Cairns (Stufenpyramiden)2

Die zahlreichen Strebemauern des Cairn von Barnenez, Finistere im Querschnitt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Cairn von Ile Long, Morbihan, Larmor-Baden mit einer Kragkuppelkammer und Stufen aus konzentrisch gesetzten Mauern.

 

Auch bei den Pyramiden und Stufenpyramiden Ägyptens sind die Strebemauern nachgewiesen worden.

 

Strebemauern der Pyramide des Djoser in Sakkara, mit der ersten erweiterten Stufenpyramide.

Der Aufbau der Cheopspyramide,

der Pyramide des Sahure.

Deutsche Stufenpyramiden

 

Im Vergleich zu den geometrisch perfekten Bauwerken der Ägypter sind unsere Stufenpyramiden völlig anders konzipiert. Sie erscheinen flächenmäßig sehr groß, in der Höhe dagegen im Vergleich niedrig. Aber das hängt von der Position des Betrachters ab. Da sie oben auf Bergen stehen, waren sie von unten vom Tal als sehr groß und herausragend zu sehen. Es ist auch tatsächlich so, dass die Höhe im Steinbruchbereich nicht immer sonderlich groß ist, dagegen im Hangbereich hoch aufragende und repräsentative Stufen zu sehen sind. Es wurde also tatsächlich für die Leute im Tal gebaut, um diese zu beeindrucken.

 

Ein schönes Beispiel ist die Sulzfelder Kruschhälde, auch grüne Pyramide genannt. Grün ist sie allerdings auch nur im Frühjahr, wenn der Bärlauch sprießt. Da es für den Fotografen recht schwierig ist, das ganze Bauwerk auf ein Bild zu bannen, kann man froh sein, dass es überhaupt Perspektiven gibt, wo alle drei Stufen insgesamt einigermaßen deutlich zu erkennen sind. Man muss sich immer klar sein, wir haben es mit Ruinen zu tun, mit verfallenen Bauwerken, deren beste Bausteine zu großen Teilen geplündert wurden.

Die Kruschhälde von Sulzfeld

Die Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf bei Oberderdingen zeigt im Längsprofil die drei Stufen. Man sieht, wie lang sich das Bauwerk von Ost nach West erstreckt. Die Stufen sind natürlich plan, erscheinen hier auf dem Bild allerdings perspektivisch verzerrt. Man sieht, dass die vorderste höchste Stufe sich auf den Hang hinaus erstreckt. Im Vordergrund im Norden ist ein weiteres Plateau, das sich an das Hauptbauwerk anfügt. Vor diesem Plateau wurde eine vorgelagerte monolithische Felsmauer errichtet (im Bild links nicht zu sehen). In dem entstandenen Gang fand der Entdecker einen aus einem Felsblock glatt gehauenen Opferaltar. Von ägyptischen Pyramiden ist bekannt, dass diese Opferaltäre und kleinen Tempel direkt am Pyramidenportal standen und zu jährlichen Ritualen benutzt wurden.

 

Die Sommerhälde von Oberderdingen

Deutsche Cairns im Größenvergleich

 

Wenn wir Cairn No I der Steingrube in Schmie, ein kleineres Format der dort vorhandenen Monumente, dem Cairn von Barnenez gegenüber stellen, wird klar, dass unsere Monumente den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Der Langcairn von Schmie ist ein mustergültiges und relativ gut erhaltenes Exemplar. Vor allem seine Fassade an der vorderen Basis ist fast über die ganze Länge erhalten. Laub- und Nadelbäume wachsen auf ihm. Mögliche Portale können sich auf der Rückseite unter Schutt und Bewuchs verbergen.

Die Längsseite von Cairn No I, Steingrube Schmie: H ca. 8 m, L ca. 95 m. Die Felswand im Hintergrund, aus der das Baumaterial stammt, ist rechts erkennbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Cairn von Barnenez bei Plouezoc`h, Längsseite nach der Rekonstruktion. So könnten unsere Monumente auch bald aussehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schmalseite von Cairn No I, Schmie zeigt, wie relativ steil und damit stabil das Bauwerk ist. Eine Freilegung des Monuments wäre technisch kein großes Problem. Das Wurzelwerk dürfte dagegen Probleme bereiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schmalseite des Cairns von Barnenez: L 72 m, H 5,80 m.

