf Felsterrassen an der Hanggrenze, vor der ehemalige Außenmauer, errichtet wurden.

 

1. Bekanntestes Beispiel ist der Kriemhildenstuhl bei Bad-Dürkheim. Hier liegt auf der Bergkuppe die Heidenmauer, ein eindeutig keltisches Oppidum, und in die Wehrmauer integriert die Rückwand der Steingrube, in der bis zur Beseitigung durch unfachmännische Ausgrabungen in den 30er Jahren durch die SS, der Rest eines durch römische Soldaten geplünderten Cairns mit großen Dolmensteinen gestanden haben muss. Das lässt sich aus dem Grabungsbericht erschließen.

 

2. Der Staffelberg bei Staffelstein hat zwei Ringwälle. Im unteren finden sich Steingruben mit Hälden, die als frühmittelalterlich eingestuft sind. Diese wurden offenbar niemals gründlich erforscht.

 

3. Auf dem Bogenberg bei Straubing wurde ein keltisches Oppidum identifiziert und die Wälle in den letzten Jahren archäologisch untersucht. Eine der Wallfahrtskirchen auf der Hügelkuppe liegt jedoch in einer Steingrube (=Steingrab). Ein ganzes Bündel von Wegen und Wällen (daher das Wort Wallfahrt) führt direkt auf dieses Wallfahrtsziel zu.

 

4. Sternenfels liegt komplett auf einem Plateau. In den Hängen konnten vier Hälden (Heldengräber) ausfindig gemacht werden: die Zwerchhälde, die Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf, die Maishälde und die Herdhälde.

 

5. Das größte Oppidum Europas, Grabenstetten bei Bad-Urach, besitzt drei oder vier Kalksteinbrüche im Hang, jeweils, wie in Sternenfels, direkt an Auffahrten zum Plateau (keltenzeitliche Torsituation). Diese Steinbrüche dürften Felsnekropolen mit Berg-Cairns gewesen sein. Nichts war einfacher, die Cairns abzutragen und zum Kalkbrennen zu benutzen, die keltenzeitlichen Steinbruchwände zu erweitern.

 

Die Dindshenchas (Dind = engl. dungeon) schildern eine Monumentalität im Festungs- und Grabbau, die erstaunt. Bis heute konnte dieses Tailtiu, die sagenhafte Hauptstadt der Könige Irlands, nicht identifiziert werden. Wenn man mit den neuen Erkenntnissen über den keltischen Grab- und Festungsbau in den Mittelgebirgen Deutschlands auf die Suche geht, kommt man wahrscheinlich schneller ans Ziel.

 

Es wird eindeutig von Hünengräbern gesprochen. Geschildert wird in den Dindshanchas aber vor allem, dass die Königinnen und Könige ihren Sitz an den Bestattungsmauern hatten, und dass es spezielle Königskammern gab, also megalithische Grabkammern.

 

 

Eine Geschichtsfälschung nahm den Kelten ihre Megalithmonumente

 

Die Analyse der Vers Dindshanchas gibt auch chronologisch sehr viel her.

 

Die Vers Dindshanchas des Uo Lothchains und die Vers Dindshanchas von Fulartach, ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert, berichten über ein dem König gewidmetes Fest, das an Lugnasad abgehalten wurde, also am 1. August. Das erste Fest hatte die mythische Tailtiu als Stifterin, die zugleich Mutter der Gottheit Lug gewesen sein soll. Das Fest fand an einem Ort namens Tailtiu statt. Das zweitgenannte Fest bezieht sich auf die Carman, eine Invasorin aus dem Osten, die Geisel der Thuatha de Dannan wurde und nach ihrem Tod einen Grabhügel in Carmun bekam.

 

Beide Feste wurden auf einem Festplatz abgehalten, der von unversehrten Cairns gespickt war. Fürsten- und Königsgräber werden prominent in den Gedichten erwähnt.

 

Während das Tailtiu-Fest jedes Jahr stattgefunden haben soll, ereignete sich Carmans angeblich nur alle drei Jahre. Die Zahl der aufgeführten Versammlungen jedoch ist gerade in Fulartachs Gedicht „Versammlung von Carman in Leinster“ sehr widersprüchlich. Es werden 509 Versammlungen vor der Zeit Patricks genannt (Vers 34). Multipliziert mit 3, wenn das Fest tatsächlich alle drei und nicht jedes Jahr gefeiert wurde, wären dies 1527 Jahre vor dem heiligen Patrick (432 Jahre n. Chr. lt. Gedicht), dem Zeitpunkt, als das Fest ins Leben gerufen wurde, also 1095 v. Chr. Das scheint zu weit hergeholt.

Denn in Vers 21 desselben Gedichts steht ausdrücklich und im Widerspruch dazu, dass nur 580 Jahre seit der Gefangenschaft Carmans, der Stifterin, bis zu Christi Geburt vergangen seien. Das aber wäre keltische Hallstattzeit.

 

Whitley Stokes nennt in der Übersetzung von „Die Prosa-Geschichten der Dindshanchas von Rennes“ (Revue Celtique 16, 1895) dagegen 1500 v. Chr. als Beginn dieses Festes.

 

Jedoch steht in der wortgetreuen Originalübersetzung von Lothchains Gedicht durch Guyonvarc`h und Le Roux („Die Hohen Feste der Kelten“, 2003) gleich in Vers 2, dass die Geschichte der Jahrmärkte von Tailtiu lediglich über 303 Jahre von der ersten Versammlung in Tailtiu bis zu Christi Geburt ging! Hier wären wir in der keltischen La Tène Zeit.

 

Edward Gwynn schreibt denn auch in The Metrical Dindshanechas, dass G&LR überrascht waren, bei ihren Studien auf Texte zu stoßen, die noch nie angeführt und auch noch nie übersetzt worden waren.

Es handelt sich bei Stokes Revue tatsächlich nicht um eine wortgetreue Übersetzung, sondern lediglich um eine kurze Zusammenfassung, die nur unter Nr. 99 das Stichwort „Tailtiu“ behandelt. Seine inkorrekte, sehr frühe Datierung bezieht sich gar nicht auf den Originaltext sondern auf die offizielle Chronologie der Historiker, die die mythologischen Tuatha de Dannan in diese frühe Zeit datieren. Ein seriöser Historiker aber schert sich nicht um das Geschwätz anderer, sondern übersetzt Dokumente wortgetreu. Authentizität in der Wiedergabe ist oberstes Gebot. Andernfalls wird Geschichtsfälschung begangen, wie im vorliegenden Fall.

 

Erhellend auch, dass diese Feste am Versammlungsort sich um die Ahnenverehrung an den Grabhügeln der Fürsten/Innen und den Grabkammern der Könige/Innen dreht, die dort durch Sitze, offenbar steinerne Throne der Megalithzeit, vertreten sind. Darüber gleich mehr.

 

Der Versammlungsort wird mit dem Bau des Grabhügels der Stifterin angelegt, für den Bau wird der Wald von Cuan gerodet oder die Weide umgewidmet. Und diese Grabhügel hatten Tore, wie wir bei Lothchain erfahren. Typische Grabhügel der eisenzeitlichen Kelten ab -800 jedoch kennt man nur als Erdgrabhügel ohne jeden Zugang zur Grabkammer. Lothchain berichtet aber von Gräbern mit Portalen, und das können nur Megalithgräber sein.

 

Er berichtet zudem von einer der höchsten Gottheiten der Kelten, von Lugaid, der als Sohn der Tailtiu und als Begründer der jährlichen Wettkampfspiele genannt wird. Das spricht dafür, dass wir es tatsächlich mit Gott Lug selbst zu tun haben, denn die Zeit dieser periodischen Versammlungen fand an Lugnasad statt, dem Festtag, der dieser Gottheit gewidmet war.

 

Mit 303 v. Chr. kommen wir zu einer höchst verkürzte Genealogie der Kelten, die stark zu denken gibt und die Chronologiekürzungen heutiger Geschichtskritiker mehr als unterstützt. Keltische Gottheiten darf man demzufolge eher als herausragende Ahnen sehen, denn als überirdische Wesen, die sie in der Erinnerung wurden.

 

Die Analyse, dass die Kultur der Kelten schon in der falsch definierten Jungsteinzeit und frühen Bronzezeit begonnen haben muss, da die Megalithgräber nur mit Eisen der Kelten hergestellt werden konnten (siehe Artikel „Keltische Werkzeuge und ihre Datierung“), haben sich nun auch durch die keltischen Überlieferungen bestätigt. Die Jahrtausende seit dem ersten Bau von Dolmen 5800 v. Chr. schrumpfen auf die sechs Jahrhunderte v. Chr., die keltische Eisenzeit, zusammen.

 

 

Archäologische Beweise für eine stringente Kürzung der Chronologie

 

Der archäologisch bewanderte Leser wird einwenden, dass das Fundgut aus keltischer und Jungstein- bzw. Bronzezeit sich stilistisch unterscheiden. Er wird vmtl. sogar behaupten, dass noch nie Relikte aus keltischer Zeit in Megalithgräbern gefunden wurden. Dem kann ein Kapitel aus Illigs Meisterwerk „Die veraltete Vorzeit“ entgegengehalten werden: „Ein verspätetes Galeriegrab“. Er beschreibt hier die Ausgrabung dieses angeblich neolithischen Megalithgrabs bei Tressé St. Malo, Ille-et-Vilaine in der Bretagne, die 1931 von der Archäologin V. C. C. Collum durchgeführt wurde. Diese hatte die Fehler bisheriger Ausgrabungen vermeiden wollen, die meist zu oberflächlich stattfanden und beschrieben wurden, so dass man nicht sagen konnte, ob die frühen und mutmaßlich späten Objekte zusammen in situ vorgefunden wurden. Es ist nämlich ein „ständiges Erscheinungsbild bei Ausgrabungsberichten von bretonischen Megalithmonumenten und Museumssammlungen“, dass keltische Töpferware (!) sich mit sog. neolithischen Feuersteinwerkzeugen vermischt hatte.