Ein Aspirant für zukünftige Grabungen ist auch der Cairn I der Sommerhälde in Kürnbach/Baden. Eine Grabkammer wurde schon geöffnet, eine weitere mittels Geoelektrik sondiert.

 

Der ca. 60 m lange Cairn I, rechts im Hintergrund der Beginn des ca. 250 m langen Cairn III.

Schon bekannte freistehende Stufenpyramiden

 

Angesichts der bis jetzt nur in Steinbrüchen nachweisbaren Megalith-Pyramiden stellt sich natürlich die Frage, wurden diese nicht auch außerhalb, auf offenem Gelände erbaut? Wenn man die Steinbrüche erschlossen hatte, konnte man die steinernen Monumente auch überall sonst errichten. Wo sind diese zu finden?

 

Grundsätzlich hat man in großen Teilen Europas diese Cairns gefunden – und zwar fast immer auf der Ebene, also nicht in Steinbrüchen, hier ein Beispiel aus der Bretagne, der Cairn von Disignac.

In Frankreich vergleicht man die Cairns daher gern mit den Stufenpyramiden und gestuften Mastabas der ägyptischen Hochkultur, insbesondere, da sie offensichtlich nach denselben Konstruktionsprinzipien errichtet wurden.

 

Stufenpyramiden gibt es in Europa, das ist den meisten nicht bewusst. Thor Heyerdahl, Harald Braem und Dominique Görlitz haben hier Pionierarbeit geleistet und die auf den Inseln liegenden Bauwerke an die Öffentlichkeit gebracht. Bekannt sind inzwischen die Stufenpyramiden auf Teneriffa, die in der Volksüberlieferung Königsgräber gewesen sein sollen.

Auch hierzulande gibt es Monumente, die allseits schon seit langem bekannt, aber noch gar nicht grundlegend erforscht sind und deshalb vermutlich völlig falsch interpretiert werden, z. B. die sog. Motten, große künstliche Hügel mit z. T. gut erhaltenen Stufen, die von den Fachleuten als Turmhügelburgen aus fränkischer Zeit betrachtet werden. In Wirklichkeit jedoch dürften wir freistehende Stufenpyramiden vor uns haben, die besonders hoch gebaut und, anders als die Cairns, nicht in Felsflanken verborgen wurden.

 

Vielleicht haben die Mottenforscher Arcisse de Caumont, Otto Piper und Carl Schuchhardt auf einigen dieser nicht seltenen Steingrabhügel tatsächlich die Fundamente bzw. Pfostenlöcher hölzerner Bauwerke gefunden, aber ob dies tatsächlich fränkische Türme waren bleibt unbeantwortet. Es können auch andere Bauwerke aus viel früherer Zeit gewesen sein, offenbar Kultbauten wie andernorts gefunden.

 

Wenn man den Sonnentempel aus Holz auf dem Monte d´Accoddi/Sardinien betrachtet, sieht man die Alternative. Das Bauwerk von 5 x 15 m hat seinen Ursprung nach offizieller Chronologie vor mehr als 5000 Jahren.

 

Ein Altar von 3,07 x 3,15 x 0,70 m stand unterhalb einer Rampe von 9 m Breite und 41,8 m Länge, die über die Stufen hinweg zum Tempel führte. Dominique Görlitz sieht die Form dieses Bauwerks als Beweis, dass die sumerische Kultur hier Einfluss ausübte. Nur, die Sumerer werden erst ab etwa 3600 v. Chr. datiert, während die Megalith-Kultur Europas schon 5800 v. Chr. beginnt.

Genau denselben Tempel aus Holz und die dazugehörige Rampe fanden die Archäologen bei den Etruskern auf dem Tumulo A bei Cortona, datiert im Zeitraum 600 – 100 v. Chr. Diese Rampe erinnert nicht nur an sumerische und südamerikanische Vorbilder, sondern hat auch Entsprechungen in südwestdeutschen Cairn-Monumenten (Heilbronn, Maulbronn-Schmie, Kürnbach, Sternenfels).

Es wäre auch für fränkische Turmbauer aus ökonomischen Gründen reichlich abwegig gewesen, wegen eines Turmes einen künstlichen Hügel aufzuschichten, wenn es in Deutschland überall natürliche gibt. Man sieht, wie unbedacht Theorien entstehen und unhinterfragt von Archäologengeneration zu Archäologengeneration weitergereicht werden.

 

Egon Wolf, für die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn/Rheinland-Pfalz als Leiter der Bauabteilung tätig, hatte 2005 die Initiative, einen archäologischen Wanderweg durch die heimatlichen Wälder anzulegen und fand dabei Unterstützung durch Konservator Rüdiger Schulz vom Landesamt für Denkmalschutz. Neben zahlreichen Menhiren und Steinsetzungen, Steinalleen und künstlich wirkenden Naturdenkmälern galt sein Interesse vor allem einer sog. fränkischen Motte auf dem Gebiet der Gemeinde Neuhemsbach.

Auch hier finden wir gut erhaltene Stufen, die einem Burghügel eklatant widersprechen.

Die sog. „Wallburg“ bei Odenheim-Eichelberg im Großen Wald wird als Festung eingestuft, weil sie von einem Gaben umgeben ist. Die Besichtigung erbrachte genau diese Fragestellung: Warum soll eine künstliche Erhebung inmitten natürlicher Hügel aufgebaut worden sein, wenn die nicht einmal in Pfostenlöcher nachweisbare Burg von den umgebenden höheren Hügeln herab ganz leicht beschossen werden konnte? Kreisgräben gab es auch um keltische Grabhügel. Das betreffende Bauwerk mit seinen Stufen ist so imposant, dass man als bescheidener Deutscher gar nicht wagt, an eine Pyramide zu glauben.

 

Aber hier haben wir die eigentlichen Gründe für die Fehlinterpretation: Ein Großgrabhügel kann keiner sein, weil er einen Graben besitzt, also eine Wehrfunktion erfüllt. Schon ist das Missverständnis in der Welt.

 

Der Mottenforschung zufolge gibt es auch einige Beispiele für angebliche Zweckentfremdung uralter keltischer und noch älterer Grabhügel als frühmittelalterliche Burgen: In Großbritannien und anderen Ländern, aber auch in Süddeutschland, z. B. nahe der Heuneburg an der Donau, die sog. Baumburg. Hier existiert lediglich eine Sage, die auch noch den Besitzer der keineswegs nachweisbaren Burg (vmtl. aus Baumstämmen) benennt. Heute gilt die Baumburg als hallstattzeitlicher Grabhügel. Und wenn dann noch dörfliche Fama, wie im Fall der Baumburg, den Besitzer einer angeblichen Burg benennt, in Wirklichkeit aber damit die nur einen Steinwurf entfernte Heuneburg meinen dürfte, ist die Geschichtsfälschung komplett. Die Heuneburg kann keinen historisch erinnerbaren (mittelalterlichen) Besitzer gehabt haben, denn sie ist ja ein keltisches Oppidum und ging schon vor den Römern unter. Doch stimmt dieses Szenario? Stimmt unsere Chronologie überhaupt?

 

Tatsächlich hat man kaum einen dieser mysteriösen Hügel wirklich nach Gräbern und Grabkammern untersucht, der Aufwand ist, wie bei ägyptischen Pyramiden, schlicht zu groß.

 

Wie stabil diese alten Grabpyramiden sind, erkennt man am Arundel-Castle in Kent/Großbritannien. Ein einfacher Erdhügel ist wohl nicht geeignet, einen steinernen Turm zu tragen. Eine derart steile Basis kann mit Erdwerk auch nicht fabriziert werden.

Ein ähnlich stabiles, mehrfach gestuftes Monument finden wir in Haselbourg im Elsaß. Dort trägt die sog. Römerschanze eine über 10 m hohe Marienstatue. Die Archäologen gehen jedoch davon aus, dass das ganze Dorf hoch auf einem Berg des Elsaß schon in der keltischen Hallstattzeit, im 1. Jahrtausend v. Chr., ein Oppidum, also eine Bergfestung war.

 

Die großen Felsquader, aus denen die Pyramide besteht, kann man an der Basis, von der Straße aus sehr gut erkennen. Also auch hier das Missverständnis, einem vorgeschichtlichen Festungswerk gegenüberzustehen. Vermutlich sind es die gigantischen Felsblöcke, die erkennbar den Baukörper des Monuments bilden, die zum Fehlschluss führten. Hallstatthügel sind ja bekanntermaßen nur aus Erde, also dürfen solche pyramidenartige Bauwerke nur die Römer gebaut haben. Wieso man allerdings angesichts der Grabhügelform auf den Begriff Schanze verfiel ist ein Rätsel.

Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:15:59