 

Bei dieser Grabung wurde sogar ein späteisenzeitliches Eisenschwert in Fragmenten neben einer Hockerbestattung gefunden. Hockerbestattungen galten bisher immer als typisch neolithisch. Jedoch ergaben die schon im 19. Jahrhundert stattgefundenen Ausgrabungen auf dem Berg bei Hallstatt jede Menge Hockerbestattungen, die dort aber als eisenzeitlich datiert wurden.

 

Collum wollte also von vornherein vermeiden, dass Funde als nachträgliche Beigaben oder Relikte einer späteren Nachbestattung in einem viel älteren Grab gedeutet werden konnten. Deshalb notierte sie die Fundschichten und die Fundanordnung aufs penibelste. Ihre perplex machenden Funde stammen also tatsächlich von der untersten Schicht, der Grablege. Neben dem Eisenschwert fand sich dort auch eine Eisenfibel mit Bronzeauflage, Flintwerkzeuge, die man ansonsten in die Jungsteinzeit datieren würde und auf der Töpferscheibe gedrehte gallisch-römische Keramik. Eine Bronzemünze, die allerdings zu abgegriffen war, um noch eine Prägung erkennen zu lassen, könnte einer Expertise des British Museum zufolge aus der Zeit Domitians stammen, der von 81 bis 96 regierte.

 

Demzufolge wurde hier noch im 1. Jahrhundert n. Chr. ein Megalithgrab gebaut, das, wenn es in Deutschland gefunden worden wäre, 4200 – 2800 v. Chr. datiert werden würde.

 

Auch ein ca. 40 m entfernter Grabhügel bot eine Vermengung von Glockenbecherkeramik (2600 – 2200 v. Chr.) und Gegenständen aus der Eisenzeit.

 

Symptomatisch ist auch die Bewertung des Fundguts, die man bei der Datierung der Heidenmauer, des keltischen Oppidums oberhalb des Kriemhildenstuhls, durchführte. Da eine bronzene Gewandnadel in einer Schicht zusammen mit römischen Ziegeln gefunden wurde, durfte die bronzezeitliche Datierung nicht mehr stattfinden. Der jüngste Fund ist immer der maßgebliche. Man hat sich dennoch auf la-tené-zeitlich geeinigt, wobei völlig unklar ist, womit das begründet wird. In Wirklichkeit entlarvt die Gleichzeitigkeit von Bronzezeitlichem und Römischem in einer Schicht die enorme Spannweite der Geschichtsfälschung. Die typischen Gewandnadeln der Kelten wurden eben noch getragen, als die Römer schon im Land ihre Villen bauten. Kelten lebten gemeinsam mit Römern und waren nicht durch diese vertrieben worden, wie immer behauptet wird, denn die Kelten besiedelten hauptsächlich die Höhen, die Römer dagegen die Täler.

 

Atypische keltische Funde in Megalithgräbern werden auch in Deutschland immer mit Nachbestattungen oder späteren Beigaben erklärt. Noch hat man mit einer kritischen Bestandsaufnahme aller Grabungsberichte nicht begonnen, aber man kann davon ausgehen, dass auch hierzulande ständig geschludert bzw. die Fundlage zurecht gebogen wurde. Dem Publikum werden immer widerspruchsfreie Ergebnisse präsentiert.

 

Illig beklagt in demselben Kapitel, dass alle Monumente, die früher als keltisch bezeichnet wurden, heute als megalithisch gelten. Tatsächlich wurde der Begriff erst 1867 von der „Societé Polymathique“ stattdessen eingeführt.

 

Doch zurück zu den Königen der Keltenzeit.

 

 

Die steinernen Throne der Königinnen und Könige

 

Wenn von Wällen und steinernen Mauern die Rede ist, an der die Könige und Königinnen ihren Sitz hatten, fällt einem die Nekropole von Bougon ein.

 

Noch nicht klar ist, ob in Bougon der Wall D zwischen den Cairns ebenfalls als Bestattungsplatz in Frage kommt. In den Dindshenchas von Rennes, die als einige der wenigen Quellen über die Bestattungssitten der Kelten berichtet, heißt es in Vers 25 und 26:

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